Bayerisches Fernsehen - Münchner Runde

Mäuse, Maden, Müller-Brot Was kommt noch?

Hygiene-Skandal bei der Firma Müller-Brot. Der Betrieb liegt still, nachdem schwere Mängel in der Produktion festgestellt wurden. Die Verbraucher sind empört. Wie können wir besser geschützt werden? Was können wir noch essen?

Stand: 14.02.2012

Gero Beckmann, Lebensmittelhygieniker

Er kritisiert die Politik: "Eine Kultur der Transparenz wie in Skandinavien mit ihrem Smiley-System haben wir längst nicht. Das Smiley-System ist letztlich ein einfaches Emblem, durch das jeder Lebensmittelhersteller, jede Gaststätte am Eingang sicher zeigt, wie das Ergebnis der letzten Kontrolle war. In Deutschland wird durch den Föderalismus angesichts von globalisierten Handelsströmen seit 15 Jahren rumgeeiert." Aber auch der Verbraucher trägt ein Stück Verantwortung: "Jeder Verbraucher will bei jedem Bäcker das volle Programm haben. Und das ist eine Sache, die der Qualität zuwider läuft. Viele handwerkliche Bäcker sind daher quasi gezwungen, auch irgendwelche Backmischungen irgendwoher zu bekommen."

Christa Stewens, Bayerische Staatsministerin a.D.

Sie versichert: "Bei den mikrobiologischen Laborunter-suchungen ist ja nichts gefunden worden, und da sind wir genau wieder in dem Problembereich drinnen. Deshalb finde ich es so wichtig, dass man die Möglichkeit hat, auch bei Ekel und bei ekelhaften Produktions-bedingungen mit Mäusen und Schädlingsbefall entsprechend einzuschreiten." Denn: "Ekel ist schon auch ein Stück weit gesundheitsgefährdend." Die Politik ist aber auf dem richtigen Weg, meint Stewens: "Da gab es ja gerade die Gesetzesnovelle, dass die Verbraucher künftig schon bei einem Bußgeld von 350 Euro informiert werden müssen."

Helmut Martell, ehem. HGF des Verbands Deutscher Großbäckereien

Er sagt: "Es ist nicht richtig, dass die Überwachung weggeschaut hat. Es war eine außerordentlich hohe Kontrolldichte und die Überwachung hat sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten absolut rechtskonform verhalten." Und: "Das Problem in der Vergangenheit war, dass kein systematischer Ansatz zur Verbesserung gewählt worden ist. Man hat punktuelle Probleme erkannt und gelöst und das war absolut unzureichend." Für die Zukunft von Müller-Brot ist er optimistisch: "Der Geschäftsführer hat eingeräumt, dass grobe Fehler gemacht worden sind. Ich will das nicht beschönigen. Nach langem Schlaf sind sie unsanft geweckt worden. Und jetzt besteht offenbar auch von der Unternehmenspolitik der Wille, aus der Krise etwas Besseres zu machen."

Christian Magerl, Landtagsabgeordneter B90/Grüne

Er klagt: „Wie viele von den 1100 Mitarbeitern bei Müller-Brot sind denn gelernte Bäcker? Eine absolute Minderheit! Der Bäcker macht seine Gesellenprüfung, da gehört Hygiene selbstverständlich dazu. Der Bäckermeister hat noch eine bessere Ausbildung. Das ist ein ganz anderer Standard als in Großbäckereien." Und: "Die Müller-Breze hat das Gleiche gekostet wie eine Breze in einer kleinen Bäckerei. Hier sind die Verbraucher aus meiner Sicht ganz gut getäuscht worden: Sie haben eine Ware bekommen, die hygienisch nicht einwandfrei war, haben aber den vollen Preis dafür bezahlt." Sein Fazit: "Ich hätte mit Sicherheit wesentlich früher informiert. Wenn man sich die Liste ansieht, die Lebensmittelkontrolleure im Nachhinein zusammengeschrieben haben, da hätte wirklich irgendwann die Öffentlichkeit, auch der Kreistag, informiert werden müssen."

Moderation

Durch die Sendung führte Ursula Heller.