Strom "Watt" ihr "volt"
Die Bürger sollen in den kommenden acht Wochen ihre Meinung zum überarbeiteten Entwurf für mehrere große Stromautobahnen äußern. Die Bundesnetzagentur will auch Verbände, Umweltorganisationen oder Behörden einbeziehen.
"Jetzt ist gefragt, dass mitgeredet wird, dass mitgemacht wird, dass mitentschieden wird und am Ende mitgestaltet wird." Das fordert der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. An sechs Informationstagen stellt die Bundesbehörde den Entwurf der Übertragungsnetzbetreiber zum "Netzentwicklungsplan Strom 2012" vor. Bis zum 2. November können Bürger Stellungnahmen dazu abgeben. In der ersten Konsultationsphase, die vom 30. Mai bis 10. Juli dauerte, waren rund 1.500 Stellungnahmen eingegangen, die in den nun vorliegenden überarbeiteten Netzentwicklungsplan eingeflossen sind.
Schlüsselprojekte für die Energiewende
Das Vorhaben ist ein Schlüsselprojekt der Energiewende. 3.800 Kilometer an neuen Stromautobahnen sollen gebaut werden, um den Atomausstieg bis 2022 zu schaffen. Zudem sollen 4.400 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie fit werden für die schwankende Ökostromeinspeisung. Insgesamt werden Kosten von 20 Milliarden Euro veranschlagt. "Mehr Tempo beim Ausbau der Übertragungsnetze ist ein entscheidender Schlüssel für das Gelingen der Energiewende". Der Netzentwicklungsplan werde nach dem Bürgerdialog noch einmal überarbeitet und der Bundesregierung als Entwurf für einen Bundesbedarfsplan vorgelegt. Noch im Dezember soll vom Kabinett ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, um die Stromautobahnen, die vor allem von Nord nach Süd verlaufen sollen, zu planen und zu bauen. Homann rechnet bei einer zügigen Umsetzung des Zeitplans ab dem Jahr 2015 mit dem ersten Bauabschnitt. Die Bundesnetzagentur plädierte in dem Zusammenhang dafür, Stromleitungen, die Ländergrenzen überqueren, auf Bundesebene zu planen und genehmigen.
Die Kosten der Energiewende
Regierungsberater fordern eine globale Energiewende und beziffern den Investitionsbedarf bis 2050 auf 68.000 Milliarden US-Dollar. Bei der Vorstellung eines Gutachtens in Berlin äußerte sich der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Hans-Joachim Schellnhuber, zuversichtlich, dass ausreichend privates Kapital verfügbar sei. Es gehe nun darum, den Investitionsbedarf privater Anleger mit dem Kapitalbedarf der Energiewende zusammenzubringen. Bis 2040 könnten die Kosten vollständig kompensiert werden. Besondere Bedeutung misst der Beirat privatem Kapital zu. Schellnhuber verwies darauf, dass viele private Anleger nach einem sicheren Hafen suchten, der Sicherheit und Rendite bringe.

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