Bayerisches Fernsehen - Sternstunden-Gala

Initiator der Sternstunden Thomas Jansing im Gespräch

Interview mit Thomas Jansing, Initiator und Geschäftsführer von "Sternstunden e.V."

Stand: 30.09.2011
Gala 2010 | Bild: BR

BR-online: Den Krieg im ehemaligen Jugoslawien nahmen Sie zum Anlass, 1993 die Benefizaktion "Sternstunden" ins Leben zu rufen. Daraus entwickelten sich unterschiedliche Schwerpunkte. Welcher ist es in diesem Jahr und warum?

Thomas Jansing: In der Tat haben wir Kriegskinder im ehemaligen Jugoslawien unterstützt, uns der Aidswaisen in Afrika angenommen, uns um Slumkinder in Lateinamerika gekümmert und vieles mehr. Aber damals hätten wir es nie für möglich gehalten, dass heute unmittelbar vor unserer Haustür die blanke Not Einzug hält. Es ist beschämend, dass wir in einem reichen Land wie Deutschland allein in Bayern 150.000 bis 200.000 Kinder registrieren, die an der Armutsgrenze leben. Sie haben nicht genug zu essen, können sich nicht vernünftig kleiden und nehmen nicht an einem normalen, kindgerechten Leben teil, weil es sich die Eltern einfach nicht leisten können.

Seit über 15 Jahren: Sternstunden helfen Kindern

Im Jahr 1993 gründete Thomas Jansing, Geschäftsführer von Sternstunden e.V., die Benefizaktion Sternstunden mit dem Ziel, kranken, behinderten und Not leidenden Kindern zu helfen. Seitdem unterstützt Sternstunden bedürftige Kinder
in Bayern, Deutschland und der ganzen Welt. Eine Bilanz von über 126 Millionen Euro und 2.000 Projekten macht Sternstunden zur erfolgreichsten Benefizaktionen Bayerns.

Hier wollen wir in diesem Jahr konkret ansetzen und gegensteuern. Zahlreiche Vereine werden unterstützt, die sich an Frühstücksaktionen im gesamten Freistaat beteiligen. Vielleicht gelingt es uns in absehbarer Zeit, alle bedürftigen Kinder morgens mit einem Frühstück zu versorgen, das eine wichtige Grundlage auch für das Mitarbeiten in der Schule schafft.

BR-online: Ist es ein erklärtes Ziel von Sternstunden, auf die aktuellen Bedürfnisse und Zeitumstände flexibel reagieren zu wollen?

Thomas Jansing: Diese Prämisse muss immer im Vordergrund stehen. Die Sternstunden dienen schließlich keinem Selbstzweck. Auch von unserem Verständnis als Publizisten her gehört es zu unseren Aufgaben, das Bewusstsein in der Gesellschaft für soziale Brennpunkte zu schärfen. In der letzten Zeit hat die Öffentlichkeit besonders das Thema der zunehmenden Aggressivität und Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen erschüttert. Die Ursachen hierfür liegen überwiegend im sozialen Umfeld. Soziale Not führt nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen zu Ablehnung und Ausgrenzung. Wenn wir in Deutschland die Entwicklung einer Parallelgesellschaft teilnahms- und widerspruchslos hinnehmen, wird dies nicht absehbare Konsequenzen für unser Gemeinwesen nach sich ziehen. Nur durch gezielte Präventionsmaßnahmen sind wir in der Lage, diesen Tendenzen entgegen zu wirken.

"Wenn wir in Deutschland die Entwicklung einer Parallelgesellschaft teilnahms- und widerspruchslos hinnehmen, wird dies nicht absehbare Konsequenzen für unser Gemeinwesen nach sich ziehen."

Thomas Jansing

BR-online: Wenn Sie an den Anfang zurückdenken und sich vor Augen führen, wo Sternstunden angesichts des Spendenaufkommens von über 126 Millionen Euro und mehr als 2.000 unterstützen Projekten weltweit heute steht, hätten Sie sich diese Dimension damals vorstellen können?

Thomas Jansing: Der bisherige Erfolg war in diesem Umfang sicher nicht absehbar, auch wenn die strukturellen Voraussetzungen von Beginn an gegeben waren. Die Organisation des Vereins war für das Gelingen des Unternehmens stets auf eine längerfristige Perspektive hin ausgerichtet. Die seriöse Auswahl und Abwicklung der Projekte standen dabei immer im Vordergrund und genießen auch heute noch absolute Priorität.

BR-online: Der Bekanntheitsgrad und die Wertschätzung von Sternstunden in der breiten Öffentlichkeit nehmen jährlich zu. Worauf lässt sich dieser Erfolg maßgeblich zurückführen?

Thomas Jansing: Unser Renommee in der Bevölkerung angesichts eines Bekanntheitsgrades von mittlerweile 90% in Bayern ist das Ergebnis mühevoller Arbeit über Jahre hinweg. Die Transparenz unserer Maßnahmen gewährleisten der jährliche Rechenschaftsbericht sowie die Ausstrahlung zahlreicher Bilanzsendungen im Bayerischen Fernsehen. Aufgrund ihrer Authentizität und Glaubwürdigkeit genießen die Sternstunden einen guten Ruf und hohes Ansehen in der Öffentlichkeit. Dies ist maßgebliche Voraussetzung für die notwendige Nachhaltigkeit und unsere beständige Weiterentwicklung. Ich denke, die Benefizaktion Sternstunden ist heute auf dem Spendensektor eine feste Größe und nicht mehr wegzudenken.

"Vielleicht gelingt es uns in absehbarer Zeit, alle bedürftigen Kinder morgens mit einem Frühstück zu versorgen"

Thomas Jansing

BR-online: Das Besondere an Sternstunden ist ja, dass wirklich jeder gespendete Cent in die Projekte fließt- wie funktioniert das?

Thomas Jansing: Darauf legen wir im Übrigen weiterhin allergrößten Wert und daran soll sich auch künftig nichts ändern. Nach wie vor unterstützen uns unsere Partner der Sparkassenfinanzgruppe, mit BayernLB, LBS, bayerische Sparkassen und Versicherungskammer Bayern sehr großzügig und ermöglichen, dass die Personal- und Sachkosten überwiegend finanziert werden. Des Weiteren erwirtschaften wir Zinserträge durch die Ratenfinanzierung von Langzeitprojekten, mit denen wir unseren Verwaltungsaufwand insgesamt decken können.