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Sachrang Unruhe auf dem alten Friedhof

Eine wundervolle Barockkirche, die Originalmauer aus dem 17. Jahrhundert, 86 Gräber mit Kreuzen, die seit Generationen innerhalb der Familien weitergegeben werden. Der Bergfriedhof in Sachrang ist seit Jahrhunderten gleich geblieben. Doch jetzt wird er erweitert. Damit auch die Zugezogenen einen Platz darauf finden können…

Stand: 15.07.2012
Alter Friedhof in Sachrang | Bild: BR

Vorbei ist es mit der himmlischen Ruhe rund um die Barockkirche Sankt Michael: Der alte Friedhof wird derzeit um 900 Quadratmeter erweitert. Das heißt: Es gibt 25 neue Urnenplätze und 48 zusätzliche Grabstellen, sowie eine neue Aussegnungshalle.

Letzte Ruhestätten auch für Neubürger

Der Friedhof soll erweitert werden - hier die Pläne

Doch warum diese Erweiterung? Die Einheimischen haben schließlich seit Generationen ihre Grabstätten! Es sind die vielen Neubürger, die keine letzte Ruhestätte auf dem jetzigen Friedhof finden. „Menschen, die in Sachrang leben, wollen auch in Sachrang beerdigt werden in der Regel. Deswegen waren wir hier auch im Zugzwang“, erklärt Walter Zass.

Kirchenpfleger Walter Zass

Er ist hier Kirchenpfleger – und doch kein gebürtiger Sachranger. Seit Jahren engagiert er sich nun für den neuen Gottesacker. Und er ist sich sicher, dass der eine oder andere Alteingesessene diese Entwicklung kritisch beäugt – doch das seien die, die hier bereits eine Grabstätte haben. Er und seine Frau gehören da nicht dazu. Und doch wollen die beiden einmal hier begraben sein, schließlich fühlen sie sich im Herzen längst als Sachranger.

Die Mesnerin

Mesnerin Josefine Koller

Eine, die unter zwei Grabstätten wählen kann, ist Josefine Koller, genannt Fini. Sie ist gebürtige Sachrangerin und zudem auch noch Mesnerin hier. Die 77-Jährige ist auch sonst sehr engagiert für ihren Heimatort: So putzt sie beispielsweise regelmäßig das alte Schulhaus, in dem mittlerweile ein Kindergarten und das Heimatmuseum beherbergt sind. Der Hof ihrer Familie allerdings ist schon lange in fremden Händen: Honorige Amerikaner haben ihn einst gekauft.  Doch Groll hat sie deswegen keinen auf die „Zuagroasten“ in Sachrang. Im Gegenteil. „Wenn koane Zuazognen da wären, dann wär´s alles tot. Weil es san ja ned vui Einheimische mehr do“, sagt sie. Und nett wären die ohnehin alle.

Eine Bereicherung

Walter Zass gibt die alten Kreuze weiter

„Zuazogene“ wie Walter Zass, ein gebürtiger Augsburger der sich hier im Ruhestand niederließ, sind auch eine echte Bereicherung. Zur Ruhe gesetzt hat der sich nämlich in Sachrang nicht: Als Kirchenpfleger packt er seit zwölf Jahren richtig an und schafft dabei nicht nur Neues, sondern bewahrt auch uralte Traditionen. So verwahrt er die alten Kreuze oben im Kirchturm von St. Michael.

Alte Kreuze werden restauriert - das ist Tradition

„Diese alten Kreuze stellen wir Interessierten zur Verfügung, die können wieder restauriert werden. Wir verlangen dafür kein Geld, hoffen natürlich auf eine kleine Spende - so ist die Tradition hier“, erklärt er.

Übervoller Friedhof

Der Sachranger Friedhof

Derzeit ist das aber schwierig für die „Neu-Sachranger“, denn selbst wenn sie ein Kreuz hätten, so würde doch die Grabstelle dazu fehlen. Sogar für den Schauspieler Hans Clarin war kein Plätzchen zu haben, in dem Friedhof, der aus allen Nähten platzt. Vor allem die Urnengrabstelle ist übervoll – eine Urne musste sogar schon ausgelagert werden.

Im Schatten der Kirche entsteht eine neue Aussegnungshalle

Doch so etwas soll in Zukunft nicht mehr vorkommen. Und auch die Aufbahrung der Toten wird  demnächst nicht mehr in der kleinen Kapelle am Rande des Friedhofs vonstattengehen, sondern im Neubau. Kühlung hat die neue Leichenhalle aber auch keine – aus Kostengründen, wie Walter Zass betont. 90.000 Euro kostet der neue Friedhof ohnehin schon. Und man sei überhaupt froh, einen Gönner gefunden zu haben, der großzügig für den Bau gestiftet hat. Ein Zugezogener wohlgemerkt.

Vereint in der Ewigkeit

So richtig kann sich die Fini die Erweiterung noch nicht vorstellen...

So recht vorstellen kann sich Fini die Erweiterung des Friedhofes zwar im Moment noch nicht, aber für die Neubürger sei sie bereit, solch eine Veränderung zu akzeptieren. „Dass sie auch einen Platz haben, auf der anderen Welt“, sagt sie. In der Ewigkeit sind sie dann ohnehin alle vereint, die „Zuagroasten“ vom neuen und die "Einheimischen" vom alten Friedhof.


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