Dietfurter Tradition Chinesenfasching
Stellen Sie sich vor, Sie zögen in ein fremdes Land auf einem anderen Kontinent und erlebten, dass sich die Einwohner einmal im Jahr als Bayern verkleideten ... Verkehrte Welt?
So kam es Frau Xie vor, als sie mit ihrem Sohn Wie vor neun Jahren der Liebe wegen nach Dietfurt an der Altmühl zog und beide dort als einzige echte Chinesen den traditionellen Chinesenfasching kennen lernten. "Das erste Mal, als ich das gesehen habe, war ich sehr verwundert, dass sich alle als Chinesen anziehen", erinnert sich der heute 21-jährige Wie. Und nicht nur das: Auf manchen Wagen und Fahnen entdeckte er Schriftzeichen, die er noch nie zuvor gesehen hatte.
Tradition seit fast 60 Jahren
Dass im Dietfurter Fasching jedes Jahr der chinesische Kaiser und sein Hofstaat die Herrschaft übernehmen und die Sieben-Täler-Stadt in der Mitte Bayerns zum Reich der Mitte werden lassen, ist in Deutschland einzigartig und hat seit fast sechs Jahrzehnten Tradition. Der Bezug zu China geht auf eine Legende zurück: "Wie Chinesen" sollen sich die Dietfurter nach dem Bericht des bischöflichen Steuereintreibers einst hinter ihrer Ringmauer verschanzt und diesen nicht in die Stadt gelassen haben.
Chinesische Kultur in Dietfurt
Der Chinesenfasching spielt mit Klischees, doch hat er auch das Interesse der Dietfurter an der chinesischen Kultur geweckt. So haben sich besondere Verbindungen zwischen Dietfurt und China entwickelt. Mehrmals bereits waren offizielle Vertreter Chinas in der Stadt zu Gast. Die Musikgruppe Bayrisch-China-Express nahm auf Einladung der chinesischen Botschaft am International Country Music Festival in Zhangjiajie teil. Außerdem gibt es in Dietfurt Zen-, Qigong- und Taiji-Kurse. Und seit 2010 wird jedes Jahr ein bayerisch-chinesisches Sommerfest gefeiert.

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