Bayerisches Fernsehen - Rundschau

Plagiatsaffäre Universität gegen Bildungsministerin

Ein Ende der Plagiatsaffäre um Bildungsministerin Schavan ist nicht in Sicht. Auch ihre politische Karriere steht auf dem Spiel. Die zuständige Promotionskommission der Uni Düsseldorf beschäftigt sich heute weiter mit dem Fall.

Stand: 17.10.2012
Neben Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sind ihre Titel Prof. Dr. zu sehen, im Hintergrund die Universität Düsseldorf | Bild: picture-alliance/dpa; BR

Nach der Weitergabe des vertraulichen Gutachtens zur Doktorarbeit von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sucht die Universität Düsseldorf per Strafanzeige nach der undichten Stelle. Ein Gutachter hatte Schavan nach Medienberichten bewusste Täuschung vorgeworfen. Es ergebe sich das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise", stellte der Prüfer der Universität Düsseldorf Presseberichten zufolge fest. In mehreren Interviews wies Schavan diesen Vorwurf zurück. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen", sagte sie unter anderem. "Sobald mir der Promotionsausschuss Gelegenheit dazu gibt, werde ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen", kündigte die CDU-Politikerin an. Dazu könnte Sie bald Gelegenheit haben, denn die Prüfungskommission beschäftigt sich heute weiter mit dem Fall.

"Es wird eng"

Schavan kritisierte das Bekanntwerden von Einzelheiten des Gutachtens: "Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß." Die Hochschule bedauerte, dass Informationen zu dem Fall "unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt sind". Aus Sicht des SPD-Bildungspolitikers Ernst Dieter Rossmann muss die Ministerin zurücktreten, wenn sie den Doktortitel verlieren sollte. "Es wird eng", sagte er zu den neuen Vorwürfen. "Denn das ist nicht mehr nur ein anonymer Plagiate-Rechercheur, sondern die Hochschule, die zu einem Meinungsbild kommt." Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sieht Schavan schon jetzt beschädigt: Noch habe diese ihr Amt formal inne, "aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren", sagte Künast. Es sei "beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen will".

"Leitende Täuschungsabsicht"

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität überprüft seit mehreren Monaten Schavans Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 auf Plagiatsvorwürfe. Wie "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" berichten, hat der Gutachter Stefan Rohrbacher auf 60 von 351 Seiten Mängel gefunden. "Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren", heißt es demnach in der vertraulichen Analyse. Allerdings sei noch nicht sicher, ob Schavan ihren Doktortitel verliere. Die Entscheidung treffe nach Auskunft der Universität Düsseldorf in den kommenden Tagen der Fakultätsrat auf Grundlage des Berichts.


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