Tropenurlaub daheim Wie Öko sind Ferienparks?
Ferienparks sind ein beliebtes Ferienziel: Urlaub in tropischem Ambiente - und das mitten in Europa! Ganzjährig tropische Temperaturen lassen einen gigantischen Energieaufwand befürchten - ein bloßes Vorurteil? Die Berechnung der Klimabilanz eines Ferienpark-Urlaubs gibt Aufschluss.
Kein schöner Urlaub ohne schönes Wetter! Diese Universalformel wird in Feriendörfern wie Center Parcs außer Kraft gesetzt. Hier, in der künstlichen Welt aus Spaßbad, tropischen Pflanzen, überdachten Kinderspielplätzen und Restaurants ist man vom Wetter unabhängig. Das ist nur eines von vielen Argumenten für Millionen Deutsche, die jährlich ihren Urlaub in solchen Ferienparks verbringen, vor allem junge Familien mit kleinen Kindern. Sind diese vollkommen irrealen Kunstwelten eine Parodie des "echten" Urlaubs oder sind sie in Wirklichkeit der wahre Ökotourismus? Auf relativ wenig Raum werden viele Urlaubsansprüche befriedigt, niemand muss dafür in einen Flieger steigen und in den Ökotourismus-Hochburgen wird gleichzeitig die Umwelt in Ruhe gelassen. Ein provokante These - was ist von ihr zu halten?
Künstliche Tropen in Mitteleuropa
Künstliche Tropenlandschaften unter beheizten Glaskuppeln: Für viele ist ein Urlaub im Ferienpark eine eher gruselige Vorstellung. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen, die die Vorzüge eines solchen Urlaubs schätzen: kurze Anfahrtswege, kein Stress mit fremden Sprachen und Rundum-Beschäftigung für die ganze Familie. Immerhin 1,6 Millionen Menschen in Deutschland haben sich in den letzten drei Jahren für einen Urlaub in einem Ferienpark entschieden. Ob man Ferienparks mag oder nicht, ist Geschmacksache. Doch ökologisch haben Ferienparks einen denkbar schlechten Ruf. Ganzjährig tropische Temperaturen in Mitteleuropa lassen einen gigantischen Energieaufwand befürchten. Ein bloßes Vorurteil?
Klimakiller Tourismus
Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise: Beim Reisen sind die Deutschen immer noch Weltspitze - dicht gefolgt von Amerikanern und Briten. Auch wenn Reisen unbestreitbar Spaß macht und den Horizont erweitert - aus ökologischer Sicht ist das exzessive Reiseverhalten in den westlichen Industriestaaten ein echtes Problem. Die Liste der touristischen Umweltsünden ist lang und reicht von Zersiedelung der Küsten über hohen Wasserverbrauch, Verschmutzung durch Müll und Abwässer bis hin zur Abholzung von Küstenwäldern. Noch schwerer als die regionalen Auswirkungen des Tourismus wiegen aber die weltweiten Folgen. Allein der Tourismus ist nach Angaben des WWF Deutschland für fünf Prozent des Treibhauseffekts verantwortlich. Aber welche Art des Reisens schädigt das Klima am meisten?
An- und Abreise: entscheidende Faktoren für die Klimabilanz
Im Auftrag des WWF Deutschland hat das Berliner Öko-Institut den sogenannten Klimafußabdruck von verschiedenen, für die Deutschen typischen Urlaubsreisen berechnet. Dabei wurden sämtliche Emissionen durch An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten vor Ort in CO2 umgerechnet. Bei Weitem die größten Auswirkungen auf die Klimabilanz eines Urlaubs haben An- und Abreise, also die Entfernung zum Urlaubsort und die Wahl des Verkehrsmittels.
Wer für zwei Wochen mit dem Flieger nach Mallorca reist, verursacht Emissionen von 925 Kilogramm CO2 - auf einen Tag umgerechnet sind das knapp 90 Kilogramm pro Person und Tag. Bei einem Flug nach Mexiko mit zwei Wochen Aufenthalt sind es bereits 6.361 Kilogramm oder eine halbe Tonne pro Tag und Kopf. Zum Vergleich: Pro Jahr verursacht jeder Deutsche Emissionen von etwa 11 Tonnen CO2. Eine Autoreise von Düsseldorf nach Rügen bringt es dagegen nur auf vergleichsweise bescheidene 80 Kilogramm pro Person.
Nur drei Prozent aller Urlaubsreisen sind Fernreisen mit dem Flugzeug, sie verursachen aber 17 Prozent der klimaschädlichen Emissionen des Tourismus!
Urlaub im Ferienpark: ökologisch besser als sein Ruf
Wie sieht im Vergleich dazu der Klima-Fußabdruck von einem Ferienpark aus? Das Berliner Öko-Institut hat die Klima-Bilanz eines Ferienparks der Kette "Center Parcs" berechnet. Als Richtwert dienen dabei Durchschnittswerte für einen deutschen Ferienpark dieser Kette. Bei einem fünftägigen Urlaub ergibt sich ein Fußabdruck von etwa 18 Kilogramm pro Tag und Person. Damit liegt der Klima-Fußabdruck eines Ferienparks nur ganz knapp über dem eines Rügen-Urlaubs mit 16 Kilogramm CO2! Eine Mallorca-Reise bringt es dagegen auf 87 Kilogramm pro Tag und Person - und ein Trip nach Mexiko auf stolze 515 Kilogramm! Ein Urlaub im Ferienpark steht also, was die Klimabilanz angeht, fast so günstig da wie eine Reise an die Ostsee. Der ausschlaggebende Faktor dabei ist die An- und Abreise, denn die ist ähnlich kurz wie bei einer Fahrt nach Rügen - und sie erfolgt in der Regel nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto.
Ökourlaub von morgen?
Ferienparks sind zumindest unter ökologischen Gesichtspunkten erheblich besser als ihr Ruf. Allerdings ist ein Urlaub im Ferienpark in der Regel ein Kurztrip, der nicht länger als vier bis fünf Tage dauert. Meist ersetzt also der Ferienpark-Besuch nicht den Mittelmeer-Urlaub. Vorstellbar ist aber, dass ein Urlaub im Ferienpark eines Tages eine echte Alternative zu einem "richtigen" Urlaub wird. Im Hinblick auf den Klimaschutz wäre das keine schlechte Alternative!
Weitere Informationen:
Öko-Institut e.V.
Öko-Institut e.V.
Schicklerstr. 5-7
10179 Berlin
Tel.: 030 / 40 50 85-0
WWF Deutschland
Auf dieser Seite des WWF kann man die Studie zum "touristischen Klima-Fußabdruck" als pdf herunterladen, die das Berliner Öko-Institut im Auftrag des WWF erstellt hat. Darin wird die Klima-Bilanz verschiedener "typisch deutscher" Urlaubsformen berechnet.

Wetter





