Bayerisches Fernsehen - Unkraut

Farbenpracht Glaskunst aus der Oberpfalz

1.000 Grad heißes Glas, 5.000 verschiedene Farben - in Waldsassen beherrschen die Glasmacher eine Technik, die heute kaum mehr zu finden ist: Sie stellen Glastafeln in den verschiedensten Farben her, alle mundgeblasen! UNKRAUT ist zu Besuch in der Glashütte Lamberts.

Autor: Fatema Mian Stand: 12.02.2012
Glas aus der Glashütte Lamberts | Bild: picture-alliance/dpa

Während andere Menschen frühstücken, haben die Glasmacher ihren halben Arbeitstag schon fast hinter sich. In der Regel beginnen sie ihre Schicht um halb vier Uhr morgens. Tagsüber kann sich die Halle der Glashütte Lamberts in Waldsassen so stark aufheizen, dass ein Arbeiten unmöglich wird. Die Öfen, in denen die Grundmasse für Glas geschmolzen wird, brennen Tag und Nacht.

5.000 Farben in allen Nuancen

5.000 Farben hat die Glashütte Lamberts im Sortiment. Weitere Farbnuancen stellen die Glasmacher nach Bedarf her. Das Grundrezept von Glas besteht aus Quarzsand, Soda und Kalk. Die Farben entstehen durch den Zusatz von Chrom und Kadmium, Eisen, Nickel, Kupfer und anderen Metallverbindungen. Der Schmelzmeister kann mit der richtigen Mischung fast jede beliebige Nuance herstellen. Das Ergebnis hängt ganz wesentlich von seinem Wissen und seiner Erfahrung ab.

Der "Anfänger" beginnt

Der "Anfänger" bei der Arbeit

Viel Schweiß und Kraft, vor allem aber meisterliches Können gehört zur Herstellung mundgeblasener Scheiben. Nachdem der "Anfänger" die Pfeife im Ofen in flüssiges Glas getaucht hat, gibt er dem Klumpen durch Drehen und gleichzeitiges Blasen die richtige Form. Der "Anfänger" heißt so, weil seine Arbeit am Anfang des Herstellungsprozesses steht.

Der Meister übernimmt

Der Meister bei der Arbeit

Danach übernimmt der Meister. Immer wieder wird die etwa 1.000 Grad heiße Glaskugel gedreht, bis sie schließlich zum Ballon mit exakter Form und Struktur wird. Der Ballon wird nun an zwei Seiten geöffnet - eine Walze entsteht. Nach dem Erkalten werden die Walzen aufgeschnitten. Damit aus einer Walze eine Tafel wird, kommt sie wieder in den Ofen. Dann kann sie aufgeklappt und gestreckt und mit einem speziellen Holz quasi glatt gebügelt werden.

93 Walzen sind das Pensum, das pro Tag erreicht werden muss. In der Hitze vor den Öfen dauernd in Bewegung sein, bedeutet für die Glasmacher körperliche Höchstleistung. Daneben brauchen sie aber gleichzeitig viel Feingefühl, um das wachsweiche, glühende Material zu formen. Wer dafür kein Talent hat, ist für den Beruf ungeeignet. Denn vieles - wie man bläst, die Pfeife dreht und so dem Glas seine Form gibt - ist Intuition. Es ist eine Kunst, für die man Talent braucht.

Eine große Kunst

Berühmt: Glas aus Waldsassen

Es ist schon eine Kunst für sich, einfarbiges Glas zu produzieren. Zusätzlich variieren die Glasmacher in der Glashütte Lamberts ihre Tafeln mit unterschiedlichen Verfahren, so dass immer wieder neue Farben und Muster entstehen. Das nutzen Architekten und Künstler auf der ganzen Welt. Glas aus Waldsassen findet sich deshalb von Stockholm bis Kapstadt, von Singapur bis New York.

Weitere Informationen

Glashütte Lamberts Waldsassen GmbH
Schützenstr. 1
95652 Waldsassen
Tel.: 0 96 32 / 2371