Überlebenskampf Der Zug der Seeforelle
Seeforellen müssen zum Laichen die Zuflüsse der Seen weit hinauf wandern, bis sie in kleinen Bächen das ideale Laichgebiet finden. Doch der Weg dorthin ist oft durch Wehre versperrt. Fischtreppen können helfen, doch dann gibt es die nächsten Probleme …
Seeforellen leben in Süßwasserseen und ernähren sich von Insekten und kleinen Fischen. Mit zwei bis drei Jahren werden sie geschlechtsreif und sind dann bis zu 20 Kilo schwer. Im frühen Winter beginnen sie eine tagelange, beschwerliche Reise: Sie ziehen zum Laichen hinauf in die Zuflüsse der Seen. Ihre Laichplätze liegen in kleinen Bächen - sie laichen dort ab, wo sie selbst aus dem Ei schlüpften und wo ihr Nachwuchs größere Chancen hat zu überleben. Es ist ein uraltes, seit Jahrmillionen bewährtes Verhalten.
Bewährtes Verhalten wird zum Überlebenskampf
Die Seeforellen haben ein großes Problem: Ihre "Wege“ - die Zuläufe des Bodensees zum Beispiel - sind in den letzten Jahrzehnten vom Menschen völlig verbaut worden. Wehre machen es den Seeforellen unmöglich, ans Ziel zu kommen und sich fortzupflanzen. Der Biologe Peter Rey kennt dieses Problem gut. Jahrelang hat er die vergeblichen Versuche der Fische dokumentiert, sich auf natürlichem Weg fortzupflanzen.
"Die Seeforelle ist so wichtig wie ein Lachs - sie gehört auch zur selben Familie - den Salmoniden. Und wie der Lachs den Rhein hochzieht, ist die Seeforelle in den Gebieten, in denen der Lachs nicht hinkommt, der größte Wanderfisch, den wir haben. Früher war die Seeforelle häufig, zwischenzeitlich ist sie fast ausgestorben und jetzt so langsam erholen sich die Bestände wieder. Und da wollen wir einfach dabei sein und helfen, dass es ihnen wieder besser geht. Es geht um den Erhalt der Artenvielfalt."
Dr. Peter Rey, Biologe
Laichen - ein Kraftakt
Wassertiefe, Sauerstoffgehalt, Temperatur und Fließgeschwindigkeit - alle Parameter müssen stimmen. Ist ein guter Laichplatz gefunden, so beginnt das weibliche Tier einen weiteren Kraftakt: In Seitenlage schafft es durch Schwanzschläge eine 15 bis 30 Zentimeter tiefe Grube. Die Seeforelle kann Steine, die größer als 20 Zentimeter sind, aus dem oft recht harten Flussboden brechen. Die Gruben sind riesig - manchmal mehr als vier Quadratmeter groß. Das Weibchen legt die Eier in die Grube, das Männchen besamt sie gleichzeitig. Daraufhin deckt der weibliche Fisch die Laichgrube wieder zu. Dieses Verhalten wiederholt sich in den folgenden Tagen mit wechselnden Partnern mehrmals, bis alle Eier abgelegt sind.
Hilfe und neues Unheil
Peter Rey hat an einigen Bodenseezuflüssen Fischtreppen durchgesetzt - jetzt wäre der Weg für die wandernden Seeforellen frei. Doch es droht neues Unheil. Aufgrund der Klimaveränderung ist der Wasserstand im Winter immer öfter zu niedrig für den freien Aufstieg. Haben es einige Tiere trotzdem geschafft, sind sie oft erschöpft und verletzt. Mangelhafte Wasserqualität führt dann noch dazu, dass sie an Pilzerkrankungen leiden.
Fischschutz zwischen Frust und Freude
Peter Rey dokumentiert seit vielen Jahren die Seeforellenbestände in den Zuflüssen des Bodensees, doch Erfolgserlebnisse sind selten. Auf den stundenlangen Märschen bekommen die Biologen statt Paarungsspielen meist nur sterbende Tiere zu Gesicht. Doch vielleicht haben sie es vorher noch geschafft, sich zu paaren? Peter Rey sucht nach verdächtigen Formen auf dem Bachgrund, den sogenannten Laichgruben. Ist eine gefunden, kommt ein großer Moment für die Biologen: Vorsichtig entfernt Peter Rey Steine am Rand. Die Tiere haben gelaicht! Ein riesiger Erfolg: Bis zu 3.000 Eier liegen in einem Steinhaufen. Nach ein paar Wochen schlüpfen die Winzlinge. Doch nur eine Handvoll von ihnen wird zwei Jahre später wieder den See erreichen.
Weitere Informationen:
HYDRA Netzwerk
Internationales Netzwerk für Dienstleistung, Forschung und Lehre im Gewässer- und Umweltbereich
IBFK
Die Seeforelle im Bodensee und seinen Zuflüssen
Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Untersuchungen zur Ökologie der Seeforelle im Bodensee

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