Bischof Müller Ruf nach Rom
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wird Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. Der in Bayern umstrittene Kirchenmann wird damit Glaubenshüter der katholischen Weltkirche. Im Bistum stellt sich die Frage nach dem Nachfolger.
Bischof Müller wurde seit geraumer Zeit für fast jede frei werdende Position in Rom gehandelt. Nun ist es soweit: Benedikt XVI. hat ihn tatsächlich in den Vatikan berufen - in die höchst einflussreiche Position, die auch er einst innehatte. Gerhard Ludwig Müller, der in der Heimat so umstrittene Hardliner, wird Leiter der Glaubenskongregation. Sie ist zuständig für die Überprüfung neuer Lehrmeinungen und die Verurteilung solcher Lehren, die ihrer Meinung nach den Prinzipien des Glaubens widersprechen. Die Reaktionen auf Müllers Abberufung fallen unterschiedlich aus: Einige Gläubige in Regensburg halten ihn für höchst geeignet für das Amt. Andere finden den 64Jährigen zu konservativ. Im Bistum hat ihm sein eigenwilliger Umgang mit den Laien viel Kritik der Kirchenbasis eingebracht. Müller hält fest am Zölibat, Frauen als Priester lehnt er strikt ab. In den Augen Roms macht ihn das zum idealen Kandidaten. Renommierte Kirchenkritiker sehen in seiner Berufung ein fatales Signal.
"Als Präfekt der Glaubenskongregation ist dieser bornierte Scharfmacher fehl am Platz"
Hans Küng
Der katholische Theologe Hans Küng kritisiert, der Papst habe nichts gelernt aus der auch in der Kurie kritisierten Fehlbesetzung des Staatssekretariats und anderer Schlüsselpositionen mit restaurativen Gesinnungsgenossen. Er hält nun Konflikte für vorprogrammiert. Bischof Müller besitze keinerlei Qualifikation für die wichtige Aufgabe im Vatikan. Er sei als Bischof unbeliebt, als Theologe ohne Relevanz und als Ökumene-Verantwortlicher eine Belastung, so Küng in außergewöhnlich scharfen Worten. Gottes Segen wünscht die Bewegung "Wir sind Kirche". Bischof Müller übernehme sein neues Amt in einer schwierigen Phase. Es müsse sich zeigen, ob mit Müller die Fenster des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder weiter geöffnet würden oder ob nun auch die letzten Fensterläden geschlossen würden, um sich von der Welt abzuschotten.
Endlich in Rom
Im Vatikan ist derzeit einiges in Bewegung. Die Neubesetzung an der Spitze der Glaubenskongregation war durchaus eine heikle Angelegenheit. Der bisherige Amtsinhaber, der 76jährige US-amerikanische Kardinal William Levada, ist amtsmüde und hat seinen Rücktritt eingereicht. Die einflussreiche Position geht nun erneut an einen Deutschen - nach reiflichem Überlegen. Denn gegen Bischof Müller gab es heftige Widerstände im Vatikan und in bestimmten Kirchenkreisen, die ihm pauschal seine persönliche Freundschaft mit dem Befreiuungstheologen Gustavo Gutierrez anlasten. Für den ehrgeizigen 64Jährigen erfüllt sich damit der Wunsch nach dem nächsten Karrieresprung, nachdem er in den vergangenen Monaten für etliche vatikanische Spitzenpositionen gehandelt worden war, vom Archiv über die Bildungskongregation bis zum Einheitsrat. Er wird nun in absehbarer Zeit auch zum Kardinal ernannt werden. Der Papst schätzt den Regensburger Bischof so sehr, dass er ihn mit der Herausgabe seiner "Gesammelten Schriften" beauftragt hat. Müller, der wie Benedikt XVI. vor seiner Bischofsweihe Professor für Dogmatik war, richtete dazu im Jahr 2008 eigens das "Institut Papst Benedikt XVI." ein.
Stationen eines Lebens
Gerhard Ludwig Müller wurde am 31. Dezember 1947 in Mainz geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie promovierte er 1977 bei Karl Lehmann, dem späteren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. - 1978 wurde er in Mainz zum Priester geweiht. Nach seiner Habitilation wurde er 1986 Professor für Katholische Dogmatik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. - Am 1. Oktober 2002 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Regensburg. Müller ist seit 2003 Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz.
Wer wird neuer Regensburger Bischof?
1,2 Millionen Katholiken zählt das Bistum Regensburg - für sie wird nun ein neuer Hirte gesucht. Zunächt wurde der Dompropst Wilhelm Gegenfurtner zum sog. Diözesanadministrator bestellt. Er erstellt nun eine Liste mit Kandidatenvorschlägen, die dann nach Rom übermittelt wird. Der Papst ist gemäß dem bayerischen Konkordat nicht an diese Liste gebunden, sondern völlig frei in seiner Personalentscheidung. Als ein möglicher Kandidat gilt Prälat Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor im schwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild bei Günzburg. Er war schon wiederholt als Bischofskandidat im Gespräch und soll in engem Kontakt zu Papst-Sekretär Georg Gänswein stehen.

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