"Rive Gauche" Französische Schmankerl links der Isar
Ein Pariser Künstlerviertel hat eine neue Heimat gefunden – und zwar in der bayerischen Landeshauptstadt. Arnaud und Smina Ouisse haben mit dem „Rive Gauche“ – benannt nach einem quirligen Viertel links der Seine - ein Stück französische Lebensart ins Glockenbachviertel gebracht…
Jakobsmuscheln, Artischocken, Hummer, – wer an Frankreich und sein Küche denkt, denkt meist sofort an Erlesenes. Dabei kann die französische Küche auch durchaus deftig sein.
Arnaud Ouisse beispielsweise schwört auf seine Apfeltarte mit Blutwurst – und auch die Münchner essen sie gerne, wenn sie auf der Speisekarte des „Rive Gauche“ steht. Dieses französische Bistro betreibt Arnaud mit seiner Frau Smina nun bereits seit fünf Jahren im Glockenbachviertel.
Alte Rezepte
Die Karte wechselt täglich und darauf findet man immer ganz besondere französische Gaumenfreuden. Die muss Arnaud alle in einer winzigen Küche zubereiten. Das geht nur mit einem speziellen Konzept. „Wir machen sehr wenige Sachen à la minute oder wir grillen überhaupt nicht. Wir machen alte Gerichte aus Frankreich, die einfach lange gekocht sind und im Backofen vorbereitet werden“, erklärt Arnaud, der im Bistro kocht.
Eine französische Liebe – entstanden in München
Die Speisen zu den Gästen bringt seine Frau Smina. Die hat Arnaud jedoch nicht etwa in seiner Heimat Frankreich kennengelernt: In München liefen sich die beiden im Jahr 1993 über den Weg. Als 20-Jährige kam Smina als AuPair-Mädchen hierher – und um sich dann später ihr Germanistikstudium zu finanzieren, jobbte sie in verschiedenen Münchner Lokalen.Hier traf sie auf Arnaud, den Hotellier und Koch aus der Bretagne. Die beiden fanden nicht nur schnell die Liebe füreinander, sondern entdeckten auch, dass sie beide ein Faible für die Gastronomie haben. So arbeiteten die beiden zunächst im „Saint Ives“ in der Baaderstraße – und zogen dabei eine Menge Stammgäste, unter ihnen viele Franzosen, an.
Als Weltenbummler unterwegs
Doch da gibt es noch etwas, was die beiden verbindet: Sie sind ausgesprochene Weltenbummler. Und so zog es die beiden auch wieder weg aus München: Sie unternahmen eine zweijährige Weltreise nach Australien, Griechenland und Mallorca, kehrten später in die Münchner Haute Cuisine zurück und landeten schließlich in Rennes in der Bretagne.
Von 2001 bis 2007 führten sie dort ein eigenes französisches Lokal – das „P’tit Grenier“. „Das war für uns auch sehr wichtig, es auch in Frankreich zu probieren, um zu sehen, was unsere Arbeit wert war. Weil hier in Deutschland sind wir mehr exotisch. Als Franzose zwischen anderen Franzosen ist es natürlich schwieriger“, erklärt Arnaud.
Mit Sohn (vorläufig) zurück in München
Zeitgleich mit dem Restaurant erfüllte sich ein weiterer Lebenstraum der beiden: Sie bekamen ihren Sohn Selim. Neun Jahre ist er mittlerweile alt – und zusammen mit seinen Eltern zurück in München. 2008 eröffneten die hier das „Rive Gauche“ – Selim besucht die französische Grundschule in Giesing.
Warum keine deutsche Schule? Ganz einfach: Familie Ouisse weiß nicht, wohin es sie als nächstes verschlägt. In der Gastronomie könne man einfach nicht stehen bleiben – und so könnte es gut sein, dass sie in den nächsten Jahren nach England oder wieder nach Frankreich umziehen. Eine Festlegung auf das deutsche Schulsystem sei da nicht unbedingt von Vorteil.
Ein Stück Herz in München
Ein Stück München nehmen Smina und Arnaud aber auf jeden Fall mit – egal wohin es sie verschlagen wird. Denn in der Landeshauptstadt leben viele gute Freunde der beiden – auch Deutsche. „Als wir angekommen sind, waren wir um die zwanzig rum - und das ist wirklich die Zeit, wo man seinen Freundeskreis aufbaut“, erklärt Smina. „Ich glaube, wir werden immer ein Stück von unserem Herzen in München lassen, auch wenn wir jetzt heute oder morgen wieder weg sind. Das gehört zu unserem Leben.“

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