Hugenottenstadt Erlangen Fingerkleid, Fürsorge & Fremdwörter
Chaiselongue, Trottoir, Portemonnaie – nicht nur sprachlich finden sich in Bayern viele französische Spuren. Janina Nottensteiner entdeckt die Hugenottenstadt Erlangen.
Die Bayern sprechen Französisch. Und manche tun das und merken es nicht einmal. Denken Sie doch an all die Fremdwörter, die schon seit vielen Generationen ganz selbstverständlich in unseren Dialekten vorkommen: Chaiselongue, Trottoir, Portemonnaie, Plumeau, Böfflamot, Kanapee, Lavoir, Paraplü, Plafond, Potschamperl... – diese Reihe wäre noch lange fortzusetzen. Doch woher kommen die französischen Einflüsse? Schon im Dreissigjährigen Krieg brachten Soldaten sie nach Bayern. Später lieh man sich in höfischen Kreisen französischen Wortschatz aus – das galt als schick. Das einfache Volk ahmte manches nach – und passte die Aussprache dem eigenen Zungenschlag an. Auch Napoleon und seine Truppen färbten sprachlich auf die Dialekte in Bayern ab.
Eine historische Stadtführung
Aber nicht nur sprachlich finden sich in Bayern viele französische Spuren: Der laVita-Bus (böse Zungen nennen ihn eine alte „Schäsn“, was wiederum aus dem Französischen kommt) bringt Moderatorin Janina Nottensteiner nach Erlangen. Diese Stadt hat nämlich eine ganz besondere Beziehung zu Frankreich: Hier lebten einmal fast ausschließlich Franzosen. Während der Hugenottenkriege kamen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich hier an.
Wie das alles genau war, davon kann die Stadtführerin Claudia Koolman berichten. Und als die Moderatorin auf sie trifft, ist sie sehr beeindruckt: Die Stadtführerin erscheint als Hugenottin gekleidet – im Stil des 17. Jahrhunderts.
Kulinarische Differenzen
Schon seit zehn Jahren schlüpft sie in die Rolle der „Marie“ – damals hat Erlangen zum 1000-jährigen Stadtjubiläum diese historischen Rundgänge eingeführt. Von „Marie“ erfährt Janina Nottensteiner dann auch, warum die Franzosen ausgerechnet nach Erlangen gekommen sind und mit welchen kulturellen Unterschieden die Erlanger und die Franzosen zu kämpfen hatten.
Da waren nicht nur die Sprache und die Religion, sondern auch die deutlich andere Tischkultur: Die Einwanderer aßen ja Bohnen und Frösche! Das war den Erlangern nicht geheuer… Kein Wunder also, dass für die Franzosen hier praktisch eine eigene Stadt in der Stadt gebaut wurde. In der barocken Neustadt sieht sich die Moderatorin dann auch gleich noch etwas genauer um.
Der Handschuhmacher
Doch die Hugenotten haben die Erlanger nicht nur kulinarisch verwundert – sondern sie haben der Stadt auch etwas ganz Besonderes gebracht: ausgezeichnete Handwerker. Damit kurbelten sie die Wirtschaft kräftig an. Vor allem waren es Strumpfwirker, aber auch Hutmacher und Handschuhmacher. Einen der letzten Handschuhmacher der Stadt – ja ganz Bayerns – besucht Janina Nottensteiner.
Jürgen Pfeiffer erklärt nicht nur, wie man einen Handschuh herstellt, sondern berichtet auch über die handwerkliche Tradition, die in seiner Familie seit Generationen gepflegt wird.
Aussterbendes Handwerk
Aber es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis sein Beruf ausstirbt: In den letzten Jahren wurden nur noch vier Handschuhmacher ausgebildet und seit 2011 ist Handschuhmacher kein anerkannter Ausbildungsberuf mehr.
Warum? Es lohnt sich einfach nicht mehr: 90 Arbeitsgänge braucht es, bis gefütterte Handschuhe fertig sind. Das wird schlichtweg nicht mehr bezahlt.
Die Armenfürsorge
Andere Traditionen der Hugenotten werden allerdings auch heute noch praktiziert: die Armenfürsorge beispielsweise. laVita-Moderatorin Janina Nottensteiner trifft Johannes Mann, Pfarrer in der Hugenottenkirche und selbst Sohn einer französischen Mutter hugenottischer Abstammung – und geht mit ihm zur Erlanger Bahnhofsmission. Hier werden täglich Hilfesuchende mit Wärme und Essen versorgt.
Der Dialektforscher
Und zum Schluss kehrt die Moderatorin dann noch einmal zur Sprache zurück: Dialektforscher Dr. Markus Wollin lüftet die Geheimnisse von „ausderlameng“ und anderen französisch klingenden Sprachrätseln…

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