Bayerisches Fernsehen - Querbeet

Residenz & Orangerie Der Barocke Hofgarten in Ansbach

150 Meter liegen zwischen der Residenz und dem barocken Hofgarten zu Ansbach. Eher ungewöhnlich und nicht den damaligen Grundsätzen entsprechend. Denn eigentlich zeichnen sich barocke Anlagen gerade durch die Einheit von Gebäude und Garten aus.

Stand: 28.01.2013
Hofgarten Ansbach | Bild: BR

In Ansbach boten die baulichen Gegebenheiten vor Ort einfach nicht genug Platz, um Residenz und Garten zu einer Einheit verschmelzen zu lassen. Man fand für dieses Problem eine ganz eigene Lösung: Eine Orangerie, pompös und schlossartig in ihrer Architektur.

Die Ansbacher Orangerie mit ihrem Parterre

Sie bildet den geometrischen Ausgangspunkt der Sichtachsen, die sich durch den Garten ziehen. Ursprünglich angelegt im französischen Stil, bewundern Besucher heute ein sogenanntes ‘parterre à l’anglaise‘. Anders als beim Französischen Parterre fehlen hier die Buchshecken: nur ornamentale Rasen- und Kiesflächen, gesäumt von schmalen Blumenrabatten. Um sie zu bepflanzen, kultiviert man in der Hofgärtnerei jährlich 10.000 Beetblumen in 31 Arten und Sorten. Grundlage für das Pflanzschema ist ein zeitgenössisches französisches Gartenbuch, das damals verwendete Sorten und Arten auflistet. Die Muster im Beet wiederholen sich alle 240 cm, alle 30 cm wechseln Art und Farbe.

Wertvolle Orangen, Pomeranzen und Granatäpfel

Weiterer Barockaspekt: die rund 200 mediterranen Kübelpflanzen, die nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland dürfen. Orangen, Zitronen, Granatäpfel und Akazien vor dem Gebäude, Lorbeerhochstämme entlang der Hauptwege. Sie alle wachsen in den sogenannten Versailler Kübeln. Das sind stahlgefasste Pflanzgefäße, deren Holzwände man austauschen kann.

Pflanzenhilfs- und -stärkungsmittel

Die Lorbeerstämme sind sehr pflegeleicht, außer regelmäßigem Schnitt fällt bei ihnen kaum Arbeit an. Anders ist das bei den vor der Orangerie aufgestellten Kübeln. Für sie ist Landschaftsgärtnerin Doris Bruckmüller verantwortlich. Vor 7 Jahren entwickelte sie gemeinsam mit ihren Kollegen von der Bayerischen Schlösserverwaltung einen Pflegeplan basierend auf der Kombination aus Pflanzenhilfs- und -stärkungsmitteln. Pflanzenstärkungsmittel sind laut Definition „Stoffe und Gemische einschließlich Mikroorganismen, die (…) allgemein der Pflanzengesundheit (…) dienen“ oder „Pflanzen vor nichtparasitären Beeinträchtigungen (…) schützen.“ Pflanzenhilfsmittel verwenden Gärtner, um die Nährstoffaufnahme von Pflanzen zu fördern oder das Wachstum anzuregen. Verabreicht werden die mit Wasser vermischten Mittel zerstäubt von einer motorisierten Karrenspritze. Eine heilende Wirkung haben solche Präparate nicht. Vielmehr kann man mit ihnen vorbeugend einem Schädlingsbefall entgegenwirken.

Das Ausbringen

Die ideale Temperatur, um die Spritzbrühe auszubringen, liegt bei 18-22 Grad. Dann sind die Stomata, wie Botaniker die Spaltöffnungen von Pflanzen nennen, am stärksten geweitet und die Pflanzen nehmen besonders viel der Präparate auf. Da die Stomata meist an den Blattunterseiten sitzen, nicht vergessen, diese ebenfalls tropfnass zu spritzen. Einmal in der Pflanze angelangt, verteilt diese aktiv die Stärkungsmittel in ihrem gesamten Organismus, die Mittel wirken also systemisch. So könnte Doris Bruckmüller ihre Spritzbrühe auch gießen. Doch bei der Blattspritzung setzt die prophylaktische Wirkung schneller ein.

Hilfreiche Pilze

Zusätzlich zur Blattdünung bekommen die Kübelpflanzen in Ansbach ein Gemisch aus Algen und Hornmehl, diese werden auf das Substrat gestreut und oberflächlich eingearbeitet. Ergänzt wird die Düngerkur durch eine Mykorrhiza- Gabe. Der Mykorrhiza-Pilz geht mit der Pflanzenwurzel eine Symbiose ein und hilft ihr somit, die Nährstoffe besser aufnehmen zu können. Diese Mykorrhiza-Pilze sind in Granulatform erhältlich. Eingebracht werden sie im äußeren Wurzelbereich in zuvor gebohrte Löcher. Die Pilze erleichtern der Pflanze vor allem die Aufnahme von Phosphor. Bedingt durch unterschiedliche Faktoren, liegt dieses im Substrat in Form schwer löslicher Phosphatmineralien vor. Doch Mykorrhizae sind in der Lage, eben diese Mineralien aufzuschließen. Außerdem vergrößern die Pilze den Einzugsbereich der Pflanzenwurzeln für weitere Nährstoffe.

Kontakt:

Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach
Promenade 27
91522 Ansbach
Tefelon: 0981 953839 0
Fax: 0981 953839 40
Email: sgvansbach@bsv.bayern.de

Zugang: über den Haupteingang neben dem Busbahnhof Promenade  

Öffnungszeiten:

Januar: Montag bis Sonntag, 7.15-17.00 Uhr
Februar-März: Montag bis Sonntag, 7.15-18.00 Uhr
April-September: Montag bis Sonntag, 7.15-21.00 Uhr
Oktober-November: Montag bis Sonntag, 7.15-18.00 Uhr
Dezember: Montag bis Sonntag, 7.15-17.00 Uhr


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