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"Franzosenkind" Ein Niederbayer sucht seinen Vater

Als Kind war er ein Außenseiter. Einer, der nie so richtig nach Egglham gehört hat. Obwohl Albrecht Hendlmaier doch hier geboren war, wie alle anderen Kinder. Aber sein Vater, das war kein Hiesiger. Das war ein Franzose. Ein Kriegsgefangener. Kennengelernt hat er ihn nie, denn der musste nach Frankreich zurück…

Stand: 30.01.2012
Albrecht Hendlmaier - alte Aufnahme Mutter und Soldat | Bild: BR

Dazugehören wollte Albrecht Hendlmaier. Dazugehören zur Dorfgemeinschaft im niederbayerischen Egglham bei Pfarrkirchen. Doch als Kind blieb ihm das verwehrt.

Albrecht Hendlmaier war als Kind ein Außenseiter in seinem Dorf

„Ich wollte halt auch mal gerne Ministrant werden. Aber man hat mich halt nicht herzeigen können. 'Läutebua' hab ich werden dürfen, weil da hat man mich ja nicht gesehen. Da war ich im Turm droben“, erinnert er sich an schmerzliche Zeiten zurück. Nicht vorzeigbar sei er eben gewesen, als Kind eines französischen Kriegsgefangenen. Nach Albrechts Geburt musste der wieder nach Frankreich zurück.

Ein paar alte Fotos, ein Name …

Einige Fotos - die sind Albrecht Hendlmaier von seiner Kindheit erhalten geblieben.

Henri Parvery hieß der Franzose. Und aus La Bussière stammte er. Mehr wusste Albrecht Hendlmaier von seinem Vater nicht. Ein paar alte Fotos hat er gefunden. Auf einigen sieht man seine Mutter mit einem Soldaten – händchenhaltend.

Dieser Soldat könnte sein Vater sein. Doch er ging nach Frankreich zurück - und die Mutter durfte nicht hinterher ...

„Der könnte es sein“, mutmaßt Albrecht Hendlmaier. Doch sicher ist er sich nicht. Auch sonst weiß er nur wenig über die Liebesgeschichte seiner Eltern. Nur, dass der Vater die Mutter nachholen wollte nach Frankreich. Doch die Großmutter ließ sie nicht gehen.

... die Großmutter hatte etwas dagegen.

„Großmutter hat die Arbeitskraft gesehen von der Mutter und dass die dann verloren wäre. Dass eventuelle Zahlungen fällig wären, Heiratsgut oder solche Sachen. Und das wollte sie halt nicht“, erklärt er.

Später, schwieriger Start der Nachforschungen

Lebensgefährtin Inge Schachtl ermunterte Albrecht Hendlmaier zur Recherche

Doch warum konnte Albrecht Hendlmaier im Laufe seines Lebens nicht mehr über seinen Vater in Erfahrung bringen? Seine Frau wollte diese alten Zeiten ruhen lassen. Erst jetzt, zehn Jahre nachdem sie verstorben ist, traut er sich, in der Vergangenheit zu graben – auch motiviert von seiner Lebensgefährtin Inge Schachtl.

Ortschronist Johann Griesbacher weiß nicht viel über den Vater zu berichten

Doch es ist schwierig: Albrecht Hendlmaier spricht kein Französisch. Und auch der hiesige Dorfchronist, Johann Griesbacher, konnte ihm nicht recht weiterhelfen. 14 Jahre war der alt, als der Krieg zu Ende war. Er kann sich allerdings daran erinnern, dass es ein gefangener Franzose war, der den Amerikanern damals erzählt hatte, die Egglhamer wären anständige Leute – keine Nazis. „Da kann man sagen, das ist vielleicht der Retter von Egglham gewesen“, sagt der Chronist.

Die Überraschung

Pierre Wolff, Vorsitzender der Montgelas-Gesellschaft, kann eine tolle Nachricht überbringen.

Mittlerweile hat Inge Schachtl jedoch Kontakte nach Frankreich herstellen können. Sie ist sich sicher, dass es für ihren Partner die größte Freude wäre, wenn er Halbgeschwister in Frankreich finden könnte. Und tatsächlich: Es gibt ergreifende Neuigkeiten.

Er hat einen Halbbruder! Diese Nachricht rührt Albrecht Hendlmaier zu Tränen.

Pierre Wolff, Vorsitzender der Montgelas-Gesellschaft, die sich um bayerisch-französische Verständigung bemüht, kommt nach Egglham, mit einer wundervollen Nachricht, die Albrecht Hendlmeier die Tränen in die Augen treibt. Er wird in Frankreich erwartet. Von seinem Halbbruder Gaston.