Bayerisches Fernsehen - Rundschau

Gedenken Unüberhörbares Schweigen

Die Menschen in Deutschland haben ein Zeichen gegen rechte Gewalt gesetzt: In Berlin und anderen Städten gab es eine Schweigeminute für die Opfer des Zwickauer Neonazi-Trios. Zuvor hatte eine Gedenkveranstaltung stattgefunden.

Stand: 23.02.2012

Gut drei Monate nach der Aufdeckung der beispiellosen Mordserie von Neonazis haben Staat und Gesellschaft Entschlossenheit bei der Abwehr von Rechtsextremismus demonstriert. Bei einem Staatsakt in Berlin wurde an die Opfer der Verbrechen erinnert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt bei der Veranstaltung im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt die Hauptrede. Merkel sagte, die Morde seien "eine Schande für unser Land".

Bitte um Verzeihung

Merkel bat die Familien der Opfer der Zwickauer Terrorzelle um Verzeihung. Niemand könne die "Trauer und die Verlassenheit auslöschen", so die Kanzlerin, doch könnten alle zeigen: "Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer. Wir fühlen mit Ihnen, wir trauern mit Ihnen". Merkel versprach den Hinterbliebenen die vollständige Aufklärung der Taten. Um 12.00 Uhr wurde in bundesweiten Schweigeminuten der zehn Menschen gedacht, die zwischen 2000 bis 2006 von Mitgliedern einer Neonazi-Zelle ermordet wurden.

Gedenken in Bayern

Der Bayerische Rundfunk war bei einer Veranstaltung auf der Nürnberger Straße der Menschenrechte dabei. Dort gab es eine Aktion der "Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg". Zur Teilnahme an der Schweigeminute hatten unter anderem der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising, die Stadt Bamberg und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude aufgerufen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte an die Arbeitnehmer appelliert, sich an der Schweigeminute zu beteiligen, damit auch in Büros und Betrieben gegen Fremdenhass und rechte Gewalt demonstriert werden könne.

Mordserie an Migranten

Die Neonazis der Zwickauer Terrorzelle konnten offenbar über Jahre hinweg zehn Menschen ermorden, unter ihnen neun Einwanderer. Die erste Tat geschah am 9. September 2000 in Nürnberg: Enver Simsek wurde mit acht Schüssen regelrecht hingerichtet. Die Stadt wurde danach noch zwei Mal zum Tatort. Schauplätze waren zudem zweimal München und jeweils einmal Kassel, Dortmund, Hamburg und Rostock. Das letzte Mordopfer war eine junge Polizistin: Sie wurde im April 2007 in Heilbronn während des Dienstes getötet.

Die Mordserie an Migranten

Ersten Verdacht nicht verfolgt

Die Täter benutzten immer dieselbe Waffe, eine tschechische Ceska 83, Kaliber 7.65 - ein nicht sonderlich verbreitetes Modell. Die Tatwaffe hat offenbar der ehemalige NPD-Funktionär Carsten S. besorgt. Laut seinem Geständnis lieferte er die Pistole samt Schalldämpfer an das Neonazi-Trio. Er will aber nicht gewusst haben, dass diese damit Straftaten planten. Die ersten Mordopfer waren alle männliche Kleingewerbetreibende, die an ihrem Arbeitsplatz erschossen wurden. Obwohl alle Morde am helllichten Tag begangen wurden, gab es bis auf eine Ausnahme keine Zeugen. Zeitweise waren 160 Polizisten eingeschaltet. Sie ermittelten in sieben Sonderkommissionen in fünf Bundesländern. Ein sogenannter Profiler vermutete bereits im Jahr 2006 einen rechtsradikalen Hintergrund. Der Ansatz des Münchner Polizisten wurde aber nicht weiter verfolgt.