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Als der Meteorit kam... Die Nördlinger und ihr Krater

15 Millionen Jahre ist es her, da stürzte ein riesiger Meteorit auf die Erde - und zwar genau dorthin, wo heute das malerische Städtchen Nördlingen liegt. Der ungebetene Himmelsbesucher hinterließ einen Krater von 25 Kilometern Durchmesser - und ganz besonderes Gestein.

Stand: 19.02.2012
Meteorit stürzt auf die Erde (Animation) | Bild: BR

Eigentlich ist es das Szenario der Katastrophe schlechthin: Ein riesiger Himmelskörper stürzt auf die Erde! Das war sicher auch vor 15 Millionen Jahren so, aber die Menschen heute haben an diesem Ereignis ihre wahre Freude. Im schwäbischen Nördlingen, das mitten im Meteoritenkrater liegt, finden sich seither ganz besondere Steine.

Eine wahre Freude für Geologen

Ralf und Gisela Barfeld

Das lockt die Geologen an. Wie beispielweise Ralf Barfeld: Er und seine Frau Gisela verließen für das Nördlinger Ries vor 20 Jahren sogar ihre rheinländische Heimat. Denn der Geologie-Virus hat die beiden schon früh erfasst. Und so arbeitet Ralf Barfeld zwar hauptberuflich als Ingenieur und erstellt als solcher Baugrund-Gutachten, aber die eigentliche Faszination liegt für ihn im Riesgestein. Denn: Das ist sozusagen der Beleg für das Spektakel, dass sich hier vor Milliarden Jahren abgespielt hat.

Erdgeschichte in Stein

Die "Flädle" in den Steinen sind ein Produkt des Meteoriteneinschlags

Die Steine weisen nämlich schwarze Einschlüsse auf - die Einheimischen nennen sie liebevoll "Flädle". Allerdings ist das komplett geschmolzenes Gestein, wie es unter der Wucht des Meteoriten-Einschlags entstand. "Und darin steckt für mich eine große Begeisterung, solche erdgeschichtlichen Prozesse an Gesteinen, an Fossilien in meiner Freizeit nachvollziehen zu können", begeistert sich Ralf Barfeld. Zudem wurden damals die Gesteinsschichten so richtig "durcheinander gewirbelt" - das heißt: Schichten, die normalerweise einen Kilometer unter der Erde liegen, kamen an die Oberfläche.

Farben wie in der Steinzeit

Künstler Klaus Zöttl und seine Steinzeitfarben | Bild: BR zur Bildergalerie Gesteinsmühle & Pinsel Sanfte Steinzeitfarben

Es sind besonders sanfte Farbtöne, die man aus den Gesteinsschichten im Ries gewinnen kann. Farben, die schon die Steinzeitmenschen kannten. Der Augsburger Künstler Klaus Zöttl hat sie für seine Kunst wiederentdeckt. [mehr]

Darüber freut sich der Augsburger Künstler Klaus Zöttl. Für ihn ist das Ries eine wahre Schatzkammer - mit einer ganz besonderen Farbpalette. Denn die Steine liefern ganz spezielle Farben. "Und das ist ziemlich einmalig - hier in Mitteleuropa zumindest - diese Farbigkeit zu haben", schwärmt der Künstler. Insgesamt 130 verschiedene Erdfarben hat er hier schon geborgen. Leise, feine Farbtöne, wie er betont. Farben mit Tradition: Sie würden die Menschheit schon seit der Steinzeit begleiten, seien aber ins Hintertreffen geraten. Dabei täten sie den Menschen besonders gut. Klaus Zöttl gewinnt die Farbtöne mit seiner mobilen Farbmühle, ein bisschen Wasser und ein bisschen Bindemittel - mehr braucht der Künstler nicht, bevor er loslegt. Und was malt er am liebsten mit den Krater-Farben? Krater. Was sonst.

Astronauten in Nördlingen

Otto Hahn

Der Nördlinger Krater zog im Laufe der Jahre auch viele andere illustre Gäste an: 1970 bereiteten sich hier beispielsweise sogar die Astronauten der Apollo-Mission auf ihren Mondflug vor. Filmemacher und Fotograf Otto Hahn war damals vor Ort und den Amerikanern mit der Kamera sozusagen auf den Fersen. Es entstanden besondere Aufnahmen - und jede Menge lustige Anekdoten, die der Filmemacher heute noch gerne erzählt.

Der Mondstein - ein Geschenk der NASA

Als Dank für die Trainingsmöglichkeit bedankte sich die NASA später bei den Nördlingern mit einem Stückchen echten Mondstein. Den kann man heute noch bewundern, im Rieskratermuseum.

Doch nicht nur im Museum sind in Nördlingen besondere Steine zu sehen: Auch die Stadtmauer und das Wahrzeichen der Stadt, der "Daniel", ist komplett aus Suevit erbaut - dem Gestein der beim Meteoriten-Einschlag entstand.