Bayerisches Fernsehen - Münchner Runde

Empört Bürger contra Banken!

Die Finanzkrise spitzt sich zu und die Wut der Bürger wächst. Hundertausende gehen gegen die Banken und die Auswüchse auf dem Finanzmarkt auf die Straße. Was bringt dieser Protest? Wie reagiert die Politik?

Stand: 18.10.2011

Unsere Gäste am 18.10.11

Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der "stern"-Chefredaktion

Er kann den Ärger der Bürger verstehen: "Die Finanzmärkte sind nach wie vor im Kern unkontrolliert, sie zerschlagen uns all das, was wir nach der ersten Finanzkrise erreicht haben; nämlich eine – vor allem in Deutschland – blühende Wirtschaft, blühenden Export, sinkende Arbeitslosenzahlen. Das grätscht alles da rein und droht es kaputt zu machen." Jörges greift FDP-Politiker Martin Lindner scharf an: "Sie tun in dieser Regierung nichts, um den Investmentbanken das Handwerk zu legen. Er hat nicht mal das gemacht, was in seiner Koalitionsvereinbarung drinsteht: Nämlich, dass in Deutschland die gespaltene Bankenaufsicht fusioniert wird."

Martin Lindner, stellv. Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag

Er wehrt sich gegen Vorwürfe, wonach die Politik nichts tun würde: "Wir sind nicht alleine, es gibt London, New York, Hongkong, Shanghai und andere Orte. Wir brauchen nicht nationale, sondern gemeinsame Regeln: die Eurozone im ersten Schritt, die EU 27 im zweiten und die G20 im dritten Schritt." Lindner fordert klare Regeln: "Wir müssen uns darauf einigen, dass, wer ins Casino geht, – so wie im echten Casino – das Geld auf den Tisch legt. Er kann nicht spekulieren und wenn es schiefgeht die Steuerzahler zur Kasse bitten."

Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

"Weshalb rettet man denn Banken? Doch nicht um Banken zu retten, sondern damit die Kunden nicht um ihre Ersparnisse kommen." Er spricht sich für eine Trennung des Investmentbankings vom klassischen Bankgeschäft aus: "Es ist schon überlegenswert, das zu trennen, damit die Sparguthaben der Bürger nicht eingesetzt werden können für Wetten in der Finanzwelt." Haasis möchte als Banker das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen: "Die Menschen haben Sorge um die Währung, deshalb gibt es auch eine Flucht in Metalle, also Gold und Silber, sowie in Immobilien. Da müssen wir nun aufpassen, dass wir da nichts selber erzeugen, was nachher Blasen schafft."