Bayerisches Fernsehen - Unkraut

Orchideenflüsterer Ein Bio-Gärtner aus Leidenschaft

Orchideen: Wunder der Evolution oder widerspenstige Pflanzen? UNKRAUT hat einen Orchideenflüsterer besucht, der die anspruchsvollen Blumen mit rein biologischen Mitteln zum Blühen zu bringt. Wie macht er das nur?

Autor: Nicoletta Renz Stand: 12.02.2012
Orchideenblüte | Bild: BR

Mit etwa 30.000 Arten bilden Orchideen die vielfältigste Pflanzengruppe der Welt. Bei keiner anderen Pflanzenfamilie haben die Blüten ein solch breites Spektrum an Formen und Farben. Als Zimmerpflanzen sind Orchideen jedoch anspruchsvoll, sie gelten als heikel.

Licht, Nährstoffe, Wasser, Wärme: von allem etwas weniger

Josef Seidl inmitten seiner Orchideen

Josef Seidl züchtet ausschließlich Schmetterlingsorchideen, die beliebteste aller Orchideengruppen. Wenn er die Jungpflanzen bekommt, brauchen sie im Schnitt zwei weitere Jahre, bis ihre Blüten richtig schön ausgebildet und für den Verkauf geeignet sind. In seinem Gewächshaus geht er sehr schonend mit Wasser, Licht, Nährstoffen und Wärme um. Er stimmt diese wichtigen Wachstumsfaktoren optimal auf das Orchideenwachstum und eine schöne Blütenentwicklung ab, und nebenbei vermeidet er so Verschwendung.

So umweltschonend wie möglich

Viel Arbeit gibt es im Orchideen-Gewächshaus

Eine Holzhackschnitzelheizung sorgt in seinen Gewächshäusern für Wärme. Das Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz hat eine hervorragende CO2-Bilanz, weil nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie vorher von den Bäumen gebunden wurde. Mit den Gewächshäusern der Nachbarn ist er in einem Fernwärme-Verbund zusammengeschlossen. Überschüssige Energie kann er so abgeben.
Der Öko-Gärtner gießt natürlich mit Regenwasser. Das ist weich, billig und umweltschonend. Es muss allerdings gereinigt werden. Josef Seidl desinfiziert nicht mit aggressivem Chlor, sondern mit Kupfer- und Silberionen. Dabei werden Platten aus Kupfer und Silber unter Strom gesetzt, das Wasser läuft daran vorbei und wird dabei desinfiziert. Auch seine Orchideen profitieren: Mit Silber und Kupfer desinfiziertes Wasser vertragen sie besser als solches, das mit Chlor behandelt wurde.

Profi-Tipps von Josef Seidl:

Hell, luftig und feucht

"Orchideen mögen helle Standorte, aber keine direkte Sonne. Die Wurzeln mögen es luftig und feucht, sie vertragen aber keine Staunässe. Bei Nässe faulen sie. Am besten die Blätter und Wurzeln öfter mit Wasser einsprühen. Dann kann nichts mehr schief gehen."

Schädlinge und Nützlinge

"Je länger man Schädlinge mit Nützlingen bekämpft, desto mehr Nützlinge siedeln sich im Gewächshaus an. Wenn man zu Hause doch einmal Läuse auf einer Pflanze findet, kann man sie mit einem Tuch abstreifen oder mit Alkohol einsprühen."

Niemals wegwerfen

"Man sollte niemals seine Orchideen wegwerfen. Es ist nicht schwer, sie wieder zum Blühen zu bringen. Oft reicht es, ihr eine kurze Ruhepause bei etwas kühleren Temperaturen zu gönnen. Eine Zeit lang muss man sich eben mit schlichten Blättern genügen, dann kommt wieder eine tolle Blüte."

Bio-Gräser und Kräuter für Vier- und Zweibeiner

Josef Seidls Katze übernimmt gerne die Aufgabe des Vorkosters.

Auch Biotierfutter und Wellness-Pflanzen gedeihen in Josef Seidls Gewächshäusern. Die eigene Katze spielt beim sogenannten Katzengras gern den Vorkoster: Josef Seidl züchtet ein Sauergras, das sich schön weich anfühlt, aber trotzdem leichte Widerhäkchen hat. Diese Häkchen helfen der Katze dabei, Unverdauliches wieder auszuscheiden.
Josef Seidl züchtet auch Vogelmiere. Viele kennen sie aus dem Garten und reißen das vermeintliche Unkraut vorschnell aus. Dabei ist Vogelmiere eine Heilpflanze, die sehr viel Vitamin C enthält und gar nicht schlecht schmeckt.

Experimentierfreudig: Die Familie Seidl

Das Gewächshaus von Josef Seidl

Bereits vor 25 Jahren fing Josef Seidl Senior an, das Gewächshaus auf Bio zu trimmen. Das Öl wurde damals teurer und Josef Seidl entschied, eine Holzhackschnitzelheizung auszuprobieren. Während sie installiert wurde, ging der Heizungshersteller Konkurs und Josef Seidl musste sie selber fertig bauen. Er ließ sich nicht abschrecken und heute schauen die Nachbarn neidisch auf seine gute CO2-Bilanz. Auch heute noch liebt es der Gärtner, neue Sachen auszuprobieren. Er hat erst vor Kurzem angefangen, Wasabi zu züchten, ein scharfer Japanischer Meerrettich - eine wahre Herausforderung. Drei Jahre brauchte er, bis er die Samen bekam. Danach war es nicht einfach, diese Pflanze, mit der er keinerlei Erfahrung hatte, groß zu ziehen. Doch jetzt blüht sein Kräutergewächshaus voller Wasabi.

Diese Orchidee kommt aus einem Gewächshaus mit FFFP-Siegel

Für seine gute Ökobilanz hat das Seidl'sche Gewächshaus das FFFP-Siegel verliehen bekommen. Es ist ein EU-Siegel, auf das man beim Pflanzenkauf achten sollte. Für diese Siegel muss eine Gärtnerei alle vier Wochen Daten abgeben. Das FFFP-Siegel bekommt nur, wer möglichst wenig Pflanzenschutzmittel einsetzt und sparsam mit Wasser, Licht und Energie umgeht - der Umwelt zuliebe!

Weitere Informationen

Gärtnerei Josef Seidl
Geisgries 15
85104 Pförring
Tel.: 0 84 03 / 276