Chat-Highlights 20.12. Alle Karten auf den Tisch!
Der Publizist Hugo Müller-Vogg ist überzeugt: "Christian Wulff könnte sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen." Allerdings: Zunächst müsse er seine Fehler eingestehen und um Entschuldigung bitten. Mehr dazu lesen Sie hier.
Chat-Highlights vom 20.12.2011
Hugo Müller-Vogg
Der Publizist Hugo Müller-Vogg studierte Volkswirtschaft und Politik. Von 1988 bis 2001 war er Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit über 10 Jahren schreibt er als Kolumnist für die BILD-Zeitung und veröffentlichte mehrere Bücher. Darunter auch: "Christian Wulff - Besser die Wahrheit".
Frage: Sie haben ja mit Wulff dieses Buch geschrieben. Welchen Eindruck hatten Sie da von ihm als Mensch? Ehrlich und wahrheitsliebend?
Antwort: Ja, ich habe den Eindruck, dass er sich sehr bemüht, anders als die anderen Politiker zu sein, nämlich ehrlicher.
Frage: Sind Sie jetzt überrascht? Enttäuscht?
Antwort: Ich bin enttäuscht, dass Christian Wulff bei der Frage des Kredits nicht schneller alles auf den Tisch gelegt hat. Auch deshalb, weil der Bundespräsident in diesem Jahr in mehreren Reden auf die Vorbildfunktion der Elite hingewiesen hat.
Frage: Neulich habe ich von der Hannover-Connection gelesen. Demnach verkehrt auch Westerwelle, Rösler, von der Leyen, mit Milliardär Maschmeyer. Ist nicht er das Problem?
Antwort: Kein Politiker ist gezwungen, außerhalb seiner dienstlichen Angelegenheiten mit Millionären oder Milliardären privat zu verkehren. Andererseits ist Herr Maschmeyer in Hannover eine permanent präsente Persönlichkeit, so dass zwangsläufig jeder Politiker ihm einmal über den Weg läuft.
Frage: Erinnert einen das Ganze nicht sehr deutlich an das Herumeiern und Herumlavieren von Herrn zu Guttenberg?
Antwort: Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Bei zu Guttenberg ging es darum, dass er sich mit fremden wissenschaftlichen Federn schmücken wollte. Bei Herrn Wulff ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob er gegen das Ministergesetz verstoßen hat. Das ist eine andere Dimension. Die Proportion des Herrn zu Guttenberg war eine private Verfehlung, die andere war möglicherweise eine Verfehlung im Amt.
Frage: Aber ist es nicht auch eine andere Dimension wie damals die Flugaffäre mit Rau, bei der Wulff vehement dessen Rücktritt forderte?
Antwort: Bei Herrn Rau ging es um Vorteile, die eine landeseigene Bank dem Ministerpräsidenten und SPD-Vorsitzenden gewährt hat. Bei Herrn Wulff geht es um Vorteile, die ihm Privatleute gewährt haben. Das macht meines Erachtens schon einen Unterschied.
Frage: Wären Sie der Berater von Wulff, was würden Sie ihm raten? Was muss er machen, um damit möglichst mit wenig Schaden an Person und Amt rauszukommen? Wenn das noch geht?
Antwort: Ich habe dies schon mehrfach öffentlich geäußert: Der Bundespräsident müsste umgehend alle Karten auf den Tisch legen, seine Fehler eingestehen und am besten um Entschuldigung bitten. Dann könnte er sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Frage: Was wollte die Bild-Zeitung von Herrn Wulff mit den "Berichten"? Rücktritt oder ihn nur etwas ärgern?
Antwort: Wir sind unserer Aufklärungspflicht nachgekommen.
Frage: Können Sie verstehen, wenn man da an Bestechung denkt?
Antwort: Der Hauskredit hat mit Bestechung sicher nichts zu tun, auch die Urlaube nicht. Aber natürlich hat Herr Maschmeyer nichts dagegen, wenn Politiker wissen, wem sie was zu verdanken haben.
Frage: Nur mal hypothetisch. Wulff fällt, was gibt es an Alternativen? Und ist es nicht etwas arg teuer, ihn dann mit 200.000 Euro im Jahr "stillzulegen"?
Antwort: Jedem Bundespräsidenten stehen nach dem Ausscheiden aus dem Amt ungeschmälert die Bezüge zu. Jemanden im Amt zu halten, nur um Geld zu sparen, wäre aber grundlegend falsch. Bei der schwarz-gelben Koalition gäbe es meines Erachtens drei potentielle Kandidaten: Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen und Norbert Lammert.

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