Bayerisches Fernsehen - Münchner Runde

Madame Europa Wie stark ist unsere Kanzlerin?

So beliebt war sie noch nie: die Umfragewerte unserer Bundeskanzlerin sind top. Und auch in der Euro-Krise macht sie Druck: Madame Europa - wie stark ist unsere Kanzlerin wirklich?

Stand: 07.02.2012

Günther Beckstein, ehem. Bayerischer Ministerpräsident

Er kennt die Kanzlerin gut: "Ich war ja viele Jahre ganz eng mit ihr zusammen und ich muss sagen, sie ist wirklich nicht eitel. Man kann mit ihr hinter verschlossenen Türen auch sehr hart diskutieren und sie fährt einem dann nicht über den Mund." Aber er kritisiert auch: "Mir geht die Flexibilität manchmal ein Stück zu weit. Ich habe großen Respekt vor ihr, sie ist Pragmatikerin. Ich lästere manchmal: Ich bin Lutheraner, hier stehe ich, ich kann nicht anders. Sie ist Pragmatikerin: 'Hier stehe ich, ich kann auch anders'." Eines ist jedoch ganz klar: "Merkel hat es offenbar geschafft, ein Stück Hochachtung von Sarkozy zu kriegen. Und das ist unbedingt wichtig. Denn wenn Frankreich und Deutschland in so einer Situation streiten würden, dann wäre die Krise ja überhaupt nicht zu bewältigen."

Norbert Bolz, Medienexperte

Merkels Erfolg wundert ihn nicht: "Große Politiker und offenbar auch die großen Bundeskanzler profilieren sich eben in der Außenpolitik. Also bei den großen Themen und eben nicht in der Innenpolitik. Die großen Themen in der Außenpolitik erlauben dann natürlich auch Frau Merkel, die innenpolitischen Diskussionen praktisch pauschal abzuarbeiten." Gleichzeitig warnt er: "Das hat allerdings Folgen für die CDU - durch eine Art Sozialdemokratisierung ihrer eigenen Partei. Für mich ist die CDU die bessere SPD. Sie kann es besser als die SPD, aber sie ist die gleiche Partei mittlerweile. Und da gibt es dann ein paar innenpolitische Effekte, die ich nicht ganz unproblematisch finde." Sein Fazit: "Ich glaube, Angela Merkel schätzt ihre Kräfte richtig ein und sie wäre total überfordert von einem Integrationskonzept für Europa."

Peter Schneider, Schriftsteller

Er übt Kritik an der Kanzlerin: "Ich teile, was Sie sagen: Dass Merkel so rüberkommt, als sage sie nichts als die Wahrheit. Aber das bestreite ich jetzt doch. Eine Regierungschefin von ihrer Kompetenz hätte unbedingt sagen müssen: Liebe Leute, dieses ganze Geld, was wir jetzt für die Griechenlandkrise bereitstellen, kommt nie in Griechenland an. Es geht alles an deutsche und französische Banken, die sich mit diesen Staatspapieren wahnsinnig verschuldet haben." Außerdem: "Eine deutsche Bundekanzlerin muss mit jedem französischen Präsidenten zurechtkommen. Ich meine, dass die Hochachtung von Sarkozy durchaus echt ist. Ich fürchte aber auch, dass Frau Merkel in Frankreich auf keinen Fall so beliebt ist wie hier und ich glaube eher im Gegenteil, dass Sarkozy das schaden wird, diese Nähe."

Moderation

Durch die Sendung führte Sigmund Gottlieb.