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Die Liebesfalle - Abzocke im Internet

Kontrovers extra Die Liebesfalle - Abzocke im Internet

Sieben Millionen Singles suchen online nach der großen Liebe. Doch Vorsicht: Wer nicht aufpasst, wird abgezockt. Denn auf Partnerportalen tummeln sich massenhaft Betrüger, die einsamen Herzen die große Liebe vorgaukeln.

Vor allem ältere, einsame Menschen fallen zunehmend auf sogenannte Romance Scammer, Liebesbetrüger, herein. Sie machen ihren Opfern gefühlvolle Liebesversprechen – haben es aber nur aufs Geld abgesehen. So sprechen neuerdings verstärkt Betrüger aus Russland potentielle Opfer auf Partnerbörsen an. Ihre Masche ist oft dieselbe: Mit im Internet geklauten Fotos attraktiver Frauen wecken sie das Interesse deutscher Männer. Doch wenn die ihre neue Liebe treffen wollen, fehlt den russischen Frauen angeblich das Geld: Erst für ein Visum, dann für den Flug. Viele Männer überweisen dann größere Summen – und hören nie wieder etwas von ihrem vermeintlichen Herzblatt.

Für den Film "Die Liebesfalle - Abzocke im Internet" haben die Autoren Katharina Adami und Josef Streule Menschen getroffen, die in Internetforen auf der Suche nach einem Partner waren. Und auch Hintermänner der Betrugsmaschinerie gewähren erstmals Einblicke in die Online-Liebesfalle.

Vorsicht bei Geldüberweisungen

facebook auf Tablet-Computer | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Artikel Falsche Liebe im Netz Polizei warnt vor Liebesbetrügern

Die Polizei warnt vor Betrügern, die mit vorgetäuschten Liebesbeziehungen ihre Opfer über das Internet finanziell ausbeuten. Das Ganze nennt sich „Romance Scam“ (frei übersetzt: „Liebesbetrug"). [mehr]

Oft wird ein Kontakt über Jahre hinweg aufgebaut. Dies ist vor allem bei Betrügern aus Westafrika der Fall. Sie geben vor, Angehörige der US-Armee oder erfolgreiche Geschäftsmänner zu sein. Irgendwann müssen sie dann nach Westafrika reisen und geraten unerwartet in eine Notlage. Weil nach einem Überfall die Kreditkarte weg ist oder einem Unfall ein teurer Krankenhausaufenthalt folgte, brauchen sie dringend Geld. Manchmal werden auch gefälschte Schecks gesandt, die in Deutschland eingezahlt werden sollen. Die Betrüger versprechen den Opfern, einen Teil der Summe dürften sie behalten, den Rest sollten sie per Bargeldtransfer weiterreichen. Der finanzielle Schaden ist dann meist groß. Schlimmstenfalls droht Opfern sogar eine Anzeige wegen Geldwäsche.

Experten raten daher, misstrauisch zu sein, wenn vermeintliche Liebespartner aus dem Ausland Geld verlangen. In der Regel handelt es sich dann um Betrug, der bei der Polizei angezeigt werden sollte. Opfer müssen jedoch damit rechnen, dass die deutschen Staatsanwaltschaften die Verfahren schnell einstellen, weil die Täter im Ausland sitzen. Hilfe finden Betroffene auf speziellen Anti-Scam-Foren. So hat das Portal www.anti-scam.de mittlerweile zehntausende Bilder aus aufgedeckten Betrugsfällen gesammelt. Wer den Verdacht hat, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, kann sich hier informieren und Betrugsversuche melden.

Lockvögel und Animateure

Auf dem umkämpften Markt der Online-Partnerbörsen buhlen rund 2.000 Anbieter um Kundschaft, vielfach mit unseriösen Methoden. Kaum zu glauben: Dutzende Singlebörsen setzen bezahlte Animateure ein. Für diese Lockvögel hat sich mittlerweile sogar ein eigenes Berufsbild entwickelt. So sind im Netz zahlreiche Jobangebote für sogenannte "IKM-Schreiber" zu finden. Diese "Internet-Kontakt-Markt-Schreiber" täuschen Kunden Interesse und mitunter sogar die große Liebe vor.

Typische Scammer-Profile

Scam-Männer

Sie geben sich als Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie oder als Tierärzte und Computerspezialisten aus. Auf den Fotos des Scammer-Profils bekommen weibliche Opfer eine attraktive weiße Person präsentiert, die Bilder sind allerdings gestohlen. Und auch wenn der "Neue" vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzt er wahrscheinlich in Westafrika. Davon merken die Opfer allerdings nichts, denn diese Chat-Bekanntschaften sprechen perfekt Englisch oder benutzen häufig Übersetzungstools für ihre Mails.

Scam-Frauen

Sie geben sich bevorzugt als Krankenschwestern, Ärztinnen, Mitarbeiterinnen im Waisenhaus oder als Lehrerinnen, Schauspielerinnen sowie als Geschäftsfrauen jeder Art aus. Die Frauen auf den Bildern in Netzwerken und auf Dating-Seiten sind äußerst attraktiv. Aber auch diese Bilder sind meist gestohlen oder einzig für das Scamming fotografiert worden. Das ist an Fotostrecken mit ähnlichen Posen und Kleidung zu erkennen. Viele Frauen geben sich als Russinnen aus. Sie können aber auch aus Südamerika, Thailand, Afrika oder Europa stammen. Auch alle Scam-Frauen beherrschen die englische Sprache, manchmal sogar die deutsche Sprache perfekt.

Kriminaloberrat Harald Schmidt | Bild: LKA Baden-Württemberg zum Audio Liebesbetrug im Internet Daten und Fakten von Harald Schmidt; Kriminaloberrat

Der emotionale Schaden beim Scamming und der damit verbundene Vertrauensverlust sei häufig noch gravierender als der finanzielle Schaden, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. [mehr]

Die Masche ist einfach: In der Regel arbeiten IKM-Schreiber für Portale, die auf den ersten Blick wie ganz normale Kontaktbörsen aussehen: Frauen suchen Männer und umgekehrt. Meist müssen die Kunden aber für jede Nachricht an vermeintlich flirtwillige andere Singles bezahlen. Und: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und teils auch bei der Registrierung erfolgt ein Hinweis, dass auf der Seite „Controller“ oder "Moderatoren" eingesetzt werden, die über "Scheinprofile" Dialoge führen. Ob Kunden an ein solches Scheinprofil und somit an bezahlte Animateure geraten, erfahren sie allerdings nicht. Oft bemerken sie dies erst, wenn sie schon viel Geld ausgegeben haben – für Kontakte zu Frauen oder Männern, die es gar nicht gibt.

Sind die Opfer selbst schuld, weil sie die Geschäftsbedingungen nicht gelesen haben? Oder ist das Betrug? Darüber streiten sich die Juristen. Derweil stolpern arglose Singles weiter in die Liebesfalle

Echte Liebe oder Romance-Scammer?

  • Meist bekommen die Opfer Fotos in schlechter Qualität zugeschickt. Ausnahme: Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind.
  • Scammer überhäufen ihre Opfer mit Liebesschwüren. Oft wollen sie alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielen eine Rolle.
  • Betrüger bitten ihr Opfer um Geld. Weigert es sich zu zahlen, finden Scammer andere Wege der Bereicherung, beispielsweise gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen oder auch der Wunsch nach einem Visum für Deutschland.
  • Tipp: Geben Sie den Namen Ihrer Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" bei einer Suchmaschine ein - das kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen, weil sich die Betroffenen in Onlineforen miteinander austauschen.
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