Schmähvideo Pakistanischer Minister setzt Kopfgeld aus
Nach heftigen Protesten gegen das Schmähvideo "Innocence of Muslims" hat ein pakistanischer Minister ein Kopfgeld auf den Regisseur ausgesetzt. Bundesaußenminister Westerwelle plädiert derweil für mehr Sensibilität und Selbstzensur.
Der pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Balor rief die Kämpfer der radikalislamischen Taliban und des Terrornetzwerks Al-Kaida dazu auf, "ihre heilige Pflicht" zu erfüllen und den Produzenten des Videos ausfindig zu machen und zu töten. Für die Tötung setzte er ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 US-Dollar aus. In Pakistan kamen bei Ausschreitungen am Freitag am sogenannten "Tag der Liebe zum Propheten" mindestens 21 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.
Pakistanische Regierung distanziert sich
Der pakistanische Premierminister Raja Pervez Ashraf hat sich von dem Mord-Aufruf seines Kollegen distanziert. Seine Regierung habe mit dem von Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour ausgesetzten Kopfgeld nichts zu tun, sagte der Regierungschef am Sonntag. Auch die Partei des Ministers, die eigentlich moderate Awami National-Partei (ANP), nahm Abstand. "Das ist eine persönliche Äußerung, die nicht der Parteilinie entspricht", sagte ANP-Sprecher Zahid Khan. Die ANP regiert die nordwestpakistanische Provinz Khyber-Pakhtunkhwa und koaliert in der Hauptstadt Islamabad mit der Pakistanischen Volkspartei (PPP) von Premier Ashraf. Wie ein Sprecher des Premiers am Sonntag weiter mitteilte, seien Regierung und ANP-Spitze im Gespräch, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Disziplinarische Schritte gegen Minister Bilour seien nicht ausgeschlossen. Vorerst bleibe er jedoch im Amt.
Westerwelle fordert Selbstzensur
Zusätzlich sorgte der Abdruck von neuen Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin für Empörung. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich gegen die Veröffentlichung solcher Karikaturen aus. Zur Freiheit gehöre immer auch Verantwortung, sagte der FDP-Politiker der "Welt am Sonntag". "Manchmal lautet die Frage nicht, ob man etwas tun darf. Sondern ob man etwas tun sollte." Meinungsfreiheit umfasse nicht das Recht, Andersgläubige oder Andersdenkende zu beleidigen und damit absichtsvoll den öffentlichen Frieden zu stören. Er schloss nicht aus, dass die anhaltenden gewaltsamen Massenproteste in der islamischen Welt gegen die Beleidigung des Propheten Mohammed ein Fall für den UN-Sicherheitsrat werden.

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