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Erzieher (K)ein Kinderspiel!

Mit den lieben Kleinen singen, basteln und malen, sie trösten und die dreckigen Münder abwaschen: Bei solchen Szenerien erscheint unmittelbar die liebe Kindergartentante vor dem geistigen Auge. Stefan Blieninger passt da eigentlich nicht so ins Bild. Doch genau damit verdient er sein Geld: Er ist Erzieher.

Stand: 24.06.2012
Der männliche Erzieher Stefan Blieninger | Bild: BR

Ein großer, bärtiger Mann, der Kinderlieder singt, Pflaster auf offene Knie klebt und Kaba anrührt – den gibt es im Kinderhort Vaterstetten.

Stefan Blieninger ist Erzieher

Stefan Blieninger ist Erzieher – und damit ein echter Exot in einer absolut frauendominierten Berufsgruppe. Doch so ein bisserl auf Kinder aufzupassen, das ist doch wohl auch ein entspannter Job, oder etwa nicht? „Um mit Kindern zu arbeiten, braucht man wirklich gute Nerven. Jeder der denkt, dass das einfach so geht und ein ganz relaxter Job ist, dem würde ich empfehlen einfach mal in irgendeine Einrichtung zu gehen, einen Tag zu hospitieren und er würde sich ganz schnell eines Besseren belehren lassen. Gechillt ist hier gar nix“ erklärt der 23-Jährige.

Männer sind körperbetonter

Die Buben hängen besonders an Stefan Blieninger

Für Stefan Blieninger war es der Traumjob – trotzdem. Den Kindern etwas mitgeben zu können für ihren späteren Lebensweg, das sei eben das Größte. „Das ist einfach ein toller Job und eine tolle Aufgabe“, sagt er. Und wie war es für die Hortkinder? Gerade die Mädchen hätten anfangs doch ganz schönen Respekt gehabt vor dem großen Kerl. „Aber auch die Eltern“, erinnert sich Stefan Blieninger lachend. Die haben ihn teilweise mit großen Augen angeschaut am ersten Elternabend.

Tauziehen mit dem Erzieher - das macht vor allem den Jungs Spaß

Die Buben hingen hingegen gleich an ihm. Eine männliche Bezugsperson unter all den Frauen, das ist gerade für die Buben eine gute Erfahrung. Stefan unternimmt die körperbetonteren Aktivitäten, fordert die Kinder beispielsweise spontan zum Tauziehen heraus, rauft mit ihnen oder startet ein schnelles Fußballkicken.

Aufgewachsen mit behinderter Schwester

Stefan Blieningers Vater unterstützte die Berufswahl seines Sohnes

Doch wie kam der junge Mann überhaupt darauf, Erzieher zu werden? Der Grund dafür lebt in seiner Familie: Stefan wuchs mit einer jüngeren behinderten Schwester auf. Der Berufswunsch entstand bereits in den ersten Schuljahren. Sein Vater hat ihn dabei unterstützt und freut sich über die Entscheidung seines Sohnes. Doch in der Behindertenarbeit, in die Stefan Blieninger ursprünglich gehen wollte, kam er nicht zurecht.

Stefan und seine behinderte Schwester Carmen

„Das Problem war: Da muss man sich sehr gut abgrenzen können von der Arbeit. Und dadurch, dass ich persönlich betroffen bin, ist mir das relativ schwer gefallen. Da waren halt schon einige Fälle dabei, die einen dann auch mitnehmen – also, was da von der Familiengeschichte her daheim passiert ist, bei diesen Kindern“, sagt er. Das hätte er auf Dauer nicht ausgehalten, ist sich Stefan sicher.

Ärger über schlechte Bezahlung

"Pfiat eich - bis morgen!"

So wurden es eben die Hortkinder. Ein Manko hat der Beruf dann aber trotzdem: die Bezahlung. Das ärgert Stefan Blieninger. Schließlich dauert die Ausbildung zum Erzieher fünf Jahre und es ist eine extrem verantwortungsvolle Aufgabe. „Deswegen ist es eigentlich ein Unding, dass der Beruf des Erziehers erstens nicht hoch anerkannt ist und zweitens dann auch nicht dementsprechend bezahlt ist“, sagt er. Und trotzdem: Es ist sein Traumberuf.


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