Bayerisches Fernsehen - Münchner Runde

Chat-Highlights 13.12. Der Euro darf nicht zerbrechen!

"Wir müssen alles tun, um diese Währung zu retten! Wenn sie zerfällt, werden wir alle viel Geld verlieren - egal, wie wir's angelegt haben." So das Fazit des Chefredakteurs von Focus-Money im Chat der Münchner-Runde.

Stand: 14.12.2011

Chat-Highlights vom 13.12.2011

Frank Pöpsel

FOCUS-MONEY-Chefredakteur Frank Pöpsel studierte nach einer Banklehre Volkswirtschaft und arbeitet als Wirtschaftsredakteur beim Wirtschaftsmagazin "Capital“. Er gibt in seinem Buch "Hilfe, unser Geld!“ handfeste Tipps, wie man sein Geld am besten in Sicherheit bringt.

Frage: Aus welchem Grunde wird beim Thema Sparen der Staaten lediglich die Ausgabenseite und nicht ausreichend genug die Einnahmenseite betrachtet? Warum werden Einkünfte aus Kapitalerträgen, höhere Steuern für Spitzenverdiener und hohe Steuern auf Boni nicht in die Diskussion eingebracht, vor allem von den Medien nicht. Steckt da Methode hinter, um diese Klientel zu schützen?

Antwort: Das glaube ich nicht, sondern aus meiner Sicht ist eher das Gegenteil der Fall. Wir haben zum Beispiel eine Reichensteuer - und das klingt schon, als müsse man diese Reichen für irgendetwas zur Kasse bitten, was sie in ihrem Leben verbrochen haben. Wir sollten nicht vergessen, dass etwa zehn Prozent der Bevölkerung schon heute knapp neunzig Prozent der Steuern bezahlen. Damit möchte ich nicht sagen, dass diese zehn Prozent nicht auch in einer Krise durchaus noch mehr bezahlen können oder sollten, aber eine Bevorzugung kann ich schwer erkennen.

Frage: Glauben Sie, dass noch andere EU-Länder, wie zum Beispiel Schweden, Dänemark, Litauen, Polen, usw. den Euro einführen werden? Wenn ja, wann?

Antwort: Ich kann mir das durchaus vorstellen, dass mittelfristig auch noch andere EU-Länder den Euro einführen werden. Denn ein Land, das alleine ist, und nur eine kleine Währung hat, wird automatisch zum Spielball der Finanzmärkte. Eine große Währung hingegen ist auf den Märkten vergleichbar stabiler und die Wirtschaft kann damit auch besser kalkulieren. Nehmen Sie zum Beispiel die Schweiz: Die massive Aufwertung des Schweizer Franken hat die dortige Wirtschaft derart unter Druck gesetzt, dass jetzt sogar die Notenbank mit Unmengen von Geld intervenieren muss, um ihre eigene Währung zu schwächen. Auch das sind finanzpolitische Risiken, nicht nur die des Euros.

Frage: Halten sie die Beteiligung von Privatgläubigern für sinnvoll, wenn dadurch das Vertrauen der möglichen Privatinvestoren sinkt und somit kein Kapital mehr in den Euroraum beziehungsweise in die hochverschuldeten Länder fließt?

Antwort: Bei der Beteiligung von Privatgläubigern muss man erst einmal unterscheiden, ob es sich um Banken und Versicherungen oder tatsächlich um private Anleger handelt. Aufgrund der gewaltigen Spekulationsexzesse der Vergangenheit halten es viele Menschen für moralisch notwendig, etwa die Banken in die Haftung zu nehmen. Das Problem, wenn Sie den Banken Geld wegnehmen, werden es die Kreditnehmer zu spüren bekommen. So wie dies seit 2008 bereits der Fall ist. Es nützt daher leider wenig, Finanzinstitute in die Haftung zu nehmen, wenn sie der Staat später wieder retten muss - so ungerecht das auch klingt.

Frage: Warum haben Sie in der Runde, auf die Angst der Menschen, dass ihr Geld nichts mehr wert ist, keine Antworten gegeben?

Antwort: Die Ängste der Menschen sind vorhanden. Es gibt leider keine Patentanlage, die Sie tätigen können und die Ihnen im Fall einer Geldentwertung die Sicherung ihres Ersparten garantiert. Ich habe versucht, Herrn Dr. Waigel klarzumachen, dass die Schwachstellen, die der Vertrag von Maastricht in sich birgt, dazu geführt haben, dass die Leute heute Angst um ihre Ersparnisse haben - und dass diese Angst viel tiefer geht, als die ein oder anderen wirtschaftlichen Ängste in den 70ger und 80ger Jahren.

Frage: Warum wurde in der Sendung verschwiegen, dass die als letzte Retterin des Euro benannte EZB, Gelddrucken ohne Ende bedeutet, und dass so etwas in Deutschland noch nie ein gutes Ende nahm?

Antwort: Ebenfalls von 2000 bis 2007 stieg die jährliche Kreditvergabe der Banken um neunzehn Prozent. Seit 2008 geht sie jährlich um zwei Prozent zurück. Wir steuern also nicht auf Inflation zu, sondern auf das Gegenteil - auf japanische Verhältnisse. Dies liegt daran, dass, wie bereits in der vorherigen Frage ausgeführt, die Banken zwar Geld für ihre maroden Staatsanleihen erhalten, dieses Geld aber nur zögerlich weiterverleihen. Die EZB kauft derzeit zwar hunderte von Milliarden an Staatsanleihen auf und pumpt dazu frisches Geld in die Märkte, Inflation entsteht dadurch aber nicht. Während die Geldmenge von 2000 bis 2007 pro Jahr gestiegen ist, stagniert sie seit 2008.

Frage: Mehrere Bundestaaten der USA sind pleite. Das interessiert die Zentralregierung ziemlich wenig und hat auch keinen merkbaren Einfluss auf den US-Dollar. Warum funktioniert in den USA die "Bail-out-Klausel" und in Europa nicht?

Merkel lacht vor Europa-Fahne | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Die Krise als Chance Was jetzt passieren muss!

Der EU-Gipfel in Brüssel ist vorbei, die Kanzlerin hat sich durchgesetzt. Ist der Euro jetzt gerettet? Jubelstimmung? Fehlanzeige! Die Bürger und Finanzmärkte sind skeptisch. Was muss jetzt passieren? [mehr]

Antwort: Weil es in den USA eine Fiskalunion gibt, die in Europa erst noch geschaffen werden muss. Im Klartext heißt das: Die Regierung in Washington könnte etwa in die Steuer- und Haushaltsgesetzgebung Kaliforniens eingreifen. Die EU in Brüssel kann dies bei Griechenland oder Italien nicht. Wenn Sie die steuerpolitische Hoheit über ein Land haben, gibt es immer eine Möglichkeit, sich Schulden - für die Sie im Rahmen der „Bail-out-Klausel“ eingesprungen sind - über Steuern auch wieder zurückzuholen.

Frage: Würden Sie derzeit ihr Geld in Gold oder anderen Währungen (zum Beispiel Schweizer Franken oder Norwegischen Kronen) anlegen oder es unter das Kopfkissen stecken oder es ruhig auf der Bank vor sich hindümpeln lassen?

Antwort: Hierzu möchte ich gerne den Chefökonomen der angesehenen Schweizer Bank Sarrazin zitieren: Auf die Frage, was passiert, wenn der Euro zerfällt, sagt er: Das ist wie ein Meteoriteneinschlag, der einen thermonuklearen Winter auslöst. Es gibt dann kein Versteck. Arbeitnehmer, Sparer und Versicherte - alle sind betroffen. Ich denke, da ist durchaus etwas dran. Wir müssen alles tun, um diese Währung zu retten. Wenn sie zerfällt, werden wir alle viel Geld verlieren - egal wie wir's angelegt haben.