Bayerisches Fernsehen - Rundschau

Fulda Vollversammlung der Bischöfe

Die katholischen Bischöfe Deutschlands haben ihre traditionelle Herbstvollversammlung in Fulda abgeschlossen. Die 67 Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Weihbischöfe berieten insbesondere über Fragen der Glaubensvermittlung.

Stand: 28.09.2012

Eines der Hauptthemen der Herbstvollversammlung war der Stand des Gesprächsprozesses, den der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, angesichts der Erschütterungen des Missbrauchsskandals im Herbst 2010 in Fulda angeregt hatte.

Austritt nicht "teilweise"

In der einen Waagschale einer Justitia liegt ein Rosenkranz in der anderen Geldscheine | Bild: colourbox.com; adpic; Montage:BR zum Video mit Informationen Urteil Der "Kirchenrebell" ist gescheitert

Keine Kirchensteuer zahlen und trotzdem Mitglied der Kirche sein? Das geht nicht, sagt die katholische Kirche. Jetzt gab das Bundesverwaltungsgericht der Kirche Recht. [mehr]

Mit Erleichterung reagierten die Bischöfe auf ein am Mittwoch gesprochenes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Es bestätigte die Bischofskonferenz in ihrer Rechtsauffassung, dass es einen teilweisen Kirchenaustritt nicht geben kann. Ein reiner Austritt aus der Körperschaft öffentlichen Rechts, aber nicht aus der katholischen Kirche als Glaubensgemeinschaft ist in Deutschland nicht möglich. Am Rande der Beratungen machten verschiedene Bischöfe deutlich, dass sie auf Reformen innerhalb der katholischen Kirche setzen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bekannte: "Mir selbst geht es auch manchmal so, dass ich ungeduldig werde." Einigen gingen die vorgeschlagenen Erneuerungen viel zu schnell und zu weit und sie fürchteten um die Identität des Katholischen. Anderen gingen die Veränderungen nicht schnell genug.

Problem wiederverheiratete Geschiedene

Wiederverheiratete Geschiedene müssen weiter auf ein Entgegenkommen der Kirche warten. Die Bischöfe setzten eine Arbeitsgruppe ein, die Vorschläge zu einem veränderten Umgang mit dieser wachsenden Gruppe erarbeiten soll. Zollitsch erklärte, es werde Zeit, dass sich etwas ändere, warb aber zugleich um Verständnis, dass schwierige theologische Fragen geklärt werden müssten. Dazu will der Freiburger Erzbischof in den kommenden Wochen auch Gespräche in Rom führen. Der Papst hatte die katholischen Gemeinden aufgefordert, alles nur Mögliche zu tun, damit sich die geschiedenen Wiederverheirateten "geliebt und akzeptiert" fühlten. Sie seien "keine Außenstehenden, auch wenn sie nicht die Absolution und die Eucharistie empfangen" könnten. Auch im Kirchenrecht ist Bewegung: So könnten künftig Angestellte von Kirche und Caritas, etwa Kindergärtnerinnen, Ärzte oder Sozialarbeiter, nach Scheidung und neuer ziviler Heirat möglicherweise nicht mehr ohne weiteres ihre Stelle verlieren.

Ziel: Religionsunterricht stärken

Mit Blick auf eine wachsende Religionsferne der Gesellschaft sprachen sich die Bischöfe dafür aus, die Qualität des konfessionellen Religionsunterrichts zu stärken und sich für seinen Erhalt politisch stark machen. Außerdem soll die Seelsorge an Schulen ausgebaut werden, damit Schüler über den Unterricht hinaus Erfahrungen mit Religion machen können. Der Religionsunterricht sei der Ort, an dem sich Schüler über viele Jahre mit den Grundfragen des Lebens und den Antworten des christlichen Glaubens auseinandersetzen könnten, sagte der Schulbischof der Deutschen Bischofskonferenz, der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. Deshalb seien Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte und die Entwicklung aktueller Unterrichtsmaterialien von besonderer Bedeutung.


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