Bayerisches Fernsehen - Rundschau

Kirchentag Streiten ohne Hass

16.000 Christen aus ganz Bayern sind zum evangelischen Kirchentag auf den Hesselberg gekommen - so viele wie seit 15 Jahren nicht. Landesbischof Bedford-Strohm warb in seiner Predigt für eine positive Streitkultur in der Kirche.

Stand: 28.05.2012
Landesbischof Bedford-Strohm und der Hesselberg in Mittelfranken | Bild: picture-alliance/dpa; BR; Montage: BR

Manchmal müsse man um die Wahrheit streiten, sagte Bedford-Strohm beim 61. Bayerischen Kirchentag auf dem mittelfränkischen Hesselberg vor vielen tausend Besuchern. Dies müsse aber in Achtung und Liebe zueinander geschehen. Wenn einer anfange, andere abzuwerten oder sie fanatisch zu bekämpfen, gewinne "der Hass die Macht über euch und vergiftet eure Herzen und euren Verstand", sagte der Landesbischof. Die Kirche stehe oft vor der Frage, ob das Folgen eines Zeitgeists nun ein Verrat am Evangelium wäre, oder ob man das Evangelium verrate, wenn man nichts verändern und nichts dazulernen wolle.

Schatten der Vergangenheit

Viele Christen hätten während der NS-Zeit "auch und gerade hier auf dem Hesselberg" den Nationalsozialisten zugejubelt und es später bitterlich bereut, "weil sie gemerkt haben, wie sie das Evangelium an den Zeitgeist verraten haben", sagte Bedford-Strohm. Der Hesselberg war zwischen 1933 und 1939 jedes Jahr Schauplatz der nationalsozialischen "Frankentage", an denen jeweils bis zu 100.000 Menschen teilnahmen. Der evangelische Landesbischof sagte, es gebe aber Fälle, in denen Neuerungen kein Verrat am Evangelium seien. "Wenn ich mir anschaue, welch tollen Dienst viele Pfarrerinnen in unserer Kirche tun", so wisse er nicht, wie man so lange darauf habe verzichten können. Mit Zulassung der Frauenordination habe man das Evangelium nicht an den Zeitgeist verraten, sondern man habe es neu und besser verstanden.

Keine ewigen Wahrheiten

Welche Veränderungen falsch oder richtig sind, "wird in unserer Kirche immer umstritten sein", sagte er: "Was am Ende richtig war, wird man vielleicht erst aus dem historischen Abstand beurteilen können." Mittelfrankens höchster Berg ist seit 1951 eng mit der evangelischen Kirche verbunden. Vor 61 Jahren eröffnete der damalige Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) die neu gegründete Landvolkshochschule, das heutige Evangelische Bildungszentrum (EBZ). Aus dem Fest entwickelte sich der Bayerische Kirchentag, zu dem jährlich tausende Besucher aus Franken sowie dem angrenzenden bayerischen und württembergischen Schwaben anreisen.


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