SPD Alle für Einen
Die K-Frage der SPD ist seit vergangenen Freitag geklärt: Peer Steinbrück soll die SPD als Spitzenkandidat in den Bundestags-Wahlkampf führen. Jetzt wurde Steinbrück vom SPD-Vorstand einstimmig als Kanzlerkandidat nominiert.
Der SPD-Vorstand hat den früheren Bundesfinanzminister Peer Steinbrück offiziell zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013 nominiert. Es gab keine Gegenstimme zum Personalvorschlag des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Am 9. Dezember soll in Hannover die endgültige Kür Steinbrücks durch einen Sonderparteitag folgen. Die Bundestagswahl findet voraussichtlich im September 2013 statt. Ein Bündnis mit Linkspartei oder Piraten nach der Bundestagswahl 2013 gilt als eindeutig ausgeschlossen.
1,8 Meter Beinfreiheit
Bei seinem Auftritt auf dem Parteitag in Münster machte Peer Steinbrück klar, wie er sich das Zusammenspiel mit seiner Partei vorstellt: Freilich müsse das Programm zum Kandidaten passen und der Kandidat zum Programm. "Ihr müsst mir aber auch etwas Beinfreiheit einräumen", fordert er von seinen Parteigenossen. Womöglich, um auch weiterhin Themen zuspitzen zu können.
So wie damals, als er der Schweiz im Steuerstreit mit der Kavallerie drohte. "Ob ich mir Bilder wie die Kavallerie ausdenke, weiß ich noch nicht so genau. Manchmal habe ich den Eindruck, man hätte nicht nur über sie reden sollen, sondern man hätte sie auch satteln sollen", erklärte Steinbrück im Hiblick auf das geplante Steuerabkommen mit den Eidgenossen.
Nicht mehr mit Merkel
Steinbrück forderte, die Finanzmärkte stärker zu regulieren und die Macht der Banken zu begrenzen. Europa dürfe sich nicht auf eine ökonomische Kalkulationsnummer reduzieren lassen. Als weitere wichtige Themen nannte er die Bekämpfung von Altersarmut und einen flächendeckenden Mindestlohn. Um nach der Wahl seine Ziele umsetzen zu können, setzt Steinbrück auf eine rot-grüne Koalition. Denn die jetzige Regierung werde es nach der Wahl nicht mehr geben. Eine große Koalition mit der Union strebt er nicht an: "Wir setzten eindeutig auf Sieg und nicht auf Platz." Für einen Ministerposten in einer großen Koalition unter einer Kanzlerin Merkel stehe er nicht zur Verfügung, machte Steinbrück deutlich. Bärbel Höhn, Fraktionsvize der Grünen, ist von Steinbrück jedoch wenig begeistert. Er sei nicht der Wunschpartner. Sie sieht Steinbrück näher bei der FDP als bei den Grünen.
Die Nominierung von Steinbrück kam viel früher als von der SPD gewünscht. Ursprünglich sollte erst Ende des Jahres offiziell entschieden werden, wer die SPD als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf 2013 führen soll. Die Troika aus Parteichef Gabriel, Fraktionschef Steinmeier und Ex-Finanzminister Steinbrück wollte sich alle Optionen offenhalten, in Ruhe ausloten, wer die besten Chancen bei Partei- und Wahlvolk hätte. Viele Mandatsträger hätten aber eine "vorgezogene Klärung" gewollt, räumte Gabriel ein. Er will Steinbrück am Montag dem Parteivorstand vorschlagen.
Abstimmung
Steinbrück eröffnet Optionen
Die Personalie könnte sich als geschickter Schachzug erweisen, um bei der Bundestagswahl 2013 möglichst viele Koalitionsoptionen für die SPD offen zu halten. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Kubicki wollte zwar noch kein Vorzeichen für eine Ampelkoalition sehen, attestierte aber dennoch, Steinbrück sei derjenige, mit dem die Liberalen am ehesten reden könnten.
Eine Entwicklung, die der Union nicht schmecken kann. Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer bezeichnete die Entscheidung denn auch als "Troikadämmerung": "Gabriel kann nicht, Steinmeier will nicht - da blieb nur einer übrig", schrieb der CDU-Politiker im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, twitterte zunächst: "Hoffe, das ist eine Ente." Sein Parteifreund Sven Lehmann befand: "Als Nordrhein-Westfale sach ich ma so: Das lässt viel Raum für die Grünen."
Vita Peer Steinbrück
Steinbrück wurde in Hamburg als Sohn eines Architekten geboren und studierte Volkswirtschaft. Er machte früh Karriere auf Bundesebene, unter anderem im Bundeskanzleramt. 1985 wechselte er nach Düsseldorf und wurde ein Jahr später Büroleiter des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau. 1992 zog es ihn zurück in den Norden - er wurde in Kiel Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, 1993 Wirtschaftsminister im Kabinett von Ministerpräsidentin Heide Simonis. 1998 holte ihn Regierungschef Wolfgang Clement zurück nach Nordrhein-Westfalen, zunächst als Wirtschafts-, später als Finanzminister. Ins Amt des NRW-Ministerpräsidenten kam Steinbrück Ende 2002, als Clement überraschend ins Bundeskabinett wechselte. 2005 folgte dann der bitterste Moment seiner politischen Laufbahn: Die SPD verlor mit ihm als Spitzenkandidat krachend die Landtagswahl in NRW. Kein Karrierestopp für Steinbrück: Er wurde Finanzminister in der großen Koalition in Berlin und erwarb sich als Krisenmanager während des Finanzcrashs 2008/2009 Anerkennung über die Parteigrenzen hinweg. Steinbrück ist verheiratet und hat drei Kinder. Er liest gerne Geschichtsbücher und spielt leidenschaftlich Schach.

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