Wertvolle Fasern Selbstgemachtes Papier aus Schilf
Schilf gilt als ideales Gewächs für Pflanzenkläranlagen. Jedes Jahr im Oktober muss man es allerdings komplett herunter schneiden. Das Schnittgut landet normalerweise auf dem Kompost. Nicht so bei Kathrin Rieppel aus dem oberpfälzischen Falkenstein. Für sie ist das Schilf Rohstoff für selbst gemachtes Papier.
Früh am Morgen in Falkenstein in der Oberpfalz. Kathrin Rieppel, Tochter Katharina und Nachbarskind Katja sind gerade dabei, Schilf zu ernten. Jedes Jahr im Oktober schneidet Kathrin Rieppel den 40 Quadratmeter großen Bereich einer Pflanzenkläranlage komplett zurück, damit im kommenden Jahr das Schilf aufs Neue durchtreiben kann. Normalerweise landet das Schnittgut auf dem Kompost. Aber heute soll es als Rohstoff für selbst gemachtes Papier dienen.
Beim Herstellen von Papier aus Pflanzen geht es als erstes darum, durch verschiedene Arbeitsschritte an deren Fasern zu gelangen. Diese Fasern schwimmen dann in einem Behälter mit Wasser und werden "geschöpft".
Nicht nur Schilf ...
Auch andere faserige Pflanzen wie Malven, Mais oder Brennnesseln eignen sich zum Herstellen von Papier. Das Vorgehen ist überall das Gleiche. Jedes Papier kann man nach seinen Vorstellungen gestalten. Etwa mit Blättern des Wilden Weins, die mit prächtiger Herbstfärbung glänzen.
Schneiden, Rühren und Kochen
Es beginnt mit dem Zerkleinern der Triebe. Sie nur mit der Gartenschere zu zerschneiden, genügt allerdings nicht. Das Material muss so fein wie möglich werden. Am besten funktioniert das mit einem Wiegemesser. Die Arbeit geht recht schnell und es besteht kaum Gefahr, sich zu verletzen. Während Katharina und Katja noch am Zerkleinern sind, gibt Kathrin Rieppel 20 Liter Wasser in einen großen Topf. Darin löst die Umweltpädagogin Soda, das die Pflanzenzellen aufschließen soll und die für die Papierherstellung wichtige Zellulose aus dem Pflanzenmaterial löst. Als Faustregel gilt: Ein Teil Soda und zwei Teile Pflanzen. Also beispielsweise 200 Gramm Soda auf 400 Gramm Pflanzenteile. Dann alles gut verrühren und das Ganze fünf bis sechs Stunden kochen lassen.
Mixen und Schöpfen
Ist das gekochte Schnittgut abgekühlt und abgegossen, gibt man es in einen Topf. Denn jetzt soll aus der groben Masse ein Brei entstehen, die sogenannte Pulpe. Je feiner man diesen Faserbrei püriert, desto dünner und gleichmäßiger wird später das Papier. Diesen Faserbrei gibt Kathrin Rieppel in eine mit Wasser gefüllte Wanne. Erst einmal zwei Hände voll. Dann alles gut durchrühren. Nun kommt ein Schöpfsieb zum Einsatz. Ein solches Sieb ist mit wenig Aufwand selbst gebaut: ein alter Bilderrahmen, auf dem man Fliegengitter befestigt, und ein zweiter Rahmen, der als Rand dient. Und dann: Tauchen, kippen, das Sieb vorsichtig nach oben heben und den Rahmen abnehmen. Beim Papier schöpfen braucht man durchaus etwas Geduld. Nicht immer bleibt auf Anhieb genug Pflanzenmaterial auf dem Sieb zurück. Deshalb die Pulpe immer wieder gut durchrühren.
Pressen und Aufhängen
Das Pflanzenmaterial auf dem Sieb wird nun auf ein feuchtes Tuch geklappt und übertragen, man bezeichnet diesen Vorgang als „Abgautschen“. Dann vorsichtig mit einem trockenen Tuch auf das Sieb tupfen, bis sich keine Bläschen mehr bilden. Anschließend den Rahmen abnehmen und das übertragene Papier mit einem trockenen Tuch bedecken.
Nun gilt es, aus dem späteren Papier das Wasser herauszubekommen und es zu verdichten. Entweder mit einer Presse, oder mit zwei Brettern, zwischen denen man das Papier fixiert und das Ganze dann mit Schraubzwingen zusammendrückt. Trocknet man direkt in der Presse, sollte man regelmäßig die Tücher wechseln, um Schimmelbildung zu verhindern. Beim Trocknen auf der Wäscheleine gilt: nicht in der prallen Mittagssonne. Dann könnte das Papier zu schnell warm werden und reißen.
Zum Trocknen bleibt das Papier noch am sogenannten Gautschtuch kleben. Im letzten Schritt wird es nochmal knifflig. Denn nun muss man das Papier vorsichtig ablösen, ohne es dabei zu zerrupfen. Das Herstellen des eigenen Papiers braucht seine Zeit, aber die Geduld wird belohnt. Mit kleinen Gemälden, die zum „Beschreiben“ fast zu schade sind.
Kontakt:
Kathrin Rieppel
Erpfenzell 10a
93167 Falkenstein
Telefon: 09462/387
info@zwei-mit-der-erde.de

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