Siemens Bremsklotz Schuldenkrise
Europas größtem Technologiekonzern macht die Krise zu schaffen. Zuletzt mußte der Konzern einen Gewinneinbruch hinnehmen. Jetzt kündigte Siemens-Chef Löscher angesichts der zunehmenden Investitionszurückhaltung ein Sparprogramm an.
Der Siemens-Konzern muss kämpfen, um seine bereits gekappten Gewinnziele zu erreichen. Der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher sagte, aufgrund des verschlechterten Umfeldes sei es schwieriger geworden, die Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen. Von Oktober 2011 bis Juni 2012 erzielte der Konzern aus fortgeführten Aktivitäten einen Gewinn von 3,637 Milliarden Euro. Dies sind 37 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Siemens die Ergebnisprognose von sechs Milliarden Euro auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro gesenkt. Löscher sagte, die Abwärtsbewegung der Weltwirtschaft habe in den vergangenen Monaten zugenommen. "Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind." Ziel sei, Produktivität und Effizienz zu steigern.
Zunehmende Investionszurückhaltung
Siemens hatte in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres herbe Rückschläge hinnehmen müssen. Das Nachsteuerergebnis war im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro gefallen. Vor allem die Verzögerungen bei der Anbindung der Nordsee-Windparks an das Stromnetz belasten den Konzern. Seine Gewinnprognose musste Siemens für das Gesamtjahr um 600 bis 800 Millionen Euro auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro reduzieren. Mit einer weiteren Senkung der Prognose rechnen Experten zwar nicht. Die konjunkturelle Abkühlung macht aber auch Siemens zu schaffen.
15 Prozent weniger Aufträge
Analystenschätzungen zufolge ist der Auftragseingang verglichen mit dem Vorjahresquartal um fast 15 Prozent zurückgegangen. Allerdings hatte der Konzern vor einem Jahr einen milliardenschweren Großauftrag der Deutschen Bahn über neue Hochgeschwindigkeitszüge erhalten. Trotzdem: Finanzchef Joe Kaeser hatte jüngst gewarnt, es stehe ein steiniger Weg zu den ohnehin bereits gekürzten Jahreszielen bevor. Besonders das konjunkturanfällige Geschäft mit Industrieausrüstung bekomme die Folgen der europäischen Schuldenkrise und das verhaltene Wachstum im Fernen Osten zu spüren.
"Sehr schwaches China-Jahr"
Siemens macht mehr als die Hälfte seines Geschäfts in Europa und Nahost. Eurokrise und Rezession in Südeuropa schlagen also voll ins Kontor. Mit Antriebs- und Automatisierungstechnik macht Siemens ein Drittel seines Gewinns. Analysten wie Karsten Oblinger von der DZ-Bank erwarten, dass das Ergebnis im Industriegeschäft im abgelaufenen Quartal gesunken ist. In den USA lief es für Siemens schon länger wieder gut, und in China sorgten unter anderem Aufträge aus der Autoindustrie für Wachstum. Aber Kaeser sagte jetzt auch "ein sehr schwaches China für den Rest des Geschäftsjahres 2012" voraus. Die nach Umsatz- und Gewinnanteil stärkste Säule des Siemens-Konzerns, das Geschäft mit Kraftwerken und Energienetzen, dürfte im Gegensatz zum Industriegeschäft zugelegt haben. Mit Spannung wird erwartet, ob Konzernchef Löscher diesen Sektor mit einer großen Übernahme verstärkt.

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