Syrien Das Scheitern der Diplomatie
Wie viele Menschen in Tremseh getötet wurden, ist auch nach zwei Besuchen der UN-Inspekteure unklar. Die Regierungstruppen sollen vor allem Regimegegner im Visier gehabt haben. Derweil gehen die diplomatischen Bemühungen weiter - ohne Aussicht auf Erfolg.
Syrien-Sondervermittler Kofi Annan besucht nach Bagdad und Teheran nun Moskau. Dort ist an diesem Montag ein Treffen mit Außenminister Sergej Lawrow und am Dienstag eine Begegnung mit Kremlchef Wladimir Putin geplant. Dabei werde Russland seine Unterstützung für den Annan-Friedensplan bekräftigen, teilte der Kreml mit. "Die russische Seite ist der Ansicht, dass der Plan die einzige realisierbare Grundlage für die Lösung der innersyrischen Probleme ist." Im UN-Sicherheitsrat blockierte die Veto-Macht Russland bislang jede Resolution, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würde. Annan war zuletzt Ende März in Moskau.
Massaker: Regimegegner im Visier
Beim Sturm auf das Dorf Tremseh hatten die Soldaten nach Angaben der UN-Beobachter wohl vor allem Regimegegner im Visier. "Die Attacke richtete sich offenbar gegen bestimmte Gruppen und Gebäude vor allem von Armee-Deserteuren und Aktivisten", teilten die Blauhelme am Samstagabend nach einer ersten Untersuchung in Tremseh mit. Sie kehrten am Sonntag an den Ort zurück und befragten Dorfbewohner. Wie viele Menschen bei den Kämpfen getötet wurden, ist nach UN-Angaben vom Sonntag weiter unklar. Der Angriff begann nach Aussagen von Bewohnern am Donnerstag um 5.00 Uhr. Das Dorf sei zunächst mit Granaten beschossen worden, dann seien Bodentruppen eingesetzt worden. Die Armee habe Häuser durchsucht und nach Männern und ihren Ausweisen gefragt. Nach der Überprüfung der Papiere seien viele getötet worden. Andere Männer seien aus Tremseh weggeführt worden. Es seien mehr als 50 Häuser zerstört worden. In vielen Häusern seien Blutlachen und Gehirnmasse gefunden worden, hieß es in dem am Sonntag verbreiteten UN-Bericht weiter.
Kämpfe in Damaskus
In der syrischen Hauptstadt Damaskus ist erneut zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Anhängern der Opposition gekommen. Besonders heftig seien die Kämpfe in den Stadtteilen Kfar Suse und Tadamon gewesen, sagte der Aktivist Mustafa Osso von der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nach Angaben eines Anwohners, der anonym bleiben wollte, waren Schüsse und sporadische Explosionen zu hören. Anders als Teile der syrischen Provinz ist Damaskus bisher fest in der Hand der Truppen von Präsident Baschar Assad. Die seit Sonntag anhaltenden Gefechte zählen nach Angaben von Aktivisten zu den heftigsten seit Beginn der Unruhen im vergangenen März. Das Blutvergießen in Syrien geht auch andernorts unvermindert weiter, nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter kamen allein am Wochenende etwa 200 Menschen ums Leben.
Diplomatie am Ende?
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete das Blutbad von Tremseh als "versuchten Völkermord", wie türkische Medien berichteten. Die Taten seien Beleg dafür, dass das Regime dem Untergang geweiht sei. Das syrische Volk werde sich für diese Verbrechen rächen wollen, warnte er. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle warf dem Assad-Regime vor, einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen. Jetzt müsse der UN-Sicherheitsrat dem Regime endlich seine Grenzen aufzeigen, sagte er. Teheran bot sich derweil als Vermittler und Gastgeber von Friedensgesprächen zwischen dem syrischen Regime und der Opposition an. "Der Iran ist bereit, die syrische Opposition für Gespräche nach Teheran einzuladen und auch dafür, Gespräche zwischen ihr (der Opposition) und der syrischen Regierung vorzubereiten", sagte Außenminister Ali Akbar Salehi laut Nachrichtenagentur Isna. Der Iran unterstütze Annans Friedensplan, allerdings nur, wenn Assad an der Macht bleibe. Dies gilt jedoch als größtes Hemmnis für eine Einigung mit der Opposition.

Wetter
