Syrien Entscheidungsschlacht um Aleppo
Syrische Regierungstruppen und Regimegegner liefern sich weiterhin heftige Gefechte um die Kontrolle der Wirtschaftsmetropole Aleppo. Bislang trotzten die Rebellen der Großoffensive von Assads Truppen erfolgreich.
Trotz heftigem Beschuss aus Raketenwerfern und Helikoptern machen die syrischen Regierungstruppen bei ihrer Offensive gegen Aufständische in Aleppo vorerst keine Fortschritte. "Unsere Positionen sind unverändert", sagte der Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi der Deutschen Presseagentur. Die Regimetruppen konzentrierten ihre Angriffe auf den Zugang zum südwestlichen Randbezirk Salaheddin, einer Hochburg der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA). Dabei könnten sie aber bislang keinen entscheidenden Vorstoß verzeichnen, sagte Al-Halebi.
Fruchtlose Appelle
Angesichts des Großangriffs syrischer Regierungstruppen auf die Wirtschaftsmetropole Aleppo mehren sich internationale Appelle, die Gewalt zu beenden. Die Arabische Liga teilte mit, sie wolle mit einer Resolution in der UN-Vollversammlung sichere Häfen für die Zivilbevölkerung erreichen. Der UN-Sondergesandte Kofi Annan rief das Regime von Präsident Baschar Assad und die Rebellen auf, alle Verpflichtungen aus dem internationalen Menschenrecht zu erfüllen, "Zurückhaltung zu üben und Blutvergießen zu vermeiden". Außenminister Guido Westerwelle warf dem Assad-Regime "verbrecherische Akte" vor und forderte den Machthaber auf, "seinen Posten zu räumen und das Land zu verlassen." In einer Erklärung drückte die Arabische Liga ihre "tiefe Unzufriedenheit über die Akte der Unterdrückung des syrischen Regimes» aus, insbesondere «den Einsatz schwerer Waffen gegen das eigene Volk". Sie appellierte an die Regierung in Damaskus, "den Kreislauf des Tötens und der Gewalt zu stoppen und die Belagerung syrischer Wohnviertel zu beenden".
Moskau warnt vor Tragödie
Auch Russland, ein langjähriger Verbündeter der syrischen Regierung, warnte vor einer drohenden Tragödie in Aleppo. Zugleich erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow jedoch, es sei unrealistisch, von den syrischen Streitkräften zu erwarten, dass sie tatenlos zusähen, wie die Rebellen wichtige Städte einnehmen. Der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu sagte, dass das Regime eine Stadt zerstöre, zeige, welches Ausmaß die Unterdrückung in Syrien erreicht habe. Die syrische regierungstreue Zeitung "Al Watan" bezeichnete die Kämpfe um Aleppo als "Mutter aller Schlachten".
Rebellen trotzen der Offensive
Die in der syrischen Wirtschaftsmetropole verschanzten Rebellen haben nach Angaben von Aktivisten den ersten Tag einer Offensive der Regierungstruppen überstanden. Bis zum Samstagabend hätten die Soldaten Assads trotz des Einsatzes schwerer Waffen keines der von den Aufständischen kontrollierten Viertel erobert, berichteten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London und örtliche Aktivisten. Mit Panzerfäusten hätten die Rebellen Assads Panzer in Schach gehalten, berichtete der Aktivist Mohammed Said aus Aleppo. "Dem Heer ist es bislang nicht gelungen, auch nur eines der (von Rebellen kontrollierten) Viertel einzunehmen", sagte er. Nach seiner Schätzung sind 1.000 Kämpfer in die Drei-Millionen-Einwohnerstadt eingesickert, obwohl die Streitkräfte vor ihrem am Samstagmorgen begonnenen Großangriff einen dichten Belagerungsring um die Stadt gezogen hatten.
Artillerie und Kampfhubschrauber
Der Londoner Beobachtungsstelle zufolge hatten die syrischen Regierungstruppen die Straßenkämpfe in Aleppo am Samstagabend vorübergehend eingestellt. Mehrere Viertel seien stattdessen mit Artillerie beschossen worden, Kampfhubschrauber hätten Rebellenstellungen angegriffen. 22 Menschen, überwiegend Zivilpersonen, seien bei den Kämpfen am Samstag getötet worden. Insgesamt hätten die Gefechte in der vergangenen Woche in Aleppo schätzungsweise 162 Menschen das Leben gekostet, Regierungssoldaten nicht eingerechnet.

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