Bayerisches Fernsehen - Kino Kino

Französische Erfolgskomödie Ziemlich beste Freunde

Aus dem Ghetto in die Nobel-Villa: Ein junger Krimineller aus der Vorstadt wird zum Pfleger eines reichen Querschnittsgelähmten. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Sensationelle Erfolgskomödie aus Frankreich.

Autor: Louis Vazquez Stand: 16.12.2011

Eher widerwillig übernimmt der frischgebackene Ex-Häftling Driss (Omar Sy) einen neuen Job: Rund um die Uhr soll er den querschnittsgelähmten Philippe (François Cluzet) pflegen und sogar bei ihm wohnen. So verschlägt es den jungen Ganoven aus dem Vorstadt-Ghetto in eine luxuriöse Villa mit vielen Hausangestellten. Driss nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt auch kein Mitgefühl – Philippe findet das perfekt. Doch selbst der betont coole Draufgänger Driss stößt schnell an seine Grenzen, weil der Job fordernder ist als erwartet. Doch er hat seinen Stolz. Und weil er zu Hause rausgeflogen ist, hat er auch gar keine Wahl.

Ungewöhnliche Männerfreundschaft

Driss' unkonventionelle Pflegermethoden bringen Schwung in Philippes Leben.

"Ziemlich beste Freunde", die neue Komödie des Regie-Duos Eric Toledano und Olivier Nakache, ist in Frankreich binnen weniger Wochen zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten geworden. Seine große Stärke sind die beiden Hauptfiguren, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hier der aktive junge Schwarze aus dem Ghetto. Da der steinreiche, gelähmte Witwer, der eine beeindruckende Sammlung von Fabergé-Eiern hat und sich auch sonst so ziemlich alles leisten kann.

Filminfo

Originaltitel: Intouchables (F, 2011)
Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
Darsteller: François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny
Länge: 112 Min.
FSK: ab 16 Jahre
Kinostart: 05. Januar 2012

Allzu bissige Sozialkritik sollte man trotz dieser plakativen Figurenkonstellation nicht erwarten, denn der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Im Mittelpunkt steht die ungewöhnliche Männerfreundschaft zwischen zwei grundsympathischen Figuren, die viel von einander lernen. Driss wird mit der Hochkultur konfrontiert, Philippe mit Joints und "Earth, Wind & Fire". Für den einen ist Berlioz ein Komponist, für den anderen der Name eines Sozialwohnblocks. Natürlich kommt auch die Romantik nicht zu kurz: Während Driss binnen Sekunden mit einer Sekretärin flirtet, die eher unterkühlt auf seine Dreistigkeit reagiert, führt Philippe seit Monaten eine anregende Brieffreundschaft mit einer Frau, der er nie begegnet ist und die von seiner Behinderung nichts weiß.

Großartiges Hauptdarsteller-Duo

Ein tolles Team: Omar Sy als Driss und François Cluzet als Philippe

"Ziemlich beste Freunde" reiht komische und bewegende Episoden aneinander, die zwar nicht immer einer zwingenden Dramaturgie folgen, aber stets das großartige Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller zelebrieren. François Cluzet, bekannt vor allem durch seine Arbeiten mit Claude Chabrol, kann sich dabei lediglich seiner Mimik bedienen. Omar Sy dagegen zeigt eine betont körperliche Präsenz. Beeindruckend sind beide.

Ein Film, der für jeden etwas bietet

Das hemmungslos optimistische Drehbuch kippt zum Glück nie ganz ins Kitschige und verzichtet auf einen übertriebenen Brückenschlag zwischen Arm und Reich. So gelingt ein toll besetztes, nuanciertes Feel-Good-Movie, in dem politisch unkorrekte Gags genauso ihren Platz finden wie Sentimentalitäten. Ein Film, der tatsächlich für jeden etwas bietet.