Chat-Highlights 31.01. Achtet auf unabhängige Siegel!
„Viele teure Marken streichen große Gewinne ein, ohne bessere Produktionsbedingungen zu haben!“ – so Tanja Busse im Chat der „Münchner Runde“. Ihr Fazit: Unbedingt auf unabhängige Siegel achten!
Chat-Highlights vom 31.01.12
Tanja Busse
Tanja Busse wuchs auf dem elterlichen Bauernhof auf und studierte Journalismus und Philosophie . Heute ist sie Journalistin und Autorin, schreibt u.a. für die „Zeit“ und für das Magazin von „Greenpeace“. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter „Die Einkaufsrevolution“ und „Die Ernährungsdiktatur“.
Frage: Billig ist ja nicht unbedingt immer schlecht. Spart eine Menge Kampagnengeld bei "Markenware". Die teuren Produkte sind ja nicht automatisch auch besser?
Antwort: Das stimmt. Viele teure Marken streichen große Gewinne ein, ohne bessere Produktionsbedingungen zu haben. Deshalb mein Tipp: Auf unabhängige Siegel achten.
Frage: Wie stellen denn Siegel sicher, dass bessere Produktionsbedingungen eingehalten werden, und welche empfehlen sie?
Antwort: Bei Lebensmitteln: Das Biosiegel und das Siegel der Bioanbauverbände wie Demeter et cetera. Und bei Kleidung das Gütesiegel „GOTS“. Generell gilt: Siegel mit unabhängigen Kontrollen, wie bei den obig genannten.
Frage: Wo lassen denn Brax, Boss, Escada und so weiter herstellen. In Europa?
Antwort: Das kann ich nicht mit Sicherheit beantworten, das müsste ich für die genauen Firmen erst recherchieren. Aber ich weiß von vielen teuren Firmen, dass sie auch im Ausland produzieren.
Frage: Aber wer knapp bei Kasse (ALG2) ist, oder sparsam leben will, braucht doch auch die Preisdrücker, die Billigheimer? Da sind Qualität und Produktionsbedingungen doch einfach nachrangig, auch wenn ich es nicht gerade gut finde?
Antwort: Mit wenig Geld wird es schwieriger. Aber meine Erfahrung zeigt: Wer zum Beispiel einen Korb Biogemüse bestellt und selber kocht, kann auch günstig leben, so mit einer Gemüsesuppe, die für mehrere Tage reicht.
Frage: Wer Bioanbauer aus Überzeugung ist, mag die Spielregeln einhalten, aber die großen Lebensmittelskandale mit Giftstoffen stammen trotzdem vom Biosektor, weil die Eigenkontrolle nicht funktioniert.
Antwort: Stimmt, seit Bio auch im Discounter zu haben ist, ist das Risiko von Betrug größer geworden.
Frage: Ich habe einen Bauern, gleichzeitig Metzger, im Dorf nebenan. Was der verkauft, ist nicht zertifiziert Bio, aber gegenüber den Supermarktprodukten eine ganz andere Welt. Da interessiert mich das Reiten auf einem Siegel nix, vor allem, wenn ich mir überlege, wie weich die teilweise sind.
Antwort: Man kann ihn ja einfach fragen, ob er den Stall zeigt oder ob er ohne Gentechnikfutter auskommt. Das ist ja die große Chance der Nähe. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Landwirte ihre Ställe auch gerne zeigen.

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