Wulff unter Druck Wie beschädigt ist der Präsident?
Christian Wulff kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die Opposition diskutiert bereits über seine Nachfolge, er selbst will im Amt bleiben. Wie glaubwürdig ist Christian Wulff noch?
Unsere Gäste vom 10.01.2012
Wilfried Scharnagl, Politikberater
"Dieses Einheitseindreschen auf Wulff nervt mich. Ich sehe auch, dass er vieles falsch gemacht hat, aber dass jetzt im Gleichtakt eine Generaleinprügelei stattfindet, geht mir gegen den Strich." Zum Anruf bei der "Bild-Zeitung" sagt er: "Wenn Wulff sich entschuldigt und die Entschuldigung wurde angenommen, wäre für mich danach die Sache erledigt." Das Vorgehen der Medien zeuge stattdessen "geradezu von einer von Vernichtungswillen getriebenen Unbarmherzig- keit“. Außerdem meint er: "Wenn er (Wulff) das durchsteht, ist das auch eine Reifeprüfung der besonderen Art und er kann davon profitieren, vielleicht auch das Amt und das ganze Volk.“ Jedoch: "Von einem Rücktritt profitiert niemand.“
Paul Nolte, Historiker
"Wulff ist beschädigt, und wenn er im Amt bleibt, und davon gehe ich aus, dann wird das mit Sicherheit auch in dreieinhalb Jahren nicht vergessen sein. Er wird ein Bundespräsident mit Narben bleiben.“ Dennoch glaubt er: "Ein Rücktritt führt zu einer Schwächung des Amtes, weil wir dann eine große Verunsicherung darüber hätten, wofür wir dieses Amt überhaupt noch brauchen.“ Der Historiker meint: "Frühere Präsidenten haben daran gearbeitet, die Bundesrepublik nach dem Krieg in einem Gründungskonsens zu verankern. Jetzt, nachdem die Bundesrepublik in der Normalität angekommen ist, endgültig auch nach der Wiedervereinigung, ist es in mancher Hinsicht schwieriger geworden, Bundespräsident zu sein.“
Jakob Augstein, Verleger "Der Freitag"
"Wir Journalisten werden mit den Politikern in einen Unglaubwürdigkeitstopf geworfen. Das macht mich betroffen, weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass dieser Präsident Sachen gemacht hat, bei denen die Journalisten ihren Job erfüllt haben, indem sie sie aufgedeckt haben.“ Er findet es vielmehr "bedenklich, wenn Leute denken, das sei ein irrelevantes Thema". Außerdem sagt er: "Wulff wird Salamitaktik vorgeworfen, die 'Bild' hat auch Salamitaktik gemacht. Nur der Unterschied ist: Die 'Bild-Zeitung' darf das, und der Bundespräsident darf das nicht.(...) Ich glaube, dass wir an den Bundespräsidenten andere Ansprüche haben sollten, als an Herrn Diekmann. Herr Diekmann ist nicht unser Präsident, sondern Wulff.“
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