Bayerisches Fernsehen - Rundschau

Tiermast Laborabfälle im Futter

25 Schweinemastbetriebe vor allem im Allgäu sind gesperrt worden, nachdem Antibiotikum im Schweine-Urin festgestellt wurde. Ursache war verunreinigtes Futtermittel, dass die Betriebe aus der Molkerei Ehrmann abholten.

Stand: 21.01.2012

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat im Urin von Mastschweinen Rückstände von einem verbotenen Arzneimittel gefunden und insgesamt 25 Mastbetriebe sperren lassen. Es handelt sich um das sogenannte Breitband-Antibiotikum Chloramphenicol (CAP). Schlachttieren dürfe dies seit 1994 nicht mehr verabreicht werden. Verbraucher seien jedoch nicht in Gefahr. Entdeckt wurden die Rückstände den Angaben zufolge bei Routinekontrollen im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans.

Menschliches Versagen bei Ehrmann

Schweine am Futtertrog | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Antibiotika Auch in der Schweinemast?

In der Schweinemast werden viele Tiere auf engem Raum gehalten. Ist eines der Schwein krank, ist die Ansteckungsgefahr groß. Deshalb darf der Tierarzt auch den anderen Schweinen vorsorglich Antibiotika ins Futter mischen. [mehr]

Laut LGL ist die Ursache bereits geklärt. Demnach nahmen die Schweine das Mittel über ein aus der Allgäuer Ehrmann-Molkerei stammendes Futtermittel auf. "Als Ursache für die Kontamination wurden Laborabfälle des Molkereibetriebes ermittelt, die unsachgemäß entsorgt worden sind", teilte das Landesamt mit. Alle ermittelten 25 Betriebe im Allgäu und im Raum Ulm, die das belastete Futtermittel verwendet haben könnten, seien sofort gesperrt worden. Inzwischen wurde die Sperrung eines Betriebs wieder aufgehoben. Ein Ehrmann-Sprecher bestätigte, dass menschliches Versagen zu der Verunreinigung geführt habe. Eine leitende Mitarbeiterin der Qualitätssicherung sei beurlaubt worden. Ehrmann-Produkte seien aber nicht betroffen, da die Prozesse getrennt seien.

Gefahr durch resistente Keime

Die Molkerei habe das rechtlich zugelassene Hilfsmittel Chloramphenicol in der Qualitätssicherung zur Beschleunigung mikrobiologischer Untersuchungen genutzt. Es sei wegen eines Fehlers in das sogenannte Weißwasser gelangt. Weißwasser, das bei der Produktion in der Molkerei anfällt und noch Milchbestandteile enthält, werde von einigen Betrieben aus dem Umland abgeholt und vor allem bei Schweinen dem Futter beigegeben. Ehrmann sei mit den Betrieben und dem LGL in engem Kontakt und werde künftig auf die Verwendung von Chloramphenicol verzichten, sagte der Sprecher. Das Thema der Arzneimittel bei Schlachttieren ist umstritten. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat erst kürzlich einen neuen Gesetzentwurf zur Eindämmung des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermast vorgelegt. Über den Verzehr von Lebensmitteln können Menschen Keime einnehmen, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Das kann dazu führen, dass die Arznei bei Krankheiten nicht mehr wirkt.