TÜV Jährlich zur Kontrolle?
Der neueste Vorschlag der EU-Kommission stößt in Deutschland nicht auf Gegenliebe: Ältere Autos sollen künftig jährlich zum TÜV. Kritiker sprechen von unnötiger Abzocke.
Älter als sieben Jahre oder mehr als 160.000 Kilometer auf dem Tacho? Das hieße nach dem Willen der EU-Kommission künftig: Jedes Jahr zur Hauptuntersuchung beim TÜV. Bisher muss in Deutschland nach der dreijährigen Spanne für Neuwagen alle zwei Jahre eine HU gemacht werden. Die jährliche Prüfung soll technische Mängel früher aufdecken und so für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen.
Abzocke?
Bundesverkehrsminister Ramsauer hält das für keine gute Idee. Die deutsche Prüfpraxis sei bewährt, sagte er der "Welt". Sie sollte als Vorbild für andere EU-Länder gelten. Er weiß den ADAC auf seiner Seite. Dessen Vizepräsident Thomas Burkhardt betont ebenfalls in der "Welt": "Einen Nachweis für mehr Sicherheit durch häufigere Prüfung gibt es nicht." "Die Pläne der EU-Kommission sind für uns reine Abzocke der Autofahrer." Nur 0,5 Prozent der schweren Unfälle seien auf Fahrzeugfehler zurückzuführen, schätzt der ADAC.
Sicherheitsplus?
EU-Verkehrskommissar Siim Kallas will mit besseren Kontrollen bis zu 1100 Verkehrstote jährlich vermeiden. Sein Vorschlag: Für neue Pkw eine erste Hauptuntersuchung nach vier Jahren, eine weitere nach zwei und danach eine jährliche Prüfung. Auch Autos mit mehr als 160 000 Kilometern wären jedes Jahr erneut dran, ebenso Taxis oder andere stark genutzte Fahrzeuge wie Notarztwagen.
Kein Monopol mehr für TÜV und Co?
Noch etwas sorgt für Unmut in Deutschland: Kallas will die Untersuchung nicht nur staatlichen Stellen, sondern auch privaten Anbietern erlauben, die dann aber unter staatliche Aufsicht gestellt werden müssten. Derzeit teilen sich in Deutschland einige wenige Anbieter wie TÜV und Dekra den Markt. Der ACE befürchtet, dass es auf einem umkämpften Markt mit der Kontrolle nicht mehr so genau genommen wird, wenn man Kunden für sich einnehmen will. Mit dem neuen Gesetz will Brüssel übrigens auch Tachomanipulationen Einhalt gebieten. Zwischen fünf und zwölf Prozent aller Gebrauchtwagen seien betroffen, heißt es in dem Gesetzentwurf. Deshalb will die EU-Kommission die Kilometerstände aller Wagen in nationalen Datenbanken festhalten. Mit der Präsentation ist auch noch nichts beschlossen: Erst einmal beraten die EU-Länder und das Europaparlament darüber - viel Zeit für Lobbyarbeit also.

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