Bayerisches Fernsehen - Unkraut

Wunderbar einsam Überwintern auf dem Einödhof

Im Winter ist die stade Zeit auf dem Einödhof Waldeck im Lamer Winkel, doch langweilig wird es hier nie. Die Familie betreibt den Waldbauernhof nach alter Tradition - UNKRAUT hat sie besucht.

Autor: Bettina Dietrich Stand: 30.01.2012
Einödhof Waldeck  | Bild: BR

Von der Landstraße führt eine schmale Zufahrt ab in den Wald. In engen Kurven zieht sich die verschneite Straße den Berg hinauf. Ein paar hundert Meter weiter endet der Weg. Wer hier wohnt, ist auf sich selbst gestellt - inmitten der Natur. Im Winter zeigt die Natur gerne ihre raue Seite im tiefsten Bayerischen Wald, im Lamer Winkel. Bei Eis und Schnee ist der Hof abgeschnitten von der Außenwelt.

Anna Frisch beim Backen

Anna Frisch lebt mit ihrer Familie auf dem Einödhof Waldeck. Viele Nahrungsmittel stellt sie selbst her. Wenn sich der Schnee draußen türmt, will sie unabhängig sein von dem langen Weg ins nächste Geschäft. Für das Brot heizt sie jeden Morgen den Holzofen ein.

"Das Selbermachen, das gehört bei uns einfach dazu. Ich bin das auch schon von klein auf so gewöhnt. Oft kommen wir im Winter eine ganze Woche lang nicht ins Tal runter. Da ist es schon wichtig, dass man was zum Essen hat."

Anna Frisch

Geheizt wird noch wie früher - mit Holz

Der Winter ist die Zeit zum Räuchern. Das wird noch genauso gemacht wie vor hundert Jahren, nach einem alten Familienrezept. Das mit Wacholder und Zwiebelsud gebeizte Schweinefleisch kommt in den Rauchfang. Bei Kälte sind gleich mehrere offene Feuerstellen im Einsatz. Eine wärmt die gute Stube, eine Küche und Bad, eine ist für das warme Wasser zuständig.

"Die Holzöfen machen schon Arbeit. Aber schließlich leben wir hier zu siebt. Und da wollen wir es warm haben. Der erste, der am Morgen aufsteht, fängt an mit dem Heizen. Meistens ist das meine jüngste Schwester."

Anna Frisch

Der Einödhof Waldeck - ein Waldbauernhof mit Tradition

Harte Arbeit: Otto Frisch beim Baumfällen

Jeder muss anpacken, um die Familie gemeinsam gut durch den Winter zu bringen. Senior Otto Frisch ist für die Waldarbeiten zuständig. Am Vormittag macht er sich auf in seinen Wald. Der liegt direkt vor der Haustüre. Das Brennholz hat der Waldbauer schon unterm Jahr geschlagen, es braucht Zeit zum Trocknen. Doch auch bei Eis und Schnee muss Otto Frisch draußen arbeiten. Er achtet bei der Winterfällung auf die Mondphasen. Jetzt ist die beste Zeit, wertvolle Furnierhölzer zu schlagen. Sie sind für Bauholz- und Möbelherstellung bestimmt - eine wichtige wirtschaftliche Stütze für den Einödhof.

"Wir müssen Sommer wie Winter im Wald arbeiten. So ist das nun mal auf einem Waldbauernhof. Bei der Kälte geht alles ein bisschen langsamer, aber es geht."

Otto Frisch

Waldwirtschaft - ökologisch

Waldarbeit fällt auch im Winter an - nur ausgesuchte einzelne Stämme werden geschlagen. Kahlschlag ist tabu.

Mit anderen Waldbesitzern hat er sich zusammengeschlossen zur Ökoregion Arrach-Lam-Lohberg. Gemeinsam betreiben sie ökologische Waldwirtschaft. Dazu gehört, dass Otto Frisch nur einzelne Bäume aus dem Wald holt, Kahlschlag ist tabu. So achtet er auf Naturverjüngung - der Jungwald kommt von selber hoch.

Energieversorgung - autark

Der Weg vom Wald zum Hof führt an der eigenen Quelle vorbei. Hier ist ein kleines Wasserkraftwerk in Betrieb. Die Familie Frisch gewinnt ihren eigenen Strom für den Einödhof. So sind sie autark in ihrer Energiegewinnung.

Der Winter - die stade Zeit

Hinter dem Hof liegt der Hühnerstall. "Grünleger" heißt die Hühnerrasse - wegen der leicht grünlichen Eier. Angeblich sind die Eier besonders cholesterinarm. Enkelin Carolina geht gerne Eier einsammeln. Einen Kindergarten besucht sie nicht, wegen der weiten Wege. Langweilig wird es ihr auf dem Einödhof trotzdem nicht.

Die große Familie - versammelt um den Tisch

Wenn Klara Frisch Familienbesuch erwartet, backt sie Apfelstrudel. Genau weiß sie nie, wie viele vorbeikommen, denn die Familie ist riesengroß. Annas Mann Josef Lemberger bereitet die Brotzeit zu - mit dem eigenen Räucherfleisch und anderen Spezialitäten aus der Region. Auch der Käse ist aus der Nachbarschaft. Der Familienvater ist gelernter Koch und bewirtet von Freitag bis Sonntag Gäste in der Hofwirtschaft. Im Sommer kommen viele Wanderer vorbei, bei Eis und Schnee ist es ruhiger.

"Ich mag den Winter, da ist alles gemütlicher. Es geht alles nicht so schnell. Gestern ist bei uns das Telefon ausgefallen. Das macht auch nichts. Einsam wird es auch so nicht bei uns. Manchmal sind wir bis zu 30 Leute aus der Familie hier am Hof. Da bleibe ich immer gut im Schwung, auch wenn die Gaststube nicht offen hat."

Klara Frisch

Der Einödhof im Winter: Hier lässt es sich aushalten

Die Frischs sind ganz unter sich in der Natur dort draußen im Lamer Winkel. Auch wenn es manchmal mühsam ist - sie sind darauf eingestellt - und schließlich: Es lässt sich aushalten auf dem Einödhof Waldeck.

Weitere Informationen

Einödhof Waldeck
Hinterwaldeck 1
93462 Lam
Tel.: 0 99 43 / 37 69 38