Bayerisches Fernsehen - Schwaben & Altbayern

Ein Zuckerl mit Wirkung 50 Jahre Polio-Schluckimpfung in Bayern

1961 erkrankten in der Bundesrepublik Tausende Menschen an Kinderlähmung, fast 300 von ihnen starben. Heute vor 50 Jahren führte Bayern als erstes Bundesland eine flächendeckende Schluckimpfung durch - mit Erfolg.

Stand: 05.02.2012
Schluckimpfung | Bild: BR

Die Krankheit ist tückisch: Da an Polio drei verschiedene Viren beteiligt sind, gibt es nach Ausbruch der Krankheit keine wirksame Behandlung. Die Erreger befallen bei fünf bis zehn Prozent der Infizierten das zentrale Nervensystem. Etwa ein Prozent leidet unter Dauerschäden, besonders der Lähmung der Beine, aber auch Atemlähmungen sind häufig. Jahrhundertelang war die Poliomyelitis, besser bekannt als Kinderlähmung oder Polio, eine in Europa weit verbreitete Krankheit.

"Der Trunk schmeckt gut"

Ein Kind erhält eine Polio-Schluckimpfung | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Einführung der Schluckimpfung Der Trunk schmeckt gut

"Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam" - dieser Slogan warb nach vier verheerenden Polio-Epidemien in Deutschland endlich für eine Impfung. Bayern verordnete ab dem 5. Februar 1962 als erstes Bundesland den süßen Trunk. [mehr]

Die seit 1957 verfügbare Spritzimpfung wurde von der bundesdeutschen Bevölkerung kaum angenommen. Am 5. Februar 1962 führte der Freistaat als erstes Bundesland eine flächendeckende Schluckimpfung mit Lebend-Impfstoff durch. Der damalige Innenminister Alfons Goppel trank mit den Worten "Der Trunk schmeckt gut" das Zuckerwasser mit den Erregern. Nach der Kampagne gingen die Erkrankungszahlen deutlich zurück.

Die "Eiserne Lunge" ermöglichte damals eine maschinelle Beatmung.

Schwaben und Altbayern hat zwei Betroffene besucht – Ferdinand Schießl und Bruni Bung aus München. Beide mussten viele Jahre ihres Lebens in der Eisernen Lunge verbringen und von der Maschine beatmet werden. Heute ermöglicht ihnen die moderne, kleine Atemmaske eine ungleich höhere Lebensqualität. Sie konnten aus der Kinder-Polio-Station des Schwabinger Krankenhauses ausziehen und in eine Wohnung der Pfennigparade wechseln.

Die Pfennigparade

In der Pfennigparade

Was Anfang der fünfziger Jahre mit einem Verein und Spendenaufrufen für Betroffene der Polio -Epidemie begann, hat sich zu einem der größten deutschen Rehabilitationszentren für Körperbehinderte entwickelt. Hier bekommt jeder die Möglichkeit, einen Schulabschluss zu machen, zu arbeiten und in den eigenen vier Wänden zu leben. Die Stiftung Pfennigparade betreibt Kindergärten und Schulen, organisiert Pflegedienste und spezielle Förderangebote. Mehr als 1.500 körperbehinderte und gut 1.000 nicht behinderte Menschen wohnen, arbeiten und lernen gemeinsam dort. Mehr Informationen zur Pfennigparade finden Sie auf deren Homepage unter: