Atomprogramm Iran brüskiert IAEA-Inspektoren
Der Iran hat erneut die Inspektoren der internationalen Atomenergie-Behörde IAEA verprellt. Den Nuklear-Experten wurde der Zugang zu einer verdächtigen Militäranlage verweigert. Die Inspektionsreise ging ergebnislos zu Ende.
Gereizt ist die Stimmung in Teheran, in Tel Aviv, in Wien und in Washington: Die iranische Regierung hat der internationalen Atomenergie-Behörde IAEA erneut eine Abfuhr erteilt. Die Experten durften ein Militärgelände in Parchin nahe Teheran nicht betreten - und die Bitte wurde zweimal abgeschlagen. In Parchin sollen möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert worden sein. Auf dem Gelände soll sich ein verdächtiger Metallcontainer befinden, in dem die Tests abgelaufen sein könnten.
Die iranische Führung ist auch in anderen Bereichen nicht zur Zusammenarbeit bereit: Sie akzeptierte ein von der IAEA vorgeschlagenes Papier zur möglichen militärischen Dimension des iranischen Atomprogrammes nicht. Der Besuch der IAEA-Inspektoren in Teheran geht so ohne greifbares Ergebnis zu Ende. Am Hauptsitz der Atomenergie-Behörde in Wien herrscht Frustration. Teheran bestreitet weiterhin, überhaupt an Atomwaffen zu arbeiten und lehnt es ab, die Urananreicherung im Land zu stoppen.
Die Uhr tickt
Während der Iran den Inspektoren die Arbeit schwer macht, gibt es Streit zwischen Israel und den USA. US-Generalstabschef Dempsey hatte jüngst Zweifel daran geäußert, dass ein israelischer Militärschlag das iranische Atomprogramm erfolgreich stoppen oder verzögern könnte. Wer Israels Angriffsfähigkeit in Frage stelle, verringere den Druck auf den Iran und erhöhe letzlich die Kriegsgefahr, sagten Regierungsvertreter den israelischen Zeitungen.
Auch im Wahlkampf um das US-Präsidentenamt wird der Iran zum Thema. Der republikanische Bewerber Romney erklärte, bei einer Wiederwahl Obamas werde der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Nur eine Wahl Romneys könnte das verhindern. Auch sein parteiinterner Rivale, der christlich-konservative Rick Santorum, rasselt mit dem Säbel: «Wir würden die Anlagen mit Luftschlägen zerstören», sagte er im US-Fernsehen. Die US-Regierung dagegen will weiterhin der Diplomatie eine Cahnce geben. Sie hofft, die harten UN-Sanktionen könnten den Iran doch noch zum Einlenken zwingen.
Der Iran gibt sich demonstrativ unbeeindruckt von den Gerüchten um einen bevorstehenden Militärschlag. Im Gegenzug schloss der Vize-Chef der Streitkräfte sogar präventive Angriffe nicht aus, wenn die nationalen Interessen des Landes gefährdet seien.

Wetter



