Kleine Leute Keramik-Miniaturen aus München
Sie haben etwas zu große Ohren oder ein fliehendes Kinn. Der Bauch wölbt sich, die Oberschenkel sind drall, die Augenlider hängen. Sie sind nicht perfekt – und sehr individuell, die Leute von Angela Eberhard. Nur eines haben alle gemein: Sie sind klein – und aus Ton.
Wenn Angela Eberhard mit der Trambahn durch München fährt, dann schaut sie nur selten einfach aus dem Fenster. Sie beobachtet – und zwar ganz genau. Im Visier: ihre Mitmenschen. Fasziniert ist sie dabei nicht von den Model-Typen. Im Gegenteil. „Schönheit ist für mich überhaupt nimmer interessant, nimmer wichtig. Ausdruck, des ist für mich wichtig. Was mich halt fasziniert, wenn etwas von der Norm abweicht. Das find ich dann schon ganz gut“, sagt sie.
Angetan von den Menschen – und deren Geschichten
Mit diesen Eindrücken kehrt Angela Eberhard dann zurück in ihr Atelier. Und dann kann es schon mal sein, dass der Sitznachbar aus der Tram verewigt wird – in Ton. Angela Eberhard ist Künstlerin – und angetan haben es ihr die Menschen. Und deren Geschichten. Ohne Geschichte wird nämlich keine Eberhardsche Figur entstehen. Da ist beispielsweise die jugendlich gestylte Frau mittleren Alters, die geschäftig auf ihrem Handy SMS schreibt. An wen? Den deutlich jüngeren Liebhaber? Oder die ebenso stylische Busenfreundin? Dann gibt es da noch die vornehme bereits ergraute Dame, in Rosa gehüllt, mitsamt ihrem Pudel. „Mit Stammbaum“ nennt Angela Eberhard dieses Kunstwerk. Alleine dieser Titel erzählt die Geschichte, die allerdings nie spektakulär ist. Sie macht eben „kleine Leute“.
Von der Sozialpädagogin zur Künstlerin
Menschen spielten im Leben von Angela Eberhard schon immer eine zentrale Rolle: Ursprünglich hat sie Erzieherin gelernt, dann ihr Fachabitur nachgeholt und Sozialpädagogik studiert - und sich all die Zeit mit vor allem sozial benachteiligen Menschen auseinandergesetzt. Doch das Angebot für eine Professur stürzte sie schließlich in eine persönliche Krise. Eine schwere Zeit begann – doch Angela Eberhard stand sie durch. Sie lehnte die Professur ab und stellte ihr ganzes Leben um. Sie besann sich auf eine Leidenschaft, die sie bereits seit ihrer Jugend begleitet: dem Töpfern.
Einzigartige kleine Leute
Mit Hilfe des Tons taucht sie in eine andere Welt ab, eine Welt in der sie Zeit und Raum vergisst. Und die Ergebnisse sind einzigartig: Sie schafft es, den kleinen Leuten eine ganz individuelle Seele zu geben. Und dabei spielt ihre Berufserfahrung eine große Rolle: Sie kennt die Menschen in all ihren Entwicklungsstufen und Lebensphasen, in all seinen Zuständen. „Ich will die Menschen nicht mehr erziehen“, sagt sie bestimmt. Sie will sie nur noch darstellen. In all ihren Unperfektheiten.

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