In einer Hand
Wir sind auf dem Betrieb von Ludwig Wittmann, hier mit seinem jungen Zuchteber. Der Landwirt aus Gänsstall bei Dachau betreibt gemeinsam mit seinem Sohn Michael sowohl Schweinezucht als auch Schweinemast. In der Regel sind diese Betriebszweige getrennt. Ein Vorteil des geschlossenen Systems: Weniger stallfremde Krankheitserreger und damit weniger Medikamente. Außerdem erspart man den Ferkeln so den Transport.
Schweinehaltung Der Preis für billiges Schweinefleisch
Die Schweinehaltung sieht in Bayern nicht wesentlich anders aus als in den anderen Bundesländern. Die Schweine stehen in der Regel auf Spaltenböden ohne Stroh. Das ist nicht optimal. Doch auch auf andere Faktoren kommt es an.
Aufpäppeln und auswildernRund 3,5 Millionen Schweine werden in Bayern gehalten, das sind etwa 13 Prozent aller deutschen Schweine. In Bayern gibt es im Vergleich zum Bundesdurchschnitt noch viele kleine Betriebe, doch immer mehr Schweinehalter geben angesichts niedrigster Erzeugerpreise auf. Der Strukturwandel hin zu größeren Beständen ist in vollem Gange, stärker als in der Rinderhaltung. Konkret heißt das: Etwa zehn Prozent der Schweine, also der Zuchtsauen, Ferkel und Mastschweine stehen auf Stroh, meist sind das ältere Stallungen. 90 Prozent dagegen werden auf Voll- und Teilspaltenböden, in der Regel in beheizten Ställen gehalten.
Zuchtsauen: rund die Hälfte ihres Lebens im Kastenstand
Während Mastschweine und Ferkel in Gruppenbuchten leben, verbringen Zuchtsauen etwa die Hälfte ihres Lebens in meist nur gut körpergroßen Käfigen: während der Deckphasen und während der Säugephasen. Die restliche Zeit und insgesamt etwa die Hälfte ihres Lebens verbringen die meisten Sauen mittlerweile mit anderen Sauen in Gruppenbuchten. Viele Tiere werden aber noch immer das ganze Leben in Einzelkäfigen gehalten. Denn noch haben nicht alle Ferkelerzeuger auf die seit 2006 vorgeschriebene, teilweise Gruppenhaltung umgestellt, die Übergangsfrist endet erst am 31. Dezember 2012. Doch auch das Gruppenleben allein befriedigt nicht alle Bedürfnisse der Tiere.
Wie Schweine sind und was sie brauchen
Natürliche Neugier
Schweine sind neugierige Tiere. Im Freiland verbringen sie bis zu 80 Prozent ihrer Zeit mit der Nahrungssuche, wühlen mit ihren empfindlichen Rüsseln in der Erde, schnüffeln und erkunden ausgiebig. Im Stall bietet sich Stroh an, idealerweise als Einstreu; oder in einer Raufe, das geht auch bei Spaltenböden. Am liebsten wollen sie natürlich raus, da gibt es viel zu beobachten.
Anschluss gewünscht
Schweine sind soziale Tiere, die weiblichen Tiere leben in einer Gruppe von etwa 20 bis 30 Tieren, in einer festen Rangfolge. Die Eber leben ab der Geschlechtsreife als Einzelgänger. Die Gruppenhaltung von Mastschweinen und Ferkeln befriedigt prinzipiell dieses Bedürfnis. Für Rangordnungskämpfe ist aber genügend Platz wichtig.
Der Kuschelfaktor
Schweine liegen gerne nahe beieinander, sofern es ihnen nicht zu heiß ist, und sie mögen's bequem. Wildschweine bauen sich aus Blättern und Ästen ein Nest, Hausschweine liegen am liebsten auf Stroh. Aber auch eine Gummimatte erhöht schon den Liegekomfort. Auf reinem Betonboden dagegen legen sich die Tiere vermehrt in Bauchlage statt in die entspannte Seitenlage - und werden oft krank.
Schweine sind sauber
Schweine vermeiden es, wenn irgend möglich, ihren Liegeplatz mit Kot oder Harn zu verschmutzen. In reinen Spaltenbodenbuchten im Warmstall gelingt den Tieren eine solche Trennung oft nicht. Und die Haltung von Zuchtsauen in körpergroßen Fressliegeboxen macht eine Trennung in Liege- und Abkotbereich per se unmöglich. Ideal ist ein Außenklimastall mit Freilauf. Hier koten die Tiere im kühlen Außenbereich ab.
Schweine schwitzen nicht
Weil Schweine nicht schwitzen können, muss die Temperatur in einem beheizten Warmstall auf die Bedürfnisse der Schweine gut abgestimmt werden. Je kleiner sie sind, desto größer das Wärmebedürfnis. In einem Raum sind daher in der Regel nur Buchten mit etwa gleichaltrigen Tieren. In einem nicht klimatisierten Stall sollten sich die Tiere in verschiedenen Bereichen abkühlen und aufwärmen können.
Frische Luft und Bewegung
Wildschweine legen pro Tag etwa vier bis sechs Kilometer zurück. Hausschweine in herkömmlichen, kargen Ställen ohne Auslauf ins Freie ruhen dagegen etwa 80 Prozent des Tages. Hier kann vermehrte Aktivität sogar ein Hinweis auf zu hohe Temperaturen, unhygienische Verhältnisse, zu wenig Platz oder schlechte Liegeflächen sein. Auslauf ins Freie verschafft ihnen dagegen Bewegung und frische Luft, wichtige Faktoren für Wohlbefinden und Gesundheit.
Empfindliche Klauen
Vollspaltenböden, durch die sich flächendeckend der Kot tritt, haben arbeitswirtschaftlich große Vorteile und ermöglichen eine gute Hygiene bei relativ dichter Aufstallung. Für die Tiere haben sie allerdings auch Nachteile: Schweineklauen sind für diesen Untergrund nicht gemacht, die Verletzungsgefahr ist groß, vor allem bei schnellen Bewegungen. Ein planbefestigter Boden mit Stroheinstreu bietet hier deutlich mehr Sicherheit.
Schwanzbeißen = mangelndes Wohlbefinden
Mehr dazu
Mehr zur Problematik Schwanzbeißen und Schwänze kupieren bei Schweinen finden Sie beim Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg
Ein Schwein bebeißt den Schwanz des Artgenossen: Erst nur die gefühllose Schwanzspitze und dann immer weiter, manchmal bis hoch zur Wirbelsäule: Diese Verhaltensstörung, die zu schweren Verletzungen und nachfolgenden Infektionen führen kann, findet man vor allem bei intensiv gehaltenen Schweinen, in geringerem Maß aber auch in ökologischen Haltungsformen und selbst im Freiland. Bei Wildschweinen lässt sich diese Verhaltensstörung nicht beobachten.
Leerkauen = innerer Stress
Schwanzbeißen tritt unter ausgewachsenen Sauen übrigens nicht auf. Innerer Stress durch Beschäftigungsmangel, ständigen Hunger, Schmerzen, zu kalte oder nasse Liegeflächen oder Angst vor Buchtengenossinnen zeigt sich bei Sauen durch Leerkauen.
Als Hauptfaktor wird das Bedürfnis der Tiere nach erkundendem Schnüffeln und Wühlen angesehen, heißt es in einem zusammenfassenden Gutachten des Gremiums für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) der EFSA, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Aber auch Faktoren wie das Stallklima, die Stressanfälligkeit bestimmter Rassen, Frustration rangniederer Tiere, mangelndes Wohlbefinden durch Krankheit oder die Futterzusammensetzung können zu Schwanzbeißen führen.
Am besten wäre Stroh
Als wirkungsvollste Methode das Schwanzbeißen zu vermeiden, wird die Gabe von Stroh oder ähnlichen Materialien gesehen. In der konventionellen Mast werden den Tieren stattdessen als Ferkel die Schwänze kupiert. Bis zum Alter von vier Tagen darf das betäubungslos geschehen. In einigen anderen Staaten, wie der Schweiz und den Skandinavischen Staaten ist das Kupieren der Schwänze generell verboten.
Was beim Ökobauern anders ist

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