Chat-Highlights 07.02. Keine Ausdehnung der Krise auf Deutschland
"Deutschland ist wirtschaftlich so stark, dass wir nicht mit einer Ausdehnung der Krise auf Deutschland ausgehen müssen", so der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein im Chat der „Münchner Runde“.
Chat-Highlights vom 27.02.12
Günther Beckstein
Günther Beckstein begann seine politische Karriere als Bezirksvorsitzender der Jungen Union. Seit 1974 ist Beckstein für die CSU im Bayerischen Landtag. Er war bayerischer Innenminister und von 2007 bis 2008 bayerischer Ministerpräsident. Er ist Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern.
Frage: Hat Angela Merkel eigentlich eine Art Vorbildfunktion in der Politik? So für einen bayerischen Ministerpräsidenten zum Beispiel? Kann er sich da etwas "abschauen"?
Antwort: Ich glaube das nicht, denn bei den Spitzen in der Politik will jeder ein Solitär sein und will sich nicht an anderen Mitakteuren anlehnen.
Frage: Müssen wir uns in Deutschland in den kommenden Jahren auf griechische Verhältnisse einstellen? Sinkende Löhne, Renten und so weiter?
Antwort: Ich glaube nicht. Deutschland ist wirtschaftlich so stark, dass wir nicht mit einer Ausdehnung der Krise auf Deutschland ausgehen müssen, allerdings glaube ich, dass keine großen Lohnzuwächse zu erwarten sind.
Frage: Können Sie mir erklären, wer genau diese Märkte sind, von denen immer gesprochen wird? Und wer bitte sind denn die Gewinner, die Profiteure der Krise?
Antwort: Die Märkte sind wir alle, aber vor allem die, die viel Geld haben, das heißt Chinesen und die arabischen Länder. Die Profiteure der Krise sind nur wenige, denn in einer Krise gibt es sehr viele mehr, die etwas verlieren.
Frage: Wenn die Profiteure nur wenige sind, warum kann man diese dann nicht kaltstellen? Ist es nicht auch so, dass Amerika mit allen Mitteln versucht, Europa als die größte Markwirtschaft zu ruinieren?
Antwort: Ich glaube das nicht. Denn auch die Amerikaner würden in größte Schwierigkeiten kommen, wenn die Schuldenkrise nicht bewältigt wird. Die wenigen Profiteure verdienen ihr Geld durch Wetten auf ein Zusammenbrechen der Märkte. Das könnte vielleicht verboten werden, würde aber auch nichts Substantielles verändern.
Frage: Ich werde das Gefühl nicht los, dass mit aller Gewalt und Anstrengung der Euro gehalten wird. Obwohl die Perspektiven schlecht stehen. Und es vielleicht schon intern beschlossene Sache ist, Griechenland und/oder weitere Länder aufzugeben. Wann kommt der geplante große Knall?
Antwort: Ich glaube nicht, dass es derartige Überlegungen gibt. Denn ein Aussteigen Griechenlands aus dem Euro würde unkalkulierbare Auswirkungen auf den Euro haben, auf Portugal, Spanien et cetera.
Frage: Politik kommt aus dem griechischen „politikein“ und bedeutet „voraussehen“. Warum machen die Politiker dies nicht zum Dogma und reparieren immer nur, wenn es schon zu spät ist? Wo bleibt das Voraussehen?
Antwort: Ich glaube nicht, dass heute irgendwer in der Lage ist, die Entwicklung von Lebensverhältnissen für Jahre hinweg vorauszusehen, so dass man die auf dem Tisch liegenden Fragen lösen muss.
Frage: Warum muss es immer mehr Wachstum sein, immer mehr Geld, mehr Konsum, die Ressourcen sind aber endlich?
Antwort: Ich bin überzeugt, dass ein gewisses Wachstum Probleme erleichtert. Wenn wir kein Wachstum mehr haben, muss alles, was für neue Ideen verwendet wird, aus anderen Bereichen abgezogen und gekürzt werden. Allerdings glaube ich, dass sich das Wachstum in den entwickelten Staaten nur in engen Grenzen noch belaufen wird.

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