Wolfgang Ruge Gelobtes Land
1933 verlässt er das nationalsozialistische Deutschland Richtung Moskau: Wolfgang Ruge, Jahrgang 1917, Kommunist und voller Hoffnung auf eine Zukunft in der Sowjetunion. Doch dort kommt er seiner Herkunft wegen im Krieg ins Arbeitslager.
Erst kann er zwar in Moskau Geschichte studieren, doch als die Wehrmacht in Russland einmaschiert, wird er in ein Arbeitslager in den Nordural deportiert, ist dort vier Jahre lang Zwangsarbeiter. Zum Kriegsende wird er jedoch nicht entlassen, sondern seine Strafe wird in eine lebenslängliche Verbannung umgewandelt. Elf Jahre muss er in dieser Verbannung leben. Erst 1956, drei Jahre nach dem Tod Stalins, kommt er endlich frei, kann zurück nach Berlin. Dort wird er zum anerkannten Historiker - bis zu seinem Tod 2006 bleibt er Kommunist.
Wolfgang Ruges Sohn, Eugen Ruge, wurde 1954, noch am Ort der Verbannung seines Vaters, in Soswa im Ural geboren. 2011 erhielt er für sein Romandebüt "In Zeiten des abnehmenden Lichts" den Deutschen Buchpreis. Darin erzählt er auch die Geschichtes seines Vaters. Er kannte sie aus dessen mündlichen Erzählungen, hat ihn aber immer wieder aufgefordert, seine Geschichte selbst aufzuschreiben. Posthum erscheinen nun Wolfgang Ruges Erinnerungen. Sie erzählen vom Kampf ums Überleben im Gulag unter stalinistischer Willkür. Sie erzählen aber auch von der lebenserhaltenden, fortwährenden Hoffnung auf eine unmittelbar bevorstehende Freilassung - und davon, wie diese Hoffnungen immer wieder enttäuscht worden sind.

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