Vorsicht Lebensgefahr Gaumenschmaus mit Folgen
Endlich Herbst - für Pilzliebhaber ein Grund zur Freude: Die Jagd auf Steinpilz, Pfifferling und Co. kann beginnen. Doch was ein echtes Schmankerl werden soll, kann schnell zur tödlichen Gefahr werden - wenn statt dem essbaren Speisepilz ein giftiger in der Pfanne landet.
Die selbst gesammelten Schwammerl in Rahmsoße waren wieder mal lecker. Doch ein paar Stunden später beginnen Bauchkrämpfe, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Pilzvergiftung. Der häufigste Grund dafür ist die Verwechslung von essbaren und nicht essbaren Pilzen. Kein Wunder, schätzen Experten doch, dass es in Deutschland rund fünf- bis sechstausend Sorten gibt. Und da können schon kleinste Unterschiede gefährlich sein.
Leichte Pilzvergiftung
Brechen die Symptome schon wenige Stunden nach der Mahlzeit aus, handelt es sich wahrscheinlich um eine leichtere Vergiftung.
Trotzdem sollte bei einem Verdacht sofort ein Arzt aufgesucht oder der Rettungswagen alarmiert werden. Keinesfalls sollte mit Hausmitteln gegen die Vergiftung angegangen werden. Salzwasserlösung hilft nicht und Milch setzt manche Gifte sogar erst frei. Allenfalls Kohletabletten können als Sofortmaßnahme eingenommen werden. Denn Kohle bindet die Giftstoffe. Hilfreich sind auch klassische Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Beruhigen oder die stabile Seitenlage.
Eine Behandlung der Symptome reicht in diesen Fällen meist aus, etwa eine Wasser- und Elektrolytzufuhr.
Tipp:
Heben Sie Pilzabfälle von der Zubereitung auf. Sie können im Ernstfall dem hinzugerufenen Pilzsachverständigen helfen, die Pilzsorte zu identifizieren und so helfen, die erfolgreiche Therapie anzuwenden.
Schwere Pilzvergiftung
Beispiel: Knollenblätterpilze
Ganz anders sieht es bei einer schweren Pilzvergiftung aus. In diesem Fall können die Symptome wesentlich später auftreten. Wird eine solche Vergiftung nicht erkannt, kann das tödliche Folgen haben. Immerhin fünf bis zehn Prozent der Fälle verlaufen tödlich.
Schwere Pilzvergiftungen können bei rechtzeitigem Erkennen heute gut behandelt werden. Wer eine schwere Pilzvergiftung überlebt, kann aber lebenslange Schäden davon tragen. So müssen in schlimmen Fällen Leber oder Nieren transplantiert werden.
Tipp:
Sammeln Sie wirklich nur die Pilze, die Sie zweifelsfrei kennen. Wenn Sie sich doch unsicher sind, bringen Sie die Sorte zum Pilzberater oder fragen Sie einen Pilzsachverständigen von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Transportieren Sie den Pilz immer getrennt von den essbaren Sorten, damit sich das möglicherweise vorhandene Gift nicht überträgt.
Unechte Pilzvergiftung
Solche Vergiftungen treten bei eigentlich essbaren Pilzen auf. Grund dafür ist meist, dass die Pilze zu kurz gekocht wurden. Daher sollten Pilze mindestens 15 Minuten gebraten beziehungsweise gekocht werden. Sie sollten deshalb auch nicht vorher abgeschmeckt werden.
Auch falscher Transport oder falsche Lagerung können zu Vergiftungen führen, etwa wenn sie verschimmeln. Dann handelt es sich um eine Lebensmittelvergiftung und nicht um eine echte Pilzvergiftung.
Tipp:
Sammeln Sie Pilze am besten in einem Korb, damit Luft an die Pilze kommt. Von einer Plastiktüte ist abzuraten, denn darin beginnt die Zersetzung der Proteine in den Pilzen schneller, sie verderben schneller und setzen unter Umständen Gifte frei. Essen Sie die Pilze am besten noch am selben Tag. Und essen Sie Wildpilze niemals roh.
Pilzbücher
Sich beim Sammeln auf Pilzbücher zu verlassen, kann gefährlich sein. Denn selbst Experten wissen bei vielen Pilzen noch nicht, ob und welche Gifte sie enthalten. Zudem sind manche Führer schlicht veraltet. Dort werden Pilze zum Teil noch als essbar deklariert, obwohl man heute ihre Giftigkeit kennt. So wird der Grünling oft noch als essbar bezeichnet, obwohl man heute weiß, dass er tödliche Vergiftungen hervorrufen kann. Seit ungefähr zehn Jahren weiß man, dass der "Kahle Krempling", der mit dem Pfifferling verwechselt werden kann, allergische Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auslösen kann.
"Ein normaler Pilzführer führt vielleicht 100 bis 200 Sorten auf. Wir gehen aber von bis zu 6.000 verschiedenen Sorten aus. Der Laie versucht dann, seinen gefundenen Pilz einer dieser wenigen Sorten zuzuordnen. Dabei kann der kleinste Unterschied reichen, um einen vermeintlich essbaren Pilz giftig zu machen."
Markus Blaschke, Pilzexperte, Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwissenschaft in Freising
Pilze aus dem Supermarkt
Wer glaubt, ihm könne bei gekauften Pilzen nichts passieren, der irrt. Regelmäßig beanstanden Verbraucherschützer und Lebensmittelkontrolleure insbesondere Pfifferlinge. Bei Stichproben der Verbraucherzentrale Bayern wurde jede vierte Packung bemängelt: Die Pilze waren überaltert, verdorben oder sogar verfault. Verbraucherschützer fordern deshalb schon lange eine Pflicht zur Angabe der Haltbarkeit. Aber noch gibt es sie nicht. Eine echte Pilzvergiftung kann man durch die verdorbene Ware zwar nicht bekommen - aber eine gewöhnliche Lebensmittelvergiftung.
Tipp:
Achten Sie beim Einkauf darauf, dass
- die Pilze frisch aussehen und keine dunklen Stellen aufweisen
- die Stielenden nicht ausgetrocknet sind
- das Fleisch fest und hell ist
- die Pilze nicht stinken
- die Pilze keine schmierige Oberfläche haben
Vor dem Konsum sollten die Pilze einzeln sortiert werden und gammelige oder von Maden befallene auf jeden Fall im Abfall landen. Am besten verzeht man die Pilze am Tag des Kaufs. Ansonsten sollte man sie in einer luftdurchlässigen Verpackung im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Keinesfalls sollten die Pilze in Zellophan verpackt sein. Luftundurchlässige Verpackungen fördern den Zerfallsprozess der Pilze. Pilze sollten nicht gewaschen, sondern mit einem Tuch, Küchenpapier oder einer Bürste gesäubert werden.
Ein Mythos ist, dass Pilzgerichte nicht aufgewärmt werden dürfen. Sie sollten aber - wie jedes andere verarbeitete Lebensmittel - kühl gelagert werden, da sonst Zersetzungsprozesse beginnen, die zu einer Lebensmittelvergiftung führen können.
Weitere Informationen
Giftnotruf in Bayern
Toxikologische Abteilung der II. Med. Klinik rechts der Isar der TUM
Ismaninger Str. 22, 81675 München
Tel.: 089 / 19240
Das Klinikum Rechts der Isar in München informiert über Giftpilze und Pilzvergiftungssyndrome:
Deutsche Gesellschaft für Mykologie
Auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sind offiziell zugelassene Pilzsachverständige nach Postleitzahl gelistet:

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