Masche für Masche Häkel-Opas Puppen
Häkelnd abends im Lehnstuhl sitzen, ein Auge auf der Handarbeit, das andere am laufenden Fernseher, der treue Hund ruht zu den Füßen – so stellt man sich eine gemütliche Szenerie vor. Hauptperson: eine alte Dame? Weit gefehlt: So verbringt Gunther Bauer seine Abende. Und auch große Teile seiner Tage. Er häkelt.
„Der Tag hat 24 Stunden – und das ist eine lange Zeit. Und wenn man da nichts zu tun hat, dann wird es einem ja langweilig. Und wenn ich häkle ist es doch gut! Dann geht die Zeit rum.“
Es ist ein durchaus sinnvoller und auch sehr kreativer Zeitvertreib, den sich Gunter Bauer da gesucht hat. 87 Jahre ist er alt, seit 23 Jahren ist der ehemalige Bewährungshelfer in Rente – und vor ein paar Jahren hat er drei Säcke Wolle als Restposten gekauft.
Bis zu 800 Puppen gehäkelt
Aus all diesen Gegebenheiten zog der Rentner seine Schlüsse: Er hatte Zeit, er hatte Wolle, er konnte häkeln. Und so entstand eine Puppe nach der anderen. 700 bis 800 hat er bereits gefertigt. Auf die Idee mit den Puppen kam er durch seinen Enkel: Der musste einmal für die Schule einen Pumuckl häkeln. „Und wie ich das gesehen habe und nichts zu tun hatte daneben, da habe ich gesagt, das kann ich auch! Häkeln haben wir ja als Kinder gelernt: Häkeln, Stricken, Stopfen, Sticken – haben wir alles gelernt“, sagt der rüstige Großvater.
Aus dem Tief - mit Puppen, Hund & Schnee
Die Freude am Basteln spürte er schon sein ganzes Leben lang – am liebsten tat er das mit seiner Frau. Sie war die Kreative, er übernahm die Umsetzung. So lief es, bis seine Frau verstarb. Das warf Gunther Bauer in ein tiefes Loch – aus dem ihn die Puppen herausholten. Und sein Hund Ayka.
Mit ihm verbringt der gebürtige Schwarzwälder die Winter auf der Winklmoosalm bei Reit im Winkl. In die Berge zieht es den 87-Jährigen immer im Winter, schließlich schnallt er sich hier jeden Tag die Langlaufskier an.
Die Sache mit der „Voodoo-Puppe“
Doch woher nimmt er diese Energie? Vielleicht von seinen Puppen? Im Internet werden sie jedenfalls als „Voodoo-Puppe Gunther“ gehandelt. Wie kam er auf die Idee, seine Püppchen mit „Voodoo“ zu betiteln? Damit hat er gar nichts zu tun. Der Betreiber des Häkel-Internetshops hat sich das ausgedacht. „ Der hat mich da absolut überrumpelt und wollte wissen, wie die Puppen heißen – und da habe ich gesagt, das ist mir doch ganz egal wie die Puppen heißen! Und dann hat er’s so genannt“, erklärt Gunther Bauer.
Unmännliches Hobby?
Und wie reagiert seine Umwelt auf das große Hobby von Gunther Bauer? Ist Häkeln nicht einfach unmännlich? „Was heißt hier unmännlich? Ich meine, wenn keine Frau da ist, muss der Mann auch seine Socken stopfen bzw. heute stopft man keine mehr, da kauft man neue – aber früher musste der Mann das auch machen“, verteidigt er sein Können. Schließlich hat es ihm sogar schon große Vorteile gebracht: In der Kriegsgefangenschaft konnte er sich kurzerhand aus einem Stück Lappen neue Unterwäsche nähen.
Puppen als Geschenk
Aber nicht alle Puppen, die Gunter Bauer fertigt, finden einen Käufer. So verschenkt er sie auch an Kinderheime. Schließlich geht es dem Rentner nicht darum, Geld zu verdienen. Er will eine Aufgabe haben. Und er hat eine besonders entzückende gefunden. Solange die Wolle noch reicht …

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