Organtransplantationen Rechts der Isar räumt Fehler ein
In der Organspenden-Affäre hat das Münchner Krankenhaus Rechts der Isar Versäumnisse eingeräumt. Einzelne Patienten seien bevorzugt behandelt worden, hieß es. Derweil gibt es bereits neue Vorwürfe gegen die Uniklinik.
Hat da jemand bewusst Daten manipuliert, um die Vergabe von Spenderorganen zu beeinflussen? Oder handelt es sich um menschliches Versagen, wie das Wissenschaftsministerium meint? Für das Klinikum rechts der Isar ist die Antwort auf diese Fragen von immenser Bedeutung: Das renommierte Haus hat einen Ruf zu verlieren.
Es habe Auffälligkeiten bei der Vergabe von Organspenden gegeben, bestätigt die Klinik. Eine interne Arbeitsgruppe habe im August 163 Lebertransplantationen untersucht und bei einzelnen Fällen Unregelmäßigkeiten festgestellt. Nach Abschluss der Untersuchung seien die Ergebnisse am 24. August an die Bundesärztekammer und die Staatsanwaltschaft München weitergeleitet worden.
Neue Vorwürfe zurückgewiesen
Einzelne Patienten seien bevorzugt behandelt worden, weil in Einzelfällen auf den Meldebögen falsch angekreuzt wurde, hieß es. Dort stand dann beispielsweise, dass ein Patient eine Dialyse erhalte. Dadurch kam er am Ende schneller an eine Spenderleber als andere Kranke. Aus diesen Fehlern aber habe die Klinik gelernt und die Abläufe im Transplantationsprogramm verbessert.
Neue Vorwürfe hingegen wies das Krankenhaus zurück. Dass Organe an Patienten vergeben worden, die zu krank für eine Transplantation gewesen seien, bezeichnete der Leiter des Transplantationszentrums, Uwe Heemann, als absolut falsch.
Wer ist der Maulwurf?
Ein anonymes Schreiben an das bayerische Wissenschaftsministerium hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Der unbekannte Verfasser prangert darin Unregelmäßigkeiten an. Daraufhin hatte das Klinikum rechts der Isar selbst Strafanzeige wegen übler Nachrede erstattet. Das Wissenschaftsministerium geht nicht davon aus, dass hier aktive Manipulation im Spiel war.
"Es gibt keine Anzeichen für eine aktive, gezielte und geplante Manipulation im Klinikum Rechts der Isar"
Ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums gegenüber dem Bayerischen Rundfunk
Auch die Staatsanwaltschaft äußert sich sehr vorsichtig zu den Fällen: Der Verdacht auf Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen in München lasse sich nicht erhärten. "Vom ersten Anschein haben wir keinen ausreichenden Anfangsverdacht für eine Straftat", erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die im August begonnene Prüfung der Vorwürfe sei aber noch nicht abgeschlossen. Ein Gutachter unterstützt die Behörde bei der Frage, ob es im Münchner Klinikum rechts der Isar strafrechtlich relevante Manipulationen gab.
Kontrollen an allen Transplantationszentren
Nach den Fällen in Regensburg und Göttingen hatte die Prüfungs- und Überwachungskommission von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen schärfere Kontrollverfahren eingeführt. Alle 47 Transplantationszentren in Deutschland sollen demnach mindestens ein Mal in drei Jahren geprüft werden. Den Anfang machten das Münchner Klinikum rechts der Isar zusammen mit der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und der Berliner Charité, nur in München sind die Prüfer fündig geworden. Im Blick der Kontrolleure sind die Führung der Wartelisten und die Organvermittlung. Hier sind die Prüfer am Klinikum rechts der Isar auf Auffälligkeiten gestoßen, die nun durch eine Sonderprüfung geklärt werden sollen. Die Ärztekammer nannte keine weiteren Details. Deren Präsident Montgomery sprach von einem Anfangsverdacht: "Es geht in etwa in die Richtung wie in Göttingen und Regensburg." Dort soll ein Oberarzt die Labordaten seiner Patienten gefälscht haben um schneller an Spenderorgane zu kommen. Die Staatsanwaltschaft in München widersprach dem allerdings ausdrücklich: Nach "derzeitigen Feststellungen" liege kein vergleichbarer Fall vor wie beim Organspende-Skandal in Regensburg und Göttingen, erklärte der zuständige Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.
Augen zugedrückt?
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Scharfe Kritik äußerte die Bundesärztekammer an den bayerischen Behörden. "Mich irritiert sehr, dass aus der bayerischen Staatsregierung vor einiger Zeit vermeldet worden war, dass man die bayerischen Programme überprüft und nichts gefunden habe", sagte Ärztekammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Hier bewahrheite sich einmal mehr, dass eine unabhängige Prüfung durch eine Kommission der Selbstverwaltung gemeinsam mit den Ländern wahrscheinlich "genauer und besser prüft als eine reine Kommission der betroffenen Ministerien".
"Aktive Manipulation unwahrscheinlich"
Das Bayerische Wissenschaftsministerium hält eine aktive Manipulation im Transplantationszentrum im Klinikum Rechts der Isar für unwahrscheinlich. Das Krankenhaus habe vor einem Monat sieben Fälle an das Ministerium gemeldet, bei denen es "Auffälligkeiten" gab - aber nach bisherigem Stand keinen Verdacht auf absichtliche Manipulation von Patientendaten bei Lebertransplantationen. Es handele sich vermutlich um menschliches Versagen.

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