Bayerisches Fernsehen - Lebenslinien

Lebenslinien "Wer nicht weint, kann das Lachen nicht ..."

Mit dreizehn Jahren träumte Alois davon, Journalist zu werden. Dabei war klar, dass er den Hof und die Metzgerei seiner Eltern übernehmen würde. So kam es dann auch, doch das Schreiben spielt in seinem Leben weiterhin eine große Rolle.

Stand: 14.10.2011
"Wer nicht weint, kann das Lachen nicht fühlen" | Bild: BR/Sabine Barth

Alois G. wurde Bauer, Metzger und Gastwirt wie sein Vater und alle seine Vorfahren. Seit Ende des 18. Jahrhunderts ist der Landgasthof in der 600-Seelen-Gemeinde Niedermurach in der Oberpfalz im Besitz der Familie. Als Alois mit 22 Jahren den Betrieb übernahm, hätte er am liebsten gleich verkauft. Gasthof und Metzgerei gingen nach zwei Kriegen und vielen Erbteilungen nicht gut. Aber Margarete, seine junge Frau, pochte auf die Familientradition. Viele Jahre schufteten die beiden Tag und Nacht, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Alois musste sogar als Vertreter hinzuverdienen, damit er seine Frau und die drei Kinder ernähren konnte.

Filminfo

Originalitel: "Wer nicht weint, kann das Lachen nicht fühlen" (D, 2011)
Regie: Sabine Barth
Länge: 44 Min.

In all den Jahren schöpfte er Kraft aus seiner Leidenschaft für die Volksmusik und die Mundartdichtung. Er schaute den Leuten aufs Maul, sammelte ihre Geschichten, Gedichte und Lieder und schrieb sie auf. Schließlich hatte er auch den Mut, eigene Geschichten und Gedichte im Oberpfälzer Dialekt zu schreiben und drucken zu lassen. Sein bekanntestes Buch sind die "Oberpfälzer Weihnachtsgeschichten". Jedes Jahr in der Adventszeit fährt er von Dorf zu Dorf und liest daraus vor.

Als nach Jahren harter Arbeit der Betrieb florierte, bekommen Alois und Margarete ihr viertes Kind, den Sohn Wolfgang. Alois hat nun mehr Zeit und genießt es, Vater zu sein. Kurz bevor der Kleine in die Schule kommt, trifft die Familie ein großes Unglück - sie verlieren ihren jüngsten Sohn. Nacht für Nacht stand Alois nun am Grab und haderte mit Gott. Die Gedichte und Gebete, die er in dieser Zeit schrieb, öffneten ihm und seiner Familie schließlich den Weg, die Trauer zu bewältigen. Die Mundartdichtung half Alois, mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden.