Bayerisches Fernsehen - Unkraut

Bayern statt Afrika Immer mehr Störche bleiben da

Störche im bayerischen Winter? Das ist neu! Obwohl sie als Zugvögel den Winter in Afrika verbringen müssten, bleiben immer mehr von ihnen einfach hier. Warum tun sie das? Und wie kommen sie über den Winter?

Autor: Dorothee Rengeling Stand: 30.01.2012
Störche im Schnee | Bild: BR

Der Aischgrund in Mittelfranken ist ein Paradies für Weißstörche. In der Landschaft mit ihren Teichen, Wiesen und Feuchtgebieten finden Störche alles, was sie zum Leben brauchen: Mäuse, Frösche, kleine Fische, Regenwürmer, Insekten und Schnecken. Erst im Herbst ändert sich das. Dann gibt es weniger Nahrung. Störche, als klassische Zugvögel, ziehen dann dahin, wo sie leicht genügend Futter finden: nach Afrika. In letzter Zeit ändert sich das. Einige Störche ziehen im Herbst nicht weg. Sie bleiben hier. Wie kommen sie über den Winter?

Hilfe vom Storchenfreund

Storchenexperte Edmund Lenz

Edmund Lenz, Storchenexperte und Hobbyornithologe, setzt sich seit 30 Jahren für die Störche rund um Höchstadt ein. Er möchte, dass möglichst viele Brutpaare im Aischgrund heimisch werden. Vor einigen Jahrzehnten gab es fast keine Störche mehr in der Region. Inzwischen leben in Mittelfranken wieder 77 Brutpaare. Edmund Lenz hat beobachtet, dass immer mehr Störche im Winter hierbleiben. Rund um Höchstadt sind es in diesem Winter 20 Störche.

Warum bleiben Störche im Winter bei uns?

Sicher spielt der Klimawandel eine Rolle - wärmere und kürzere Winter könnten die Vögel dazu verleiten, hier zu bleiben. Aber der Klimawandel ist nicht die einzige Ursache dafür, dass die Vögel hier bleiben. Es gibt noch andere Gründe. Manche Vögel verpassen den Abflug, weil sie verletzt oder geschwächt sind. Deshalb bleiben sie hier. Und es gibt Vögel, die kein normales Zugverhalten mehr haben. Sie stammen aus Pflegestationen: Um Störche erfolgreich und zügig anzusiedeln, hat man in Pflegestationen Störche gezüchtet. Im ersten Winter hat man sie am Wegfliegen gehindert, indem man die Vögel in den Volieren hielt. Dadurch haben sie ihr normales Zugverhalten verloren. Ihre Nachkommen verhalten sich im ersten Winter noch anders als ihre Eltern - nämlich völlig normal. Sie fliegen pünktlich im Herbst nach Afrika. Aber leider nur im ersten Winter, im zweiten Winter scheint sich das zu ändern. Dann bleiben die Nachkommen von Zuchtstörchen vermehrt hier. Sie scheinen ihren Instinkt zu verlieren. Störche, die kein normales Zugverhalten mehr haben, könnten also auch unter den Vögeln sein, die den Winter im Aischgrund verbringen.

Hier überwintern Störche: Landschaft bei Höchstadt an der Aisch

Edmund Lenz möchte alle Störche gesund über den Winter bringen. Deshalb füttert er sie. Das darf er aber nur zu Notzeiten - so, wie es das Deutsche Jagdgesetz vorschreibt: wenn der Boden längere Zeit hartgefroren ist beziehungsweise viel Schnee liegt.

Fütterung - pro und kontra

Storchenexpertin Oda Wieding

Oda Wieding, Storchenexpertin vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern, sieht diese Entwicklung mit Sorge. Sie möchte eine Wildpopulation von Störchen haben, die sich natürlich verhalten. Die aus eigener Kraft über den Winter kommen und nicht von der Hilfe des Menschen abhängig sind. Denn ihrer Meinung nach können Störche auch im europäischen Winter Futter finden, zum Beispiel in offenen Gräben. Die Vögel verändern auch ihre Futtersuche im Winter: Sie streifen weiter umher als sie das normalerweise tun. Manche von ihnen fliegen sogar, wenn es einen Kälteeinbruch gibt, bis zum Bodensee oder Neusiedler See. Dort ist das Klima wärmer, es gibt mehr Nahrung. Deshalb ist sie dagegen, Störche zu füttern.

Ungewohnter Anblick: ein Storch im Schnee

Edmund Lenz darf aber Störche füttern, wenn er sich an die Regeln hält. Um zum richtigen Zeitpunkt mit dem Füttern zu beginnen, beobachtet er die Vögel jeden Tag. Gleichzeitig verfolgt er den Wetterbericht. Da die Störche etwa eine Woche brauchen, bis sie sich an einen Futterplatz gewöhnt haben, muss er rechtzeitig vor einem Kälteeinbruch mit dem Füttern beginnen.

Aber er kann kein Futter verteilen, wie man es bei Singvögeln einsetzt. Körner und Samen mögen Störche nicht. Sie brauchen eiweißhaltige Nahrung. Fischabfälle sind ideal. Je mehr reichhaltiges Futter die Vögel im Winter fressen, umso besser sind sie für die anstrengende Brutpflege im Frühjahr gewappnet. Dann könnten auch mehr Jungstörche durchkommen.

Störche und andere Vögel kommen zur Futterstelle

Die Fischabfälle legt Edmund Lenz an der Fütterungsstelle aus. Nach einiger Zeit wagen sich die Störche aus der Deckung. Am nächsten Tag muss Edmund Lenz die Fischabfälle, die übrig geblieben sind, wieder einsammeln. Sie dürfen die Landschaft nicht verschmutzen - das schreiben ihm die Regeln ebenfalls vor. Er bringt die Fischabfälle zur Entsorgung und holt neues Futter.

Edmund Lenz möchte die Störche für die Nachwelt erhalten. Deshalb möchte er keinen Vogel verlieren und füttert sie. Sein Traum: Wenn es wieder 1.000 Brutpaare in Bayern gibt, dann hört er mit der Fütterung auf. Dabei ist die Ansiedlung in Bayern schon eine Erfolgsgeschichte: Anfang des 19. Jahrhunderts gab es 250 Brutpaare, 1988 war der Tiefstand erreicht mit 57 Brutpaaren. Heute sind es wieder 246.

Weitere Informationen

Natur- und Umwelthilfe Erlangen e.V.

Edmund Lenz
Drosselstr. 2
91315 Höchstadt
0 91 93 / 69 85 14

Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV)

Oda Wieding
Eisvogelweg 1
91161 Hilpoltstein
0 91 74 / 47 75 - 32
0 91 74 / 47 75 - 0

Webcam aufs Storchennest

Aktuelle Bilder von den Störchen in Höchstadt a.d. Aisch

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