Bayerisches Fernsehen - Lebenslinien

Lebenslinien New York ist mein Zauberwald

Vor 20 Jahren folgt die Künstlerin und Sängerin Tine Kindermann der Liebe und zieht nach New York. Hier findet sie die Inspiration für ihre Arbeit – und eine Heimat unter Menschen, die sie annehmen, wie sie ist. Doch die Stadt hat sie keineswegs von Anfang an mit offenen Armen empfangen

Stand: 23.11.2011
Lebenslinien: New York ist mein Zauberwald | Bild: BR/Magadalena Hutter

Tine Kindermann sitzt in ihrem New Yorker Atelier und formt behutsam eine kleine Figur für eine ihrer Guckkasten-Skulpturen. Ihre Materialien fischt sie aus den Mülltonnen der Millionenstadt: verwittertes Holz, weggeworfenes Spielzeug oder verbogenes Besteck. Sie verwandelt sie in düstere Szenen aus deutschen Märchen. Und dabei singt sie hebräische Verse aus der Thora - in wenigen Tagen wird sie zum Judentum konvertieren.

Filminfo

Originalitel: New York ist mein Zauberwald (D, 2011)
Regie: Magdalena Hutter
Länge: 45 Min.


Tine stammt aus Berlin, aus einer Lehrerfamilie. Früh hat sie das Gefühl, anders zu sein als die Schulkameraden: Bei ihr zu Hause ist das Geld knapp, es gibt keinen Fernseher, dafür spricht man über Kunst und Literatur. Auch dass sie nicht getauft ist, verunsichert sie. 1988 lernt sie auf einem Festival den Klezmer-Musiker Frank kennen. Nach einigen Jahren des Pendelns trifft sie eine Entscheidung: Sie verlässt ihre Heimat und zieht zu ihm nach New York. Als ihr Sohn Louis zur Welt kommt, glaubt Tine, ihr Glück sei perfekt.

Doch Frank ist häufig auf Tour, und Tine fühlt sich mit dem Neugeborenen in der fremden Stadt zunächst völlig isoliert. Sie lebt sich langsam ein, ihre Tochter Anna wird geboren. Dann der Schock: Ihr Sohn Louis hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Gemeinsam stellen Tine und Frank sich der Herausforderung. Und Tine schöpft Kraft aus ihrer Kunst - sie sucht sich ihren Platz und kommt sich dabei auch selbst näher. Sie findet Anerkennung - auch als Musikerin, die ihre Lieder selbst schreibt, und auch alte deutsche Volkslieder neu interpretiert. Hier in New York, der Stadt der Außenseiter, der Angeschwemmten, findet Tine eine Heimat.