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Nicht nur fürs Museum Ist Bauerngarten gleich Bauerngarten?

Seit einigen Jahren arbeitet Gärtnerin und Volkskundlerin Bettina Kraus eng mit dem Freilandmuseum in Neusath-Perschen zusammen. Ihr Fachgebiet: Der Werdegang der Bauerngärten - speziell in der Oberpfalz.

Stand: 03.02.2012
Bauerngarten | Bild: BR

Ein Bauerngarten besteht nicht nur aus Wegekreuz und Buchsbaumhecke, sagt Bettina Kraus. Und eigentlich hat es in den Bauerngärten vor über 100 Jahren nicht mal unbedingt geblüht, denn bäuerlicher Gartenbau ist nie um seiner selbst willen betrieben worden, sondern war der Landwirtschaft und der bäuerlichen Hauswirtschaft beigeordnet. Zehn Hausgärten hat man im Oberpfälzer Freilandmuseum angelegt, alle mit einem anderen Schwerpunkt. Bettina Kraus kennt ihre Geschichten.

Garten an der Schmiede

Der Schmiedgarten stammt aus der mittleren Oberpfalz und wurde im Museum rekonstruiert. Bei der Bepflanzung stehen verschiedene Gemüse im Mittelpunkt. Erst vor gut 60 Jahren war es üblich, gezielt Gemüse, aber auch Zierpflanzen anzubauen. Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Gemüse noch als das Stiefkind des Oberpfälzer Speisezettels. Salate wie Kopfsalat oder Gurkensalat waren durchaus bekannt. Aber Salate aus gekochtem Gemüse wie Blumenkohl oder Rote Bete waren Festtagsspeisen und kaum gebräuchlich. Reine Gemüsegerichte waren sogar völlig unüblich.

Der Paulerverlgarten

Einer der Hausgärten orientiert sich in seiner Gestaltung nicht an einem Vorbild der Oberpfalz - er wirft einen Blick weit zurück in die Geschichte des Gartenbaus, bis ins Mittelalter. Im Paulerverlgarten gedeihen ausschließlich Kultur- und Gewürzpflanzen, die in Mitteleuropa im Mittelalter gebräuchlich waren, zum Beispiel mehrere Minzarten. Minzen waren im Mittelalter ein Universalgewächs, zum Würzen von Speisen wie zu medizinischen Zwecken. Im Paulerverlgarten stehen drei Minzen: Wasserminze, Rossminze und Poleiminze.

Garten am "Wirth"

Wer im Wirtshaus des Freilandmuseums einkehrt, braucht nur einmal um die Ecke zu schauen, um einen Blick auf den wohl farbenprächtigsten Garten des Geländes zu werfen. Zierpflanzen wie Solidago und Phlox stehen im Vordergrund, Nutzpflanzen spielen nur eine untergeordnete Rolle. So haben sich wohl Städter, die vom bäuerlichen Leben und dessen Härte Mitte des 19. Jahrhunderts kaum eine Ahnung hatten, einen Bauerngarten vorgestellt. Es ist eine romantische und verklärte Variante eines Nutzgartens. Ob verklärt oder authentisch. Für Bettina Kraus ist es vor allem wichtig, dass sich Menschen mit dem Thema Bauerngarten auseinandersetzen und auf diesem Weg auch ein Stück Gartenkultur über die Jahrhunderte retten.

Kolbeckgarten

Der Garten am Kolbeckhof stammt ursprünglich aus Weißenregen im Bayerischen Wald. Im Museum wurde er originalgetreu wieder aufgebaut, inklusive der ungewöhnlichen Form - er ist sechseckig. Diese Form war bereits im Urkataster von 1840 verzeichnet und so hat sie sich die nächsten 120, 130 Jahre gehalten. Neben Stauden, Zwiebelblumen und Gemüse gedeihen im Kolbeckgarten zahlreiche Gewächse, die Bauern schon vor gut 100 Jahren zum Heilen verwendeten, und deshalb nah am Haus kultivierten. Denn bei Krankheiten waren sie meist auf sich allein gestellt.

Tipp

Kontakt

Oberpfälzer Freilandmuseum
Neusath-Perschen
Neusath 200
92507 Neusath bei Nabburg
Tel.: 09433 2442-0

Bauerngärten sind 2012 ein Schwerpunkt im Oberpfälzer Freilandmuseum. Neben Gartenmärkten gibt es auch Führungen durch das Gelände - unter anderem mit Bettina Kraus. Die Saison in Neusath-Perschen beginnt Mitte März.